Kreative Artikel zum Thema Nähen

Ein schlichtes Hochzeitskleid nähen – das Tutorial Teil 2

Nachdem ich Euch in meinem letzten Beitrag von dem schlichten Taillenrock berichtet habe, möchte ich heute das dazugehörige Oberteil vorstellen. So ist das Hochzeitskleid komplett.

Auch das Oberteil habe ich mit meiner Trauzeugin zusammen genäht. Und dank ihrer Erfahrungen in der Theaterwelt, konnte ich auch die Träger meines Bhs super verstecken.

Foto: Sylwia Skupiewska

Ein schlichtes Hochzeitskleid nähen -das Oberteil

Materialwahl:
  • Seidenchiffon in Offwhite
  • Querstretch-Satin aus 92 % Seide und 8 % Spandex in Offwhite
  • feine Spitze aus Baumwolle
  • kleine Druckknöpfe
  • Baumwollband ca. 10 mm breit in weiß
  • Formband (Nahtband) für Halsauschnitt und Armauschnitt

 

Der Schnitt:

Ganz so einfach wie beim Rock ist es bei dem Oberteil leider nicht. Der Ausgangsschnitt ist ein Grundschnitt für ein Oberteil in Größe 36 mit Abnähern. Wie Grundschnitte auf Maß oder in Konfektionsgrößen erstellt werden, haben meine Freundin und ich in der Ausbildung gelernt. Das  zu erklären wäre an dieser Stelle etwas zu komplex. Es lassen sich aber durchaus auch Schnitte im Handel finden, die sich eignen, z.B.  Shirtblusen-Schnitte oder Tunika-Schnitte.

Wir haben den Grundschnitt wie folgt abgewandelt:

 

 

 

Wie auf dem Bild zu sehen ist, fallen die Taillenabnäher komplett weg und für den Ausschnitt haben wir im Vorder-und Rückteil auch einige Veränderungen vorgenommen. Außerdem ist Brustabnäher an die Seite gewandert.

Für das Vorderteil habe ich eine weitere Skizze gemacht. Hier könnt ihr sehen, wie der Ausschnitt und das Armloch geändert wurden, nachdem der Abnäher verlegt wurde.

Nächster Schritt: PROBENÄHEN!!! – dazu kann man Nessel oder z.B. auch ein altes Bettlacken benutzen. Es ist auch nicht notwenig das komplette Oberteil einmal vorzunähen, sondern lediglich die Abnäher, Schulter – und Seitennähte müssen geschlossen werden. Dann einmal reinschlüpfen und abstecken lassen. Denn: gerade an der Ausschnittkante kommt schnell mehr Stoff zusammen als man möchte und der Ausschnitt “kippt” nach außen, anstatt dass er schön anliegt.

Kneifen:

Kneifen nennt man den Vorgang, wenn aus dem Schnitt an bestimmten Stellen die Weite genommen wird, wie an dem Ausschnitt. Zuerst wird mit Stecknadeln am lebenden Objekt (ich) gesteckt und dann werden die einzelnen Maße auf das Papier übertragen. Schließlich zeichnet man Linien in den Schnitt hinein, schneidet diese auf und lässt das Papier den abgemessenen Wert überlappen. Klingt kompliziert – ist aber weniger schlimm und bringt eine Menge.

 

Zuschnitt:

1 x aus Seidenchiffon

1 x aus Querstretch-Satin

Nahtzugabe: 1 cm

 

Und so wird das Oberteil für mein Hochzeitskleid genäht:

  1. Ausschnittkannte und Armlöcher des Querstretch-Satins von rechts mit dem Formband bebügeln. Die Naht des Bandes leigt genau auf der Linie der späteren Naht.
  2. Brustabnäher jeweils seperat nähen – zu der Spitze hin nähen, Enden nicht vernähen, sondern von Hand verknoten, das trägt weniger auf.
  3. Das Spitzenband auf die linke Seite des Rückteils aus Querstretch-Satin nähen. Dabei kann die Steppnaht des Formbands als Orientierung helfen.
  4. Die Schulternähte ebenfalls seperat schließen.
  5. Die Seitennähte mit der französichen Naht schließen: Vorder-und Rückteil links auf links bei 0,5 cm nähen, bügeln, wenden und die Nähte erneut rechts auf rechts bei ca. 0,6 cm nähen.Tipp zum Nähen von feinen Stoffen: eine feine Nadel verwenden 60 – 70 Nm; Streifen aus Seidenpapier in der passenden Farbe unter das Nähgut legen und später wieder ausreißen. Den Stoff leicht unter Spannung halten, damit er sich nicht zusammenzieht.
  6. Oberteile an dem Halsschnitt miteinander verstürzen: Oberteile rechts auf rechts legen, stecken und an dem kompletten Ausschnitt bei 1 cm zusammennähen. Nahtzugabe kürzen und an der Spitze des Rückteils einschneiden bis kurz vor die Naht. Oberteil wenden und bügeln. Auf der linken Seite knappkantig den Querstretch-Satin auf die Nahtzugabe steppen.
  7. Armlöcher verstürzen: Nahtzugaben rechts auf rechts zusammenstecken aber NICHT die kompletten Oberteile rechts auf rechts legen! Lediglich die Nahtzugaben des jeweiligen Armlochs aufeinanderstecken und Stück für Stück nähen. Wenden und bügeln.
  8. Damit sich das Futter später nicht nach außen schiebt, habe ich auch hier das Futter (Querstretch-Satin) an die Nahtzugabe genäht. Allerdings dieses Mal von Hand.
  9. Saum nähen. Die Säume mit der Overlock und einem feinen Rollsaumstich nähen

    Schlaufen nähen:

  10. Schlaufen für die Bh-Träger nähen:
    Hierfür eignet sich ein einfaches Baumwollband, ca. 10 mm breit. Das Band zu einer Schlaufe legen, in die später der Träger hinein kommt. Anfang und Ende der Schlaufe mit einem Druckknopf versehen. Die Schlaufe selbst mit einigen Stichen von Hand auf die linke Seite der Träger nähen. So blitzt später der Träger nicht hervor.   

 

Fertig ist das Oberteil für mein Hochzeitskleid. Ein Gürtel aus selbstgefärbter Wildseide bildet den Übergang zwischen Rock und Oberteil. Den Stoff habe ich mit Holunderblüten gefärbt und lange Zeit aufbewahrt, ohne zu wissen, dass ich ihn einmal für so ein besonderen Anlass verwenden würde.

Fotos: Sylwia Skupiewska

Schwierigkeitsgrad: Fortgeschritten
Zeitaufwand: ein Wochenende
Verwendete Materialien: Baumwollband, Druckknöpfe, Formband, Seide, Seidenchiffon
Verwendete Produkte:
BERNINA 580
BERNINA 580

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Kommentare zu diesem Artikel

2 Responses

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  • Helga Burkart

    Liebe Janina,

    Dein Hochzeitskleid gefällt mir sehr gut!  Schlicht und ohne viel Schnörkel – wunderschön!

    Herzlichen Glückwunsch und alles Glück der Welt für Euren gemeinsamen Lebensweg.

    Und auch alles Gute für’s Schätzchen.

    Liebe Grüße

    Helga

     

    • Janina

      Liebe Helga,
      vielen lieben Dank für deine schönen Worte. 🙂

      Ganz liebe Grüße zurück!

      Janina

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