Kreative Artikel zum Thema Nähen

Winterliche Stulpen edel verziert mit der BERNINA L 850

Stulpen nähen mit der Overlock

Langsam, aber sicher wird es empfindlich kalt im Land. Genau der richtige Zeitpunkt, um ein winterliches Accessoire zu nähen. Ich zeige Euch, wie Ihr winterliche Stulpen nähen und diese mit der Overlock edel verzieren könnt, mit Rollsaum und Glitzerband. Weiter unten im Beitrag findet Ihr ein gratis Schnittmuster für Eure Stulpen und die Anleitung zum Stulpen-Verzieren mit der Overlock.

Zunächst aber zum Material …

Für Stulpen kann man die unterschiedlichsten Materialien nehmen. Maßgeblich ist, was man auf der Haut tragen mag. Ich habe Walk gewählt.

Die eine oder andere empfindet Wollwalk als zu kratzig. Das kann am persönlichen Empfinden liegen, aber auch an der Zusammensetzung. Ein Walk, der Mohair- oder Merinoanteile hat, wird von den meisten als weniger kratzig empfunden als ein Walk, der Kunstfasern oder ähnliches enthält. Darum empfiehlt es sich bei Walk immer, zunächst genau darauf zu schauen, was genäht werden soll und wie man das an empfindlichen Stellen gegebenenfalls abfüttert. Eine Jacke beispielsweise trägt man selten direkt auf der Haut. Man sollte aber darauf achten, ob sie nicht vielleicht am Hals kratzt. Einfassen mit Wolltresse kann eine Möglichkeit sein, wobei auch diese mitunter kratzig ist.

Das Tolle am Walk sind definitiv die Natürlichkeit und der Stand. Außerdem ist Walk temperaturausgleichend, auch hier natürlich je nach Qualität. Er fällt nicht zusammen und wirkt immer ein wenig edel. Somit eignet er sich sowohl für dicke Wintermäntel als auch für leichte Herbstjäckchen, für Baby-Overalls, aber auch für Pullover, wenn der Walk dünner und leichter ist, die dann nur für die kuscheligen Tage drinnen geeignet sind. Guter Walk hat seinen Preis, und je günstiger der Walk war, desto höher ist die Gefahr, dass er pillt – früher oder später.

Ich könnte hier noch viel über Walk schreiben, dass es sowohl gewebten als auch gestrickten Walk gibt, aber wir wollen ja Stulpen nähen und nicht über die Qualitätsmerkmalen von Walk philosophieren :-). Ein letztes Wort allerdings noch: Ich habe mich hier für einen Walk aus 100% Schurwolle entschieden.

Walk nähen mit der Nähmaschine

Walk ist super easy zu verarbeiten. Er ist ziemlich schmutzunempfindlich, und wenn er mal einen Geruch angenommen hat, reicht es, ihn ein paar Stunden an die Luft zu befördern und durchlüften zu lassen.

In der Regel jedenfalls. Ersatzweise würde ich immer Reinigung vorschlagen, aber das entscheidet jeder selbst (womit wir auch wieder bei der Herstellungsart und der Zusammensetzung wären).

Walk wird eigentlich auf der Nähmaschine verarbeitet. Er franst nicht aus, muss also nicht versäubert werden. Schiebt man den Walk durch die Overlock, beansprucht das unsere Messer ganz schön. Außerdem ist er ja ziemlich dick. Man bräuchte also eine recht lockere Fadenspannung, um genügend Garn in der Naht zu haben, damit die gesamte Kante (je nach Stärke) abgedeckt werden kann.

Verarbeitung von Walk auf der Overlock

Walk ist eher nicht der optimale Stoff für die Overlock. Neben der bereits oben genannten Beanspruchung der Messer wird auch die Naht ziemlich dick. Walk franst nicht aus, und somit besteht eigentlich auch kein Grund, ihn mit der Overlock zu vernähen. Wir tun es hier trotzdem, denn wir wollen keine Nutznaht, sondern eine schöne Ziernaht, den Rollsaum. Diesen können wir so, wie wir ihn hier wollen, auf der Nähmaschine nicht nähen.

Stulpen nähen aus Walk – Material und Schnittmuster

Um unsere Stulpen nähen zu können, benötigen wir neben dem Walk einen Rollschneider und eine Schneidematte.

Natürlich kann man Walk auch mit der Schere zuschneiden, ich allerdings verarbeite Walk schon immer mit dem Rollschneider, weil ich das als angenehmer empfinde.

Dann benötigen wir natürlich den Stulpenschnitt, den ich hier gern kostenlos als Download zur Verfügung stelle:

Download Schnittmuster Stulpen (PDF)

Weiter benötige ich den Perlen- und Paillettenfuß #L15 für meine BERNINA L 850, denn durch die Rille an der Seite des Fußes läuft mein Glitzerband. Hier das Anleitungsvideo von BERNINA zu diesem hilfreichen Fuß:

Image of Perlen- und Paillettenfuss # L15.

Perlen- und Paillettenfuss # L15

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Ich brauche natürlich Perlen- oder Glitzerband, und dann möchte ich noch zwei Extra Eye-Catcher darauf setzen, und suche mir aus dem tollen Inspiration Kit der Crystal Edition zwei dezente, edle Knöpfe aus.

Wir benötigen auch noch Garn. Ich nutze auf dem Obergreifer das Madeira Decora Nr 12, das ist etwas dicker. Auf dem Untergreifer und auf der rechten Nadel habe ich ein Overlockgarn in normaler Stärke.

Stulpen verzieren mit der Overlock – Einstellungen

Die Fadenspannung

Die Einstellungen der Maschine sind immer von 3 Faktoren abhängig:

  1. Von der Naht, die genäht werden soll
  2. Vom Stoff, der gerade genäht wird
  3. Vom Garn, das verwendet wird

Ich nähe mit der BERNINA L 850. Wir wollen einen Rollsaum nähen, darum ist nur die rechte Nadel eingesetzt. Hier ist wirklich wichtig, dass die linke Nadel NICHT eingesetzt ist – das macht uns sonst unsere Naht kaputt.  Beim 3-Faden-Rollsaum zieht der Untergreifer den Obergreifer um die Kante, darum benötigt der Untergreifer immer mehr Fadenspannung als der Obergreifer. Die Nadel hat dann die Aufgabe, alles schön an seinem Platz zu halten.

Image of BERNINA L 850.

BERNINA L 850

Die L 850 ist die Overlock-Spezialistin, mit der sich die Greiferfäden dank One-Step BERNINA Air Threader noch bequemer und schneller einfädeln lassen. Fussanlasser drücken und los gehts!

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Bauen wir nun in unsere Fadenspannungswahl die Komponente „dickeres Garn auf dem Obergreifer“ ein, benötigt der Obergreifer eine etwas geringere Spannung als mit normal dickem Garn, weil die Spannungsplatten für dickeres Garn einfach weiter geöffnet sein müssen. So kommt der dicke Faden besser durch die Spannungen. Dadurch, dass das Obergreifergarn aber dicker ist, muss der Untergreifer auch eine höhere Zugkraft haben, sonst bekommt dieser den dicken Faden nicht um die Kante gezogen. Und die Nadel braucht durch das dickere Garn auf dem Obergreifer auch mehr Kraft, um alles festzuhalten. Also müssen Untergreifer und Nadel höher in der Spannung sein als sonst im Rollsaum, und der Obergreifer geringer. Und das nur, weil unser Garn auf dem Obergreifer dicker ist!

Die Stichlänge

Als weitere Einstellungen brauchen wir noch die Stichlänge und den Differential. Eigentlich geht man im Rollsaum mit der Stichlänge in den schwarzen Bereich, um einen schönen dichten Rollsaum zu erhalten. Ich stelle meine Stichlänge aber auf 2,5. Warum?

Zum einen habe ich ja, wie oben erwähnt, dickeres Garn auf dem Obergreifer. Würde ich nun meine Stichlänge auf ca 1 oder enger stellen, hätte der einzelne Faden gar keinen Platz, um zum Liegen zu kommen (weil er dicker ist). Mit dickem Garn muss also definitiv immer der Stich verlängert werden, egal welche Naht genäht wird. Die Besonderheit, die wir haben, kommt nun von unserem Glitzerband.

Schauen wir uns das Glitzerband an, dann sehen wir, dass unser Rollsaum gar nicht flächig darauf liegen kann, sondern (hoffentlich) immer rechts und links von den Erhöhungen abrutscht. Also verteilt sich die Garnmenge, die eigentlich an der Stelle des Glitzers liegen sollte, auf die Bereiche dazwischen.

Würden wir unsere Stichlänge nicht auf 2,5 erhöhen, sondern sie niedriger lassen, hätten wir mehr Garn zwischen den Erhöhungen, und alles würde absolut wulstig aussehen.

Auf dem Bild oben sieht man wunderbar, wie die Stiche zwischen dem Glitzer liegen und wie wichtig es ist, alle Komponenten mit einzubeziehen.

Der Differential

Den Differential setzen wir ein winziges bisschen in den unteren Bereich. Dadurch wird der Walk unter unserem Fuß ein wenig gestrafft. Das ist immer gut, wenn wir etwas Undehnbares (das Glitzerband) an einen wenig dehnbaren Stoff nähen. Dieser zieht sich nämlich sonst gern zusammen. Um den Differential zusätzlich zu unterstützen und dem Zusammenziehen entgegenzuwirken, halte ich gleich beim Nähen den Stoff etwas auf Zug.

Das Messer

Mein Messer klappe ich weg. Man sieht hier sehr gut, wie die Führung des Fußes neben dem Messer läuft.

Damit ich alles gut sehen kann, lasse ich meine seitliche Stoffführung mit dem heruntergeklappten Messer abschliessen, und führe meinen Stoff so am Ende der Führung, innen vom heruntergeklappten Messer.

Das alles sieht dann so aus beim Nähen:

Der Nähstart

Da wir das Glitzerband nicht in die seitliche Nahtzugabe führen dürfen, muss ich beim Nähbeginn die Nahtzugabe auslassen.

Das Band führe ich aber trotzdem komplett durch den Fuß und halte es dahinter fest. Diese ersten Zentimeter Band sind einfach Schwund, aber ich brauche hinten etwas zum Festhalten, sonst fliegt das Band hoch im ersten Stich. Es sollte auf jeden Fall flach auf dem Stoff bleiben beim Nähen.

Wichtig ist, dass langsam genäht wird. Kein High-Speed. Ruhiges Führen, das Band schön unten halten.

Der Schluß

Auch am Ende muss ich die Nahtzugabe wieder auslassen, sie darf nicht mit Band benäht werden.

Das Band schneide ich direkt an der Nahtzugabe ab.

Meinen Rollsaum nähe ich jedoch bis in die Nahtzugabe hinein.

Nun muss ich nur noch mit der Nähmaschine die Seitennähte schliessen, wobei ich die oberen 2 cm mit der Hand schliesse wegen der Perlen.

Dann kommen noch die beiden herrlichen Glitzer-Zierknöpfe darauf und Voilà – fertig sind die Edelstulpen!

Natürlich gibt es auch andere Möglichkeiten, tolle Stulpen zu nähen und mit Overlock- oder Covermaschine zu verzieren. Probiert gern mal eine Kombination aus Flachnaht und Covernaht – so wie die liebe Heike bei uns im Kurs:

Viel Spaß beim Nachmachen!

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Kommentare zu diesem Artikel

4 Antworten

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  • Eva Weber

    Bildschön geworden, die Stulpen!Trifft die Nadel nicht auf das Band? Ich hätte Sorge, dass die Nadel bricht!

    • Manu Städter

      Diese Erhöhung ist einfach noch von der letzten Naht, die nicht zurück gestellt wurde. Mir zeigt das, dass wir hier sehr aufmerksame Leser haben, vielen Dank ;O)) Aber das Perlenband wird definitiv mit der rechten Nadel genäht
      Liebe Grüße

      Manu

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