Kreative Artikel zum Thema Nähen

Sommerkleid nähen mit Wickeloptik und Bortensaum

Heute möchte ich mal ein Sommerkleid aus einer Knipmode nähen und dabei auf einen schönen Abschluss mit Overlock UND Coverstitch schauen. Ich zeige Euch zudem, wie man schnell, einfach und sehr sauber schöne Bänder und Borten einsetzen kann.

Sommerkleid nähen mit Overlock und Cover

Meine BERNINA 850 bleibt während des gesamten Projektes in der 4-Faden-Overlocknaht, dem Überwendlingsstich. Da es aber ein (Fake-)Wickelkleid wird, bin ich teilweise im schrägen Fadenlauf, darum mache ich meinen Differential ein bisschen hoch – in den Bereich über 1 – was bedeutet, dass mein Stoff ein wenig zusammengeschoben wird beim Nähen und so Wellenbildung entgegengewirkt wird.  

Die Naht ist so absolut sauber und traumhaft in diesem schönen Jaquard-Jersey. Die meisten denken, man müsse sich zum Beginn einer Naht für eine Einstellung entscheiden – das muss man nicht. Durchaus kann man, wenn sich die Nährichtung im Fadenlauf ändert, auch den Differential verändern im Verlauf der Naht.

An der äusseren Kante nähe ich mit demselben Stich einen Beleg an. Diesen habe ich mit der Nähmaschine im Geradstich auf die erforderliche Länge gebracht und die Nahtzugaben auseinander gebügelt. So wird der Beleg dünner, und hat nicht an den zusammengesetzten Stellen dicke Knubbel der Nahtzugabe.

An der später inneren Länge des Beleges, die, die eben nicht am Aussenkleid befestigt wird, versäubere ich ebenfalls. Nicht, weil ich muss (Jersey franst ja nicht aus), sondern weil ich das einfach hübscher finde.

Borte anbringen mit dem Blindsaumfuss

Wenn das Kleid zusammengesetzt ist, kann ich endlich meine Borte am Saum aufbringen. Diese möchte ich gleichbleibend auf der gesamten Länge immer auf derselben Höhe anbringen. Die Borte soll nicht mal 1 cm zu sehen sein, mal 1,4 cm und mal nur 0,7. Ich benötige also ein Maß oder irgendetwas, woran ich mich orientieren könnte. Außerdem muss ich unbedingt vermeiden, dass meine Borte  beschnitten wird. Denn würde sie beschnitten werden, würde mir ein eingestellter Abstand nichts mehr nutzen, wenn die Borte dann mal schmaler und mal breiter ist. Ausfransen soll sie natürlich auch nicht.

Die Lösung beider Aufgaben, Borte nicht beschneiden UND auf gleichbleibender Höhe befestigen, lautet „Blindsaumfuß“. Die BERNINA 850 kommt ja mit einem schönen Zubehörangebot daher, und ich bin ja bekennender Junkie, weil das richtige Zubehör einem an so wahnsinnig vielen Stellen Zeit spart und viel akkuratere Ergebnisse erzielt.

Der Blindsaumfuss ist keineswegs nur nützlich bei Blindsäumen, auch wenn man ihn dafür natürlich nutzen kann. Der Blindsaumfuß hat den Vorteil, dass er an der linken Seite eine Führung hat, die man durch lösen der oben liegendeN Schraube von links nach rechts schieben kann. Ich kann also durch ein Verschieben der Führung den Abstand zwischen der Stelle, an der die Nadeln nähen, und der inneren Kante der Führung verändern. Diesen stelle ich nun so ein, dass meine Borte gleichbleibend genau über den Bommeln angenäht wird.

Zur exakten Positionierung ist mein Kniehebel eine tolle Hilfe. Ich kann mit beiden Händen die Borte genau da legen, wo sie hin soll, und kontrolliere mit dem Knie den Nähfuss – herrlich!

Ich starte genau 2 mm im Beleg, also ca ein bis 2 Stiche, lasse dann zwischen Daumen und Zeigefinger die Borte laufen, und zwischen Zeige- und Mittelfinger den Stoff

Enden tue ich ebenfalls wieder ca 2 mm im Beleg.

Wie man einen ganz sauberen Overlockabschluss in einem Stich machen kann, ohne auslaufende Schlaufen, habe ich gerade in einem reinen Technik-Näh-Video gezeigt, „Besser nähen auf der Overlock Teil 1“. Neben dem sauberen Abschluss lernt man dort auch, wie Gummiband sauber mit der Overlock angenäht wird, wie Rollsaum-Aussenecken an zB Musselintüchern ohne absetzen blitzesauber funktionieren, wie saubere Innenecken ohne Leerstich genäht werden, wie man mit jeder Overlock die dicksten Nahtstellen bezwingt, saubere Taschenrundungen ohne Nahtblitzer und vieles mehr.

Die Borte lege ich dann nach unten weg, denn nun klappe ich den Beleg rechts auf rechts auf das Kleid um,

und nähe nur über den vorderen Teil, da wo eben der Beleg ist, nochmal mit der Overlock drüber. Dabei schneide ich gleich die überstehende Bortenkante ab, die somit kein offenes Ende irgendwo hat, und mache wieder einen sauberen Overlockabschluß.

Dann wende ich die Stelle.

Covern der vorderen Kante

Nun soll ja die gesamte vordere Kante noch gecovert werden. Dafür ist natürlich wichtig, dass auch wirklich genau bis zum letzten Stich vor die Borte meine Covernaht läuft. Darum bediene ich mich eines kleinen Tricks: Ich lege 2 Stoffreste über meine Borte, ich covere ja von links.

Der Vorteil ist, dass ich auch gleich einen schicken Höhenausgleich habe, und in den ersten Stichen mit der Cover nicht hängen bleibe, was mir die Stiche sehr dicht machen würde. Die Naht liegt aber jetzt natürlich auch auf der Borte.

Da, wo ich gestartet bin, muss ich die wenigen Stiche von der Nadelseite mit dem Nahttrenner lösen,

Wie man die Stiche vom Ende her trennen kann, zeige ich hier auf YouTube:

Sehr hilfreich vor allem auch, wenn man mal eine ganze Naht trennen möchte, weil man einen Fehlstich entdeckt hat oder irgendeine andere „Schwachstelle“ in seiner Naht.

Am Ende muss ich die losen Ende noch vernähen mit einer Handnadel.

Und wenn dieser Arbeitsschritt fertig ist, soll es so aussehen:

Am Ende nähe ich von links nochmal über die untere Kante, diesmal allerdings mit neutralem Garn, und habe so den Kettstich rechts. Als Kettstich bezeichnet man ja das Covern nur mit einer Nadel. Dabei muss man dran denken, die Greiferspannung zu erhöhen, denn es darf ja nicht mehr soviel Garn abgegeben werden, wie wenn ich mit 2 oder 3 Nadeln nähe – der Greifer muss nur noch eine Nadel versorgen mit Garn!

Und am Ende ist das das Ergebnis:

Da das ganze ein Wickelkleid ist, das ich nicht wickeln möchte, habe ich alles mit einem Fake-Knopf geschlossen. Angezogen wird das Kleid über den Kopf, aber ich mag dieses Gewickel nicht und Gürtel, die sich vielleicht lösen.

Und schon hab ich ein schickes Kleid, das auch durchaus im Herbst seinen Dienst tut

Viel Spaß beim Nähen,

Eure Manu

Verwendete Produkte:
BERNINA L 850
BERNINA L 850
Blindstichfuss
Blindstichfuss

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Kommentare zu diesem Artikel

11 Antworten

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  • ERIKA BORNEMANN

    Liebe Manuela,

    freu mich sehr über deine hilfreichen Tipps und das toll erklärte Video, in dem mir die Durchziehnadel auffiel, die ich mir sofort bestellt habe.

    Das Kleid ist sehr gelungen und sieht gut aus.

    Liebe Grüße

    Erika

  • Dorit Brügmann

    Toll erklärt und tolles Kleid.Hab mir gleich mal Deine Seite auf FB verlinkt. Ich schau mir dann doch noch mal den Videokurs zur Ovi an, obwohl ich schon jahrelang mit allenmöglichen Maschinen nähe. Dazulernen geht ja immer.

    • Manu / courleys.de

      Das ist einfach eine Stelle, an der man mehrere Schritte machen muss, um es sauber zu haben. Das ist überhaupt nicht kompliziert, versuch es einfach mal, dann wirst Du sehen, dass es wirklich ganz easy geht

  • Helga Behnke

    So ein toller Beitrag ! Dein Video erklärt all die kleinen lästigen Schwierigkeiten einfach super. Ich werde es bestimmt einige Male ansehen.

    Vielen Dank und liebe Grüße  Helga

    • Manu / courleys.de

      Das höre ich sehr häufig, und bei jedem Mal entdeckt man etwas neues. Dafür sind die Kapitel rechts an der Seite auch super hilfreich. Du kannst direkt auf das Kapitel springen, dass Dich interessiert, ohne lange suchen zu müssen, und kannst direkt genau DAS schauen, was gerade für Dein aktuelles Projekt wichtig ist.

  • Jana Rosa

    Tolle Anleitung. Ich habe Lust das Kleid nachzunähen.

    Auf welcher Knipmode ist der Schnittmuster?

    Danke.

    Gruß

    Jana

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