Kreative Artikel zum Thema Quilten

Frühstück zu zweit

Platzdeckchen sind eigentlich nichts anderes als Miniquilts mit Zusatznutzen. Wahrscheinlich darum sind Mug Rugs in der Quiltcommunity so beliebt. Man kann was ausprobieren, ein bisschen mit Formen und Farben spielen, ohne dass gleich das ganz große Projekt dranhängt, und wenn das Teil fertig ist, kann man auch noch seine Kaffeetasse drauf stellen. Oder derjenige bzw. diejenige, die man damit beschenkt. Seltsamerweise habe ich so einen Mug Rug noch nie in Aktion gesehen. Vielleicht kenne ich aber nur nicht die richtigen Leute …

mugrug-gruen.jpg

Trotzdem geben solche Deckchen ein nettes Geschenk ab. Wenn sie zur Einrichtung passen und wenn man üblicherweise nur ganz klein frühstückt – allerdings auch nur dann, denn ein richtiger Teller für Brötchen, Butter, Honig und Käse passt nicht mehr drauf – sind sie ein hübsches Accessoire für den Frühstückstisch.

Als ich diese Mug Rugs gemacht habe, hatte ich ein konkretes, junges Paar im Sinn, deren Wohngeschmack ich noch nicht kannte. Aber ich hatte Anhaltspunkte dafür, dass “modern” die richtige Richtung sein könnte. Ihn sieht man meistens in schwarz und weiß, sie in feinen, rauchigen Pastells. Die Einrichtung (in einem fast neuen Reíhenhaus übrigens) wurde mir als modern mit alt kombiniert geschildert, ohne hervorstechende Farben.

mugrugs.jpg

Meine Überlegung war: höchstwahrscheinlich wird zumindest ein Parkett- oder Laminatboden vorhanden sein, und Beige als Basis passt sich jedem Holz an. Dazu Weiß, das das Beige frisch macht, und ein paar Farbkleckse in subtiler Kombination. Außerdem wollte ich die beiden Mug Rugs nicht exakt gleich, sondern passend aufeinander abgestimmt. Im Nachhinein muss ich sagen, meine Einschätzung war richtig. Schade eigentlich, dass ich die Teile dann doch nicht verschenkt habe – aber es hätte nicht zum Anlass gepasst. Manchmal mache ich solche übertriebenen Sachen, einfach, um auf der sicheren Seite zu sein, und entscheide dann doch spontan anders ;-).

Die Miniquilts waren auf jeden Fall eine gute Gelegenheit, den BERNINA  Bandeinfasser #88 weiter zu erforschen.

Mein letzter Stand war, die Nadel nicht in mittiger Position, sondern eine Stufe weiter rechts einzustellen, da sonst der Saum auf der Rückseite nicht zuverlässig mitgefasst wird. So habe ich es wieder versucht, aber diesmal war ich mit dem Ergebnis gar nicht zufrieden. Die Nahtlinie landete zu weit innerhalb der Bandeinfassung, um noch ordentlich auszusehen. Außerdem, und weitaus unangenehmer, verschob sich die obere Hälfte des Bandes gegenüber der unteren, sodass sich Schrägzüge bildeten. Da half auch das Ziehen an der Unterkante des Bandes beim Einführen in den Einfasser nicht.

Was tun? sprach Zeus (oder eher Hera). Die Lösung war wieder mal einer der “schmutzigen”, kleinen  Hausfrauentricks, die ich bisher weit von mir gewiesen hatte: Sprühstärke. Wenn man es recht bedenkt, sind die fertig konfektionierten, gefalzten Schrägbänder ja auch bockelhart – das ist wohl im Prinzip nichts anderes drin. Nachdem ich den Bändern ordentlich Schaum gegönnt hatte, war Schluss mit Verschieben – zumindest fast. Und siehe da, plötzlich funktionierte das Einfassen auch bei mittiger Stellung der Nadel. Geht eben doch!

Blieb das Problem: wie komme ich vernünftig um die Ecke? Im Grunde ist dazu in dieser Anleitung alles gesagt, mit einer Einschränkung: das Band mit Nadeln anzustecken ist ziemlich ungenau. Ich habe also die Stecknadeln durch Heftfaden ersetzt.

geheftet_vorne.jpg

Die Innenecken mit ein paar Heftstichen übereinander zu pinnen dauert im Grunde nur unwesentlich länger als die Pfriemelei mit den Stecknadeln, dafür sitzen die Ecken aber auch dann noch, wenn die Nadel endlich an Ort und Stelle einsticht. Und wie man sieht, funktioniert die knappe Steppnaht mit dieser Methode auch hinten.

geheftet_hinten.jpg

Allerdings sind die Gehrungsecken so oder so keine schnelle Lösung! Und man erkauft sich die saubere Eckverarbeitung mit einem knubbeligen Ansetzen irgendwo “mittendrin”.

ansatzstelle.jpg

Wenn das noch technisch zu lösen wäre … liebe BERNINA-Ingenieure, das wäre das vollkommene Einfassglück!

Den zweiten Miniquilt habe ich zum Vergleich mit stumpfen Ecken gearbeitet.

stumpfe_ecke.jpg

Zum Design passt es gut und ging viel schneller!

mugrug-gelb.jpg

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Kommentare zu diesem Artikel

5 Responses

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  • Dagmar

    Hallo an alle,
    habt ihr eine saubere Lösung gefunden um die Einfassung schön glatt zu beenden? Alles klappt wunderbar nur nicht der Abschluß mit dem Bandeinfasser. Wer hat eine Idee ?
    LG Dagmar

  • Ursula Gottschall

    Danke Euch, Ihr Lieben!
    Ihr seid ja schon alle da – jetzt ist auch Ms NightOwl angekommen …

    Ich seh schon, wenn die Ecken sogar mit den Fingern gehen, werd ich noch ein wenig üben müssen. Ich war halt noch nie die allerschnellste, produktionsgestählte Näherin 😉

    Susanne, Deine Ansetzmethode teste ich als Nächstes. Danke für den Tipp! Ich habe diesmal schon heftigst an der Nahtzugabe herumgeschnippelt, nach beiden Seiten wegfalten ist der nächste logische Schritt. Dümpelte schon irgendwie in meinen Hirnwindungen herum, ist aber noch nicht ganz bis zur Oberfläche gekommen.

    Viele Grüße
    Ursula

  • Susanne Menne

    Liebe Ursula,

    bisher konnte ich mir auch nichts unter “Mug Rugs” vorstellen. Im Wörterbuch fand ich zwar die Übersetzungen, konnte mir aber keinen wirklichen Reim darauf machen und würde “Mug Rugs” grosszügig mit “Probelappen” übersetzen.

    Deine Mug Rugs gefallen mir sehr gut.

    Ich bin dazu übergegangen, den Anfang und das Ende des Schrägbandes, beim Einfassen mit dem Bandeinfasser #88, nach innen umgeschlagen und angeschrägt voreinanderstossen zu lassen, damit keine “Knubbelstelle” entsteht.

    Liebe Grüsse
    Susanne

  • Pia Welsch

    Ja , Mug Rugs machen was daher. In der “Embroidery School” haben wir für Mug Rugs Stickmuster.entworfen, u.a. für den Haushalt der Queen oder für ein Kunstmuseum, ein Yoga-Studio und, und, und….Claudias Mug Rug war natürlich für Kinder gedacht, zeige ich, sobald ich wieder Fotos hochladen kann…

  • Tatjana

    Toll, liebe Ursula, die Mug Rugs sind wirklich schön geworden.

    Jetzt weiß ich auch endlich was Mug Rugs sind und wozu sie verwendet werden, irgendwie ging das ein wenig an mir vorbei 😉

    Ich mache die Ecken mit dem Bandeinfasser übrigens weder mit Nadeln noch mit Heftfaden, auf die schnelle Tatjana-Art, meine Fingerspitzen halten und führen und es klappt super, ich habe inzwischen richtig Übung darin…

    Liebe Grüße
    Tatjana

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