Kreative Artikel zum Thema Quilten

Ausstellungstipps November 2022

Kaffe Fassett: The Power of Pattern

Wer sich im Bereich Patchwork und Quilten bewegt, dem ist der Name Kaffe Fassett mit Sicherheit begegnet. Seine ausserordentlich farbenprächtigen, kaleidoskopgleichen grossformatigen Quilts sind der Blickfang jeder Quilt Show, seine farbstarken und exqisit gemusterten Stoffdesigns stechen in jedem Stoffsortiment eines Quilt Shops heraus – und das seit Jahrzehnten. Die Handschrift eines der erfolgreichsten Designer weltweit ist einfach unverkennbar!

Ausstellungsansicht
‘Kaffe Fassett: The Power of Pattern’, Fashion and Textile Museum, London 2022/23
Foto: Michael Cockerham, freundlicherweise von BERNINA/Museum zur Verfügung gestellt

Derzeit läuft im Fashion and Textile Museum in London die phantastische Ausstellung ‘Kaffe Fassett. The Power of Pattern’ (dt. ‘Die Kraft des  Musters’) und dort besteht bis zum 12. März 2023 die Gelegenheit, mehr von dem genialen Werk aus dem Hause Kaffe Fassett zu sehen, das auch diesen Artikel illustriert.

Ausstellungsansicht
‘Kaffe Fassett: The Power of Pattern’, Fashion and Textile Museum, London 2022/23
Foto: Michael Cockerham, freundlicherweise von BERNINA/Museum zur Verfügung gestellt

Kaffe Fassett (* 1937 in San Francisco, USA, lebt seit 1964 in England) hat die letzten 50 Jahre seines Lebens der Welt des Strickens, Stickens und Patchworks gewidmet und diese Disziplinen durch seine eigene Arbeit gefördert. Mit an die 50 Veröffentlichungen, vom Anleitungsbuch bis hin zur Abhandlung über Farbe im Design, durch Workshops, Vorträge und Ausstellungen ermutigt er andere dazu, ihre eigene Kreativität zu entdecken und zu leben.

Ausstellungsansicht
‘Kaffe Fassett: The Power of Pattern’, Fashion and Textile Museum, London 2022/23
Foto: Michael Cockerham, freundlicherweise von BERNINA/Museum zur Verfügung gestellt

Sein künstlerisches Leben ist eine ständige Auseinandersetzung mit Farben und Mustern, sichtbar in seinen Gemälden, Strickwaren, Gobelinstickereien, Quilts und nicht zuletzt Stoffkollektionen, die weltweit seine Fans inspirieren. Seine Arbeiten strahlen eine Kraft auf die Betrachter*innen aus, die dazu einlädt, in sein Universum kreativer Möglichkeiten einzutauchen und alles mit neuen Augen zu sehen.

Ausstellungsansicht
‘Kaffe Fassett: The Power of Pattern’, Fashion and Textile Museum, London 2022/23
Foto: Michael Cockerham, freundlicherweise von BERNINA/Museum zur Verfügung gestellt

Ein Wendepunkt in seiner künstlerischen Karriere trat ein, als er erkannte, dass Quilts ihm den dramatischen grossen Massstab bieten, der seinen reichen Einsatz der Farbe noch verstärken würde. Kaffe hatte 1971 die wegweisende Ausstellung ‘Abstract Design in American Quilts’ im Whitney Museum in New York besucht: Erstmalig waren sechzig Amish Quilts an den Wänden der Galerie in der gleichen Weise ausgestellt wie abstrakte Gemälde aus der Mitte des 20. Jahrhunderts, zeitgenössischen Gemälden also ebenbürtig. Die optischen Gemeinsamkeiten wurden deutlich: harte Kanten, optische Illusionen, Wiederholungen, satte Farben und grafische Schlichtheit. Die Ausstellung hatte Kaffe zum ‘Summen’ gebracht.

Ausstellungsansicht
‘Kaffe Fassett: The Power of Pattern’, Fashion and Textile Museum, London 2022/23
Foto: Michael Cockerham, freundlicherweise von BERNINA/Museum zur Verfügung gestellt

In England kam es zur Umsetzung: Quilts von Flohmärkten oder von Freunden geliehen wurden zu Hintergrundmotiven seiner Gemälde und Kaffe Fassett genoss die zusätzlichen Details, die diese vertrauten Dinge, quasi aus dem Haushalt, in seine Kompositionen einbrachten. Die lebhafte Erinnerung an das Aufwachen unter einer gequilteten Decke lieferte die Inspiration für Kaffes erstes Design.

Ausstellungsansicht
‘Kaffe Fassett: The Power of Pattern’, Fashion and Textile Museum, London 2022/23
Foto: Michael Cockerham, freundlicherweise von BERNINA/Museum zur Verfügung gestellt

Heute fertigt Kaffe Fassett für seine Druckdesigns Gouachemalereien an und notiert sorgfältig die Farben, um einen präzisen Druck zu gewährleisten. Die Farbpalette der Kollektion entwickelt sich ständig in Zusammenarbeit mit seinem Team – dem Kaffe Fassett Collective – weiter, zu dem Designer Philip Jacobs, ein Fan von Vintage-Blumenmotiven, und Brandon Mably gehören, dessen skurrile Designs für Ausgewogenheit und, wie er sagt, ‘Luft zum Atmen’ sorgen. Die zugeschnittenen Teile für neue Quilt-Designs werden auf der ‘Arbeitswand’ des Studios ausgestellt, so dass letzte Feinabstimmungen vorgenommen werden können, um die Harmonie der endgültigen Komposition zu gewährleisten – ein instinktiver Prozess, der das Auge eines Künstlers erfordert.

Ausstellungsansicht
‘Kaffe Fassett: The Power of Pattern’, Fashion and Textile Museum, London 2022/23
Foto: Michael Cockerham, freundlicherweise von BERNINA/Museum zur Verfügung gestellt

Zusammen mit seinem Partner Brandon Mably hat Kaffe Fassett über die Jahrzehnte ein weltweites Netz aufgebaut, das jüngstens zu einer Kooperation mit BERNINA führte. Kaffe Fassett ist für das Design von zwei neuen Sondermodellen von BERNINA verantwortlich und übertrug sein Credo – Mut zur Farbe! – auf die Nähmaschinen. Eine der beiden Maschinen ist ganz in aqua gehalten, während das zweite Modell das Design eines bekannten und beliebten Kaffe-Stoffprints aufnimmt.

Ausstellungsansicht
‘Kaffe Fassett: The Power of Pattern’, Fashion and Textile Museum, London 2022/23
Foto: Michael Cockerham, freundlicherweise von BERNINA/Museum zur Verfügung gestellt

Die B 770 QE PLUS Kaffe Edition und B 475 QE Kaffe Edition bieten ausser den von Kaffe designten Blenden wunderschöne Zierstiche – viele davon nach Zeichnungen von Kaffe Fassett. Die B 770 QE PLUS Kaffe Edition verfügt zudem über eine Vielzahl von Stickmustern, darunter 64 exklusive Kaffe-Designs. Alle Informationen dazu: BERNINA Kaffe Edition.

Ausstellungsansicht
‘Kaffe Fassett: The Power of Pattern’, Fashion and Textile Museum, London 2022/23
Foto: Michael Cockerham, freundlicherweise von BERNINA/Museum zur Verfügung gestellt

Ausserdem veranlassten die Zusammenarbeit sowie die Ausstellung in London Sarah Caldwell, Leiterin des Ausbildungsteams bei BERNINA International AG dazu, ein wunderschönes Kleid zu schneidern, das sie ‘Blooming Birthday Ballgown’ (dt. ‘Blühendes Geburtstags-Ballkleid’) nennt und das gerade im Fashion and Textile Museum im Original zu sehen ist.

Sarah Caldwell: Blooming Birthday Ballgown
Ausstellung ‘Kaffe Fassett: The Power of Pattern’, Fashion and Textile Museum, London 2022/23
Foto: Michael Cockerham, freundlicherweise von BERNINA/Museum zur Verfügung gestellt

In enger Abstimmung mit Kaffe Fassett und mit dessen Partner Brandon Mably wurde der schwarz-weiss gestreifte Stoff von Brandon Mably für das ‘Blooming Birthday Ballgown’ mit farbenprächtigen Blütendesigns geschmückt, die mit der BERNINA 770 QE Plus Kaffe Edition gestickt wurden und einen ausdrucksstarken Kontrast bilden. Die grossflächigen Blumen-Stickereien wurden auf Basis von Kaffe-Designs von OESD digitalisiert. Einige davon sind auf der BERNINA 770 QE PLUS Kaffe Edition vorinstalliert. Da ein besonderer Geburtstag zu feiern ist, entschied sich Sarah für 85 Blüten und erweist dem Designer somit ihre Reverenz.

Sarah Caldwell: Blooming Birthday Ballgown, Detail
Ausstellung ‘Kaffe Fassett: The Power of Pattern’, Fashion and Textile Museum, London 2022/23
Foto: Michael Cockerham, freundlicherweise von BERNINA/Museum zur Verfügung gestellt

Die Blüten wurden einzeln gestickt und später in ausgewogener Verteilung unsichtbar auf das fertige Kleid appliziert. Dies erforderte das Schnittdesign, das samt Petticoat einem Dior-Kleid aus den 50er Jahren nachempfunden ist, sowie der gestreifte Untergrundstoff, der an bestimmten Stellen zusammentreffen sollte. Wie das alles so phantastisch gelang, berichtet Sarah Caldwell demnächst in der Zeitschrift ‘Inspiration‘.

Ausstellungsansicht
‘Kaffe Fassett: The Power of Pattern’, Fashion and Textile Museum, London 2022/23
Foto: Michael Cockerham, freundlicherweise von BERNINA/Museum zur Verfügung gestellt

Die sehr sehenswerte Ausstellung ‘Kaffe Fassett: The Power of Pattern’ präsentiert nicht nur Original-Arbeiten von Kaffe Fassett und seinem Team, sondern auch Fotografien und Archivmaterial sowie Quilts von einer Reihe bekannter Quilterinnen, wie z.B. Corliss Searcey, Danny Amazonas, Kathy Doughty u.a., die sich von Kaffe-Designs anregen liessen.

Ausstellungsansicht
‘Kaffe Fassett: The Power of Pattern’, Fashion and Textile Museum, London 2022/23
Foto: Michael Cockerham, freundlicherweise von BERNINA/Museum zur Verfügung gestellt

Die Ausstellung begleitend ist das Buch ‘Kaffe Fassett: The Artist’s Eye’ von Dennis Nothdruft, dem Ausstellungschef des Fashion and Textile Museum, erschienen.

Info:

23. September 2022 – 12. März 2023

Kaffe Fassett: The Power of Pattern

Fashion and Textile Museum
83 Bermondsey Street
London SE1 3XF
England

www.fashiontextilemuseum.org

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Faszination Papier – fascination paper

Eine Ausstellung im Gustav-Lübcke-Museum in Hamm wurde mir sehr empfohlen und die Website zu ‘Faszination Papier – fascination paper’ macht ebenfalls Lust auf einen Ausstellungsbesuch, der noch bis 15. Januar 2023 möglich ist.

Angela Glacjar: Terforation, 2022-016 2022
Papier, gerissen
Ausstellung ‘Faszination Papier – fascination paper’, Gustav-Lübcke-Museum, Hamm 2022/23
Foto: Angela Glacjar, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

In der Kunst dient Papier seit Jahrhunderten als Träger für Zeichnungen, Skizzen oder Druckgrafiken. In diesen Fällen geniesst es bei weitem nicht den Stellenwert wie die darauf zu sehenden Darstellungen.

Ausstellungsansicht
‘Faszination Papier – fascination paper’, Gustav-Lübcke-Museum, Hamm 2022/23
Foto: Thomas Gawel, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Wenn Papier hingegen aus seiner gebräuchlichen Flächigkeit gestalterisch in eine dreidimensionale Form gebracht wird, kann es eine erstaunliche Präsenz erlangen.

Hoang Tien Quyet: Löwe, 2022
Papier, gefaltet
Ausstellung ‘Faszination Papier – fascination paper’, Gustav-Lübcke-Museum, Hamm 2022/23
Foto: Hoang Tien Quyet, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Wie unendlich wandelbar und facettenreich Kunst aus Papier ist, beweisen die hier gezeigten Werke. Einunddreissig Künstler*innen aus dem In- und Ausland beteiligen sich an der Ausstellung.

Marianne Lammersen: Vital Colours, 2012
Ausstellung ‘Faszination Papier – fascination paper’, Gustav-Lübcke-Museum, Hamm 2022/23
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Zu sehen sind Collagen, Skulpturen und Objekte, darunter präzise Faltstücke, Papierschnitte, Pappmachés, Geschnitztes aus Pappe und Mixed Media.

Ausstellungsansicht
‘Faszination Papier – fascination paper’, Gustav-Lübcke-Museum, Hamm 2022/23
Foto: Thomas Gawel, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Räumlich ausladende Installationen und Environments belegen nicht nur das künstlerische Interesse am Material Papier, sondern zugleich auch das Zusammenwirken mit der Museumsarchitektur.

Bianca Severijns: Wirbelwind (windseries), 2022
Papier, bemalt
Ausstellung ‘Faszination Papier – fascination paper’, Gustav-Lübcke-Museum, Hamm 2022/23
Foto: Sigal Kolton, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Kunst aus Papier stellt jedoch nicht ausschliesslich ein rein ästhetisches Faszinosum dar. In vielen Fällen macht sie ebenso Anleihen bei Natur, Architektur und Mathematik. Etliche Arbeiten transportieren darüber hinaus Botschaften über ethische, politische und soziale Fragen, die etwa Ausgrenzung, Unterdrückung und Zerstörung betreffen.

Darja Eßer: Leichtes Gepäck, 2018
Papier
Ausstellung ‘Faszination Papier – fascination paper’, Gustav-Lübcke-Museum, Hamm 2022/23
Foto: Darja Eßer, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Kaum kann man sich beim Anblick dieser Werke dem Respekt verschliessen: Respekt vor der Ausdauer, der Tatkraft und dem handwerklich virtuosen Geschick im Umgang mit dem papiernen Material, aus dem sinnliche Schöpfungen mit hohem künstlerischem Niveau und tiefgründigen Inhalten hervortreten.

Miriam Londono: Refugées, 2015
Papier
Ausstellung ‘Faszination Papier – fascination paper’, Gustav-Lübcke-Museum, Hamm 2022/23
Foto: Miriam Londono, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die Ausstellung stellt die jeweils individuelle schöpferische Leistung dieser vielbeachteten Künstler*innen in den Fokus. Gleichermassen können durch das Aufeinandertreffen der unterschiedlichen künstlerischen Positionen Assoziationen geweckt und Dialoge in Gang gesetzt werden.

Isabelle de Borchgrave: Turquoise Delphos dress Fortuny collection, 2006
Papier, bemalt
Ausstellung ‘Faszination Papier – fascination paper’, Gustav-Lübcke-Museum, Hamm 2022/23
Foto: Jean-Pierre Gabriel, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Begleitend zur Ausstellung ‘Faszination Papier – fascination paper’ zeigen Studierende des Mode Design College, Düsseldorf, die Präsentation ‘prêt à papier’, eine Kollektion von Kleidern aus Papier.

Kuratorin: Dr. Diana Lenz-Weber

Ein Verzeichnis der teilnehmenden Künstler*innen, weitere Informationen sowie ein über QR-Code herunterzuladender Audioguide, der die Ausstellung begleitet, sind auf der Website des Museums zu finden.

Zur Ausstellung erscheint ein 200 Seiten starker Katalog, der nicht nur die Werke, Vitae und Statements der Künstlerinnen und Künstler beinhaltet, sondern auch abwechslungsreiche Ausstellungsimpressionen, bei denen das Zusammenspiel von Museumsarchitektur und Kunst zum Tragen kommt.

Vielen Dank, liebe begeisterte Birgit Friese, für diesen Tipp!

Auch interessant:

Mein Bericht über die Papier Biennale 2022. ‘Transition’ im niederländischen Museum Rijswijk (läuft noch bis zum 13. November 2022) ist in den Ausstellungstipps September 2022 zu finden

Info:

14. August 2022 – 15. Januar 2023

Faszination Papier – fascination paper

Gustav-Lübcke-Museum
Neue Bahnhofstrasse 9
59065 Hamm
Deutschland

www.museum-hamm.de

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Birgit Reinken
st!chhaltig begründet
Textile Exponate beziehen Position

Ausstellung ‘Birgit Reinken. st!chhaltig begründet. Textile Exponate beziehen Position’ – Plakat
Galerie im Klinikum am Finkenhügel, Osnabrück 2022/23
Foto: Susanne Klinke, freundlicherweise von der Künstlerin zur Verfügung gestellt

In dieser Ausstellung im Klinikum Osnabrück wird Stichhaltiges gezeigt. Im Klinikkontext kommen einem möglicherweise medizinisch notwendige Stiche in den Sinn, aber auch die Stiche, die unsere Seele verletzen.

Birgit Reinken: Bienengezoom
Ausstellung ‘Birgit Reinken. st!chhaltig begründet. Textile Exponate beziehen Position’, Galerie im Klinikum am Finkenhügel, Osnabrück 2022/23
Foto: Susanne Klinke, freundlicherweise von der Künstlerin zur Verfügung gestellt

Birgit Reinken interpretiert diesen Begriff zunächst einmal wortwörtlich als etwas, das Stiche enthält. Auf der formalen Ebene sind das textile Stiche wie Näh-, Stick- oder Häkelstiche, die hier behutsam gesetzt werden.

Birgit Reinken: Bienengezoom, Detail
Ausstellung ‘Birgit Reinken. st!chhaltig begründet. Textile Exponate beziehen Position’, Galerie im Klinikum am Finkenhügel, Osnabrück 2022/23
Foto: Susanne Klinke, freundlicherweise von der Künstlerin zur Verfügung gestellt

Einer dieser punktuell gesetzten Impulse in der Ausstellung betrifft das wohl beliebteste Kleidungsstück, die Jeans.

Birgit Reinken: Flashback, Detail
Ausstellung ‘Birgit Reinken. st!chhaltig begründet. Textile Exponate beziehen Position’, Galerie im Klinikum am Finkenhügel, Osnabrück 2022/23
Foto: Susanne Klinke, freundlicherweise von der Künstlerin zur Verfügung gestellt

Deren bedenklichem ökologischen Fussabdruck und sozialen Zumutungen spürt sie vielsprachig in ihrer Arbeit ‘Flashback’ aus bestickten Jeans-Rechtecken nach.

Birgit Reinken: Flashback
Ausstellung ‘Birgit Reinken. st!chhaltig begründet. Textile Exponate beziehen Position’, Galerie im Klinikum am Finkenhügel, Osnabrück 2022/23
Foto: Susanne Klinke, freundlicherweise von der Künstlerin zur Verfügung gestellt

Weitere Impulse lotet Birgit Reinken in ihren ‘Extrakten’ aus. Wer sich in einem Buch verliert, entdeckt ungeahnte Weiten für sich.

Birgit Reinken: Kleine Lesende
Ausstellung ‘Birgit Reinken. st!chhaltig begründet. Textile Exponate beziehen Position’, Galerie im Klinikum am Finkenhügel, Osnabrück 2022/23
Foto: Susanne Klinke, freundlicherweise von der Künstlerin zur Verfügung gestellt

Dafür wird nur wenig Raum benötigt, nämlich der, auf dem man liegt und liest, wie die Arbeit ‘Kosmos’ zeigt.

Birgit Reinken: Kosmos
Ausstellung ‘Birgit Reinken. st!chhaltig begründet. Textile Exponate beziehen Position’, Galerie im Klinikum am Finkenhügel, Osnabrück 2022/23
Foto: Susanne Klinke, freundlicherweise von der Künstlerin zur Verfügung gestellt

Raum einnehmend dagegen die 15 Meter ‘lange Geschichte’. Bei dieser Arbeit wird eine Geschichte erzählt, die zeigt, dass alles auch anders sein könnte.

Birgit Reinken: Lange Geschichte, Detail
Ausstellung ‘Birgit Reinken. st!chhaltig begründet. Textile Exponate beziehen Position’, Galerie im Klinikum am Finkenhügel, Osnabrück 2022/23
Foto: Susanne Klinke, freundlicherweise von der Künstlerin zur Verfügung gestellt

Auch die Arbeit ‘Epitaph hoch x’, von denen ein Ausschnitt auf dem Plakat zur Ausstellung zu sehen ist, bietet Erzählungen an. Wie schnell geht man in Kirchen an einem Epitaph vorbei, dabei werden hier spannende Geschichten erzählt.

Birgit Reinken: Epitaph
Ausstellung ‘Birgit Reinken. st!chhaltig begründet. Textile Exponate beziehen Position’, Galerie im Klinikum am Finkenhügel, Osnabrück 2022/23
Foto: Susanne Klinke, freundlicherweise von der Künstlerin zur Verfügung gestellt

Ausgangspunkt der gehäkelten und montierten Arbeit ‘Luxus’ war eine Umfrage: Was ist für dich Luxus? Die spannenden Antworten von 15-Jährigen bis über 80-Jährigen werfen dem Betrachter und der Betrachterin den Ball zurück: Und was ist es für dich?

Birgit Reinken: LuXus
Ausstellung ‘Birgit Reinken. st!chhaltig begründet. Textile Exponate beziehen Position’, Galerie im Klinikum am Finkenhügel, Osnabrück 2022/23
Foto: Susanne Klinke, freundlicherweise von der Künstlerin zur Verfügung gestellt

Die Ausstellung läuft noch bis zum 6. Januar 2023 in der Galerie des Klinikums am Finkenhügel in Osnabrück. Alle Interessierte sind herzlich zu einem Künstleringespräch am 3. Adventssonntag eingeladen.

Info:

30. Oktober 2022 – 6. Januar 2023

Birgit Reinken
st!chhaltig begründet
Textile Exponate beziehen Position

Galerie im Klinikum am Finkenhügel
Am Finkenhügel 1
49076 Osnabrück
Deutschland

www.klinikum-os.de
www.textil-kunst.com
www.instagram.com/brgt.rnkn/

Künstleringespräch:
So, 11. Dezember 2022, 11 Uhr

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17th International Triennial of Tapestry

Derzeit präsentiert das Central Museum of Textiles in Łódź die 17. Internationale Triennale der Tapisserie, die seit fast 50 Jahren in Łódź stattfindet. Als eine der weltweit wichtigsten Veranstaltungen dieser Art sind der vorausgehende Wettbewerb und die Ausstellung nicht nur für die Teilnehmer*innen attraktiv. Der Event zieht auch Liebhaber*innen der Textilkunst aus allen Teilen der Welt an, wie man auf den Fotos von der Vernissage, die mir das Museum geschickt hat, sieht.

Ausstellungsansicht
’17th International Triennial of Tapestry’, Central Museum of Textiles in Łódź 2022/23
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Nicht nur, dass das Arbeiten mit Stoff und textilem Material nahezu unbegrenzte Möglichkeiten bietet – man denke nur an die Vielfalt seiner Texturen und Strukturen oder die Möglichkeiten der freien Formgebung – was hier präsentiert wird, ist auch ein Rückblick auf die wichtigsten Tendenzen und Errungenschaften der zeitgenössischen Textilkunst.

Leena Illukka (Finnland): Dirty Hands, 2020
Ausstellung ’17th International Triennial of Tapestry’, Central Museum of Textiles in Łódź 2022/23
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die Ausstellung, die am 8. Oktober 2022 eröffnet wurde und noch bis zum 15. April 2023 in Łódź zu sehen ist, umfasst 56 Werke, die von einer internationalen Jury aus fast 500 Einreichungen, die aus der ganzen Welt eingingen, ausgewählt wurden.

Cristiane Mohallem (Brasilien): Pau-brasil, 2021
Ausstellung ’17th International Triennial of Tapestry’, Central Museum of Textiles in Łódź 2022/23
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Der Wettbewerb mit dem Thema ‘Entangled State’ (dt. etwa: Verwickelter/verwirrter Zustand) eröffnete den Künstler*innen ein weites Interpretationsfeld und ermöglichte individuelle Auseinandersetzungen mit dem Medium Stoff/Textil. Die für die Ausstellung ausgewählten Arbeiten sind sehr vielfältig, sowohl in Bezug auf die Form als auch auf ihre Bedeutung.

Alexandra Neascu (Rumänien): Bond, 2019
Ausstellung ’17th International Triennial of Tapestry’, Central Museum of Textiles in Łódź 2022/23
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Dazu gehören Werke, die mit klassischen, traditionellen Tapisserie- oder Sticktechniken gearbeitet wurden, aber auch Installationen, die Beispiele für mutige Experimente mit Stoffen darstellen.

Ausstellungsansicht
’17th International Triennial of Tapestry’, Central Museum of Textiles in Łódź 2022/23
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die Ausstellung gibt einen Überblick über verschiedene Methoden und Techniken und zeigt so den Reichtum der von den Künstlern verwendeten Materialien und die unterschiedlichen Sichtweisen, die sich aus geografischen und kulturellen Unterschieden ergeben, auf.

Dominika Walczak (Polen): ‘Brave New World’, Tribute to A. Huxley, 2021
Ausstellung ’17th International Triennial of Tapestry’, Central Museum of Textiles in Łódź 2022/23
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Trotz dieser Unterschiede haben alle Arbeiten eines gemeinsam: Die Themen der Künstler kreisen um aktuelle Probleme, die uns alle betreffen, unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder sozialer Stellung. Insofern ist die Triennale wie seit jeher wieder ein Forum für den Gedanken- und Erfahrungsaustausch, nicht nur was die künstlerische Praxis, sondern auch die Wahrnehmung der Realität betrifft.

Dobroslawa Kowalewska (Polen): Welcome – Farewell, 2021
Ausstellung ’17th International Triennial of Tapestry’, Central Museum of Textiles in Łódź 2022/23
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

In den Exponaten schwingen inhaltliche Fragen zum Gefahrenempfinden – hervorgerufen durch Pandemie, Krieg oder Klimawandel – und dem damit verbundenen Bedürfnis nach Geborgenheit, Verbundenheit und der Suche nach der eigenen Identität besonders stark mit. Viele Werke beziehen sich auf Erinnerungen, thematisieren den Lauf der Zeit und schöpfen aus der Vergangenheit, die mit persönlichen oder familiären Erfahrungen verbunden ist.

Shigeo Kubota (Japan): Shine in the Color Forest, 2021
Ausstellung ’17th International Triennial of Tapestry’, Central Museum of Textiles in Łódź 2022/23
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Ebenso oft thematisieren die Künstler der aktuellen Edition die Befindlichkeit des heutigen Menschen und seine Abhängigkeit, sowohl von anderen Menschen als auch von Phänomenen, die ihn scheinbar nichts angehen. Das haben die Ereignisse der letzten Monate, die Pandemie oder der Krieg in der Ukraine am deutlichsten gezeigt.

June Lee (Südkorea): Bystander, Detail, 2019
Ausstellung ’17th International Triennial of Tapestry’, Central Museum of Textiles in Łódź 2022/23
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

In Bezug auf die aktuelle Weltlage bekommt das Motto der 17. Internationalen Triennale der Tapisserie ‘Entangled State’ eine ausserordentlich aktuelle Bedeutung.

Kuratorin: Marta Kowalewska

Katalog erhältlich

Die Triennale wird von Vorträgen, Workshops, Kuratorenführungen u.a. begleitet.

Info:

8. Oktober 2022 – 15. April 2023

17th International Triennial of Tapestry

Central Museum of Textiles in Łódź
ul. Piotrkowska 282
93-034 Łódź
Polen

www.cmwl.pl

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Kate Jenkins. Café Kate

Willkommen in der Welt von Kate Jenkins (UK, * 1971), einem magischen Füllhorn aus verspieltem Pop-Art-Häkeln, Stricken und Sticken. Die Künstlerin ist vor allem für ihre Leckereien bekannt, die ihren charakteristischen Sinn für Humor zeigen. Sie häkelt und strickt mit bunten Garnen, von reich gefülltem Gebäck bis hin zu Garnelengerichten. Viele der Kunstwerke von Jenkins, die mit einer warmen Anspielung auf Nostalgie geschaffen wurden, gehen über den Alltag hinaus.

Kate Jenkins: Kate’s Bakes, Detail, 2022
Installation
Ausstellung ‘Kate Jenkins. Café Kate’, Museum Rijswijk, 2022/23
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Ab 27. November 2022 präsentiert das Museum Rijswijk – Ausrichter der Textil Biennale Rijswijk – mit ‘Kate Jenkins. Café Kate’ die Gewinnerin des Publikumspreises der Textil Biennale 2021 ‘Food for Thought’. ‘Obwohl mein Lebensweg bisher abwechslungsreich und aufregend war, ändert sich eines nie’, sagt Kate Jenkins mit viel Herzlichkeit und einer Prise Humor. ‘Vor allem möchte ich mit meiner Arbeit Menschen zum Lächeln bringen.’

Der neue Flügel des Museums verwandelt sich in das Universum von Kate Jenkins. Das Konzept für die Ausstellung ‘Café Kate’ ist völlig neu und speziell für das Museum Rijswijk entworfen. Die Installationen bilden zusammen das Food Plaza ‘Café Kate’, das aus einer kompletten Bäckerei ‘Kate’s Bakes’ und der Eisdiele ‘Kate’s Cones’ besteht. Beide Installationen können reisen und die Bäckerei war bereits in Barcelona, ​​Hongkong und Grossbritannien zu sehen.

Die Bäckerei besteht aus mehr als tausend Kuchen, Torten, Pasteten, Broten und anderen gestrickten und gehäkelten Köstlichkeiten. Speziell für die Feiertage gibt es in ‘Kate’s Bakes’ Weihnachtsplätzchen und Weihnachtskränze. Die Eisdiele präsentiert gestricktes und gehäkeltes Eis mit Kates charakteristischen humorvollen Wortspielen. Der ‘Crafternoon Tea’ findet auf der Terrasse statt; Besucher bringen ihre eigenen Handarbeiten mit und können diese in gemütlichem Beisammensein bearbeiten.

Einen genüsslichen Vorgeschmack gibt es auf Kate Jenkins Website – guten Appetit!

Info:

27. November 2022 – 12. März 2023

Kate Jenkins. Café Kate

Museum Rijswijk
Herenstraat 67
2282 BR Rijswijk
Niederlande

www.museumrijswijk.nl
www.katejenkinsstudio.co.uk

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Expressionisten am Folkwang
Entdeckt – Verfemt – Gefeiert

Wie bereits kurz angekündigt, widmet sich das Museum Folkwang in Esssen anlässlich seines 100. Jubiläums einem seiner Sammmlungsschwerpunkte und zeigt noch bis zum 8. Januar 2023 die fulminante Ausstellung ‘Expressionisten am Folkwang. Entdeckt – Verfemt – Gefeiert’.

Auf 1400 m² Ausstellungsfläche werden die vielfältigen Verbindungen zwischen den Künstler*innen des Expressionismus und dem Museum Folkwang vorgestellt. Die Ausstellung vereint Werke aus der hauseigenen Sammlung mit internationalen Leihgaben aus Spanien, Österreich, der Schweiz und Deutschland. Präsentiert werden rund 250 Werke namhafter Künstler*innen, wie unter anderem Wassily Kandinksy, Ernst Ludwig Kirchner, Oskar Kokoschka, Franz Marc, Paula Modersohn-Becker, Edvard Munch, Gabriele Münter, Emil Nolde oder Egon Schiele.

Wassily Kandinsky: Landschaft mit Kirche (Landschaft mit roten Flecken I), 1913
Öl auf Leinwand
Museum Folkwang, Essen
Ausstellung ‘Expressionisten am Folkwang. Entdeckt – Verfemt – Gefeiert’, Essen 2022/23
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Der Gründer des Museum Folkwang, Karl Ernst Osthaus, entdeckt Anfang des 20. Jahrhunderts den Expressionismus als revolutionäre Kunstrichtung für sich, würdigt ihre wichtigsten Vertreter*innen in frühen Ausstellungen und erwirbt expressionistische Werke für seine Sammlung. Als 1922 – vor genau 100 Jahren – die Osthaus-Sammlung nach Essen verkauft wird und das Museum Folkwang ins Zentrum des Ruhrgebiets kommt, spielt bei Ausstellungen und Ankäufen auch für den Essener Museumsdirektor Ernst Gosebruch der Expressionismus bereits eine wichtige Rolle.

Ausstellungsansicht ‘Expressionisten am Folkwang. Entdeckt – Verfemt – Gefeiert’
20. August 2022 – 8. Januar 2023
Foto: Museum Folkwang, Sebastian Drüen, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Eine Zäsur bringt jedoch die Zeit des Nationalsozialismus – der Expressionismus wird in ganz Deutschland offiziell verfemt, die expressionistischen Werke im Museum Folkwang beschlagnahmt und verkauft. ‘Expressionisten am Folkwang’ erzählt auch vom Neuaufbau der Expressionismus-Sammlung nach dem Zweiten Weltkrieg und von den vielfältigen Ausstellungsaktivitäten der Nachkriegsjahrzehnte, in denen die Kunstrichtung rehabilitiert und als wichtigste künstlerische Bewegung des frühen 20. Jahrhunderts gefeiert wird.

Erich Heckel: Zwei ruhende Frauen, 1909
Farbholzschnitt
© Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen
Museum Folkwang, Essen
Ausstellung ‘Expressionisten am Folkwang. Entdeckt – Verfemt – Gefeiert’, Essen 2022/23
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Mit seinem frühen Engagement für den Expressionismus nimmt das Museum Folkwang eine Vorreiterrolle ein. Franz Marc beschreibt es für die Künstlergruppe ‘Der Blaue Reiter’ 1912 als ‘ein Museum, das in seiner Art ein Vorbild unseres Gedankenganges ist’.

Franz Marc: Liegender Stier, 1913
Tempera auf Papier, 40 x 46 cm
Museum Folkwang, Essen
Ausstellung ‘Expressionisten am Folkwang. Entdeckt – Verfemt – Gefeiert’, Essen 2022/23
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Im selben Jahr ist ‘Die erste Ausstellung der Redaktion Der Blaue Reiter’ im Museum Folkwang zu Gast, bei der unter anderem Werke von August Macke, Franz Marc, Wassily Kandinsky und Gabriele Münter gezeigt werden. So präsentiert die Ausstellung ‘Expressionisten am Folkwang. Entdeckt – Verfemt – Gefeiert’ mehrere Arbeiten, die bei der Gruppenausstellung 1912, aber auch bei einer Soloschau Franz Marcs bereits 1911 im Museum Folkwang zu Gast waren.

Ausstellungsansicht ‘Expressionisten am Folkwang. Entdeckt – Verfemt – Gefeiert’
20. August 2022 – 8. Januar 2023
Foto: Museum Folkwang, Sebastian Drüen, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Für die Dauer der ‘Expressionisten am Folkwang’-Ausstellung wurden die von Karl Ernst Osthaus persönlich erworbenen und heute verstreuten Gemälde Ernst Ludwig Kirchners erstmals wieder zusammengebracht. Durch die Gegenüberstellung mit anderen Kirchner-Werken wird die langjährige Verbindung zwischen Kirchner und dem Museum verdeutlicht, die in den Entwürfen und Gemälden der 1920er Jahre für den Festsaal im Museum Folkwang mündet.

Ernst Ludwig Kirchner: Wintermondnacht, 1919
Farbholzschnitt
Museum Folkwang, Essen
Ausstellung ‘Expressionisten am Folkwang. Entdeckt – Verfemt – Gefeiert’, Essen 2022/23
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Des Weiteren wird die richtungsweisende Beziehung des Museum Folkwang zu Oskar Kokoschka und Egon Schiele beleuchtet. Karl Ernst Osthaus erwarb als erster Museumsdirektor Werke der beiden Wiener Künstler. Von Schiele besass er mit einem Gemälde und 14 Aquarellen die damals grösste Sammlung. Einige dieser Werke kommen als Leihgaben erstmals seit 85 Jahren wieder ins Museum Folkwang.

Egon Schiele: Selbstbildnis mit gesenktem Kopf, 1912
Öl auf Holz
AT, Wien, Leopold Museum
Ausstellung ‘Expressionisten am Folkwang. Entdeckt – Verfemt – Gefeiert’, Essen 2022/23
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Ein eigenes Ausstellungskapitel ist Paula Modersohn-Becker gewidmet. Das Museum Folkwang spielte für die Verbreitung ihrer Arbeiten eine zentrale Rolle. Posthum wurde das Schaffen der jung verstorbenen Malerin 1913 im Folkwang in einer grossen Retrospektive gezeigt, die anschliessend in weitere Städte wanderte. Bei dieser Gelegenheit erwarb Osthaus ihr berühmtes ‘Selbstbildnis mit Kamelienzweig’ (1906/1907). Insgesamt zwölf Werke aus der Retrospektive von 1913 werden in ‘Expressionisten am Folkwang’ wiedervereinigt, darunter fünf Selbstporträts der Künstlerin.

Paula Modersohn-Becker: Selbstbildnis mit Kamelienzweig, 1906/7
Öl auf Holz, 61,5 x 30,5 cm
Museum Folkwang, Essen
Ausstellung ‘Expressionisten am Folkwang. Entdeckt – Verfemt – Gefeiert’, Essen 2022/23
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

In einer gemeinsamen Präsentation werden auch die Bildhauer Wilhelm Lehmbruck und Ernst Barlach gewürdigt, die sich einer grossen Wertschätzung von Seiten Karl Ernst Osthaus’ und Ernst Gosebruchs erfreuten.

Ausstellungsansicht ‘Expressionisten am Folkwang. Entdeckt – Verfemt – Gefeiert’
20. August 2022 – 8. Januar 2023
Foto: Museum Folkwang, Sebastian Drüen, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Anlässlich seines einhundertjährigen Bestehens in Essen verknüpft das Museum Folkwang mit dieser Jubiläumsschau die Geschichte des Expressionismus mit seiner eigenen Historie. Bis heute spielt der Expressionismus für die Programmatik des Museums ebenso wie für die Weiterentwicklung seiner Sammlung eine bedeutende Rolle. Die jüngsten Neuerwerbungen, die in ‘Expressionisten am Folkwang’ präsentiert werden, gelangten erst 2021 ins Museum Folkwang.

Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog im Steidl-Verlag erschienen.

Info:

20. August 2022 – 8. Januar 2023

Expressionisten am Folkwang
Entdeckt – Verfemt – Gefeiert

Museum Folkwang
Museumsplatz 1
45128 Essen
Deutschland

www.museum-folkwang.de

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christine laeubli
rückblick

Bevor das Elternhaus von Christine Läubli einer neuen Bestimmung zugeführt wird, nutzt sie die Räume für einen Rückblick auf ihr textiles Werk, das über die Jahre entstanden ist. Einige Arbeiten waren schon anderswo zu sehen, andere werden hier zum ersten Mal ausgestellt, auch neueste Werke sind dabei.

Christine Laeubli: das tüchlein der gänsemagd
Ausstellung ‘christine laeubli. rückblick’, Winterthur 2022
Foto freundlicherweise von der Künstlerin zur Verfügung gestellt

Das Elternhaus ist keine Galerie, sondern ein Ort mit Lebensspuren und Geschichte. Die Zimmer sind …

Christine Laeubli: grauer alltag
Ausstellung ‘christine laeubli. rückblick’, Winterthur 2022
Foto freundlicherweise von der Künstlerin zur Verfügung gestellt

… nach ihren entsprechenden Themen gestaltet: Im ehemaligen Studierzimmer des Vaters findet man Werke rund ums Thema ‘Schrift’, im Bad eine Hosenwäsche, im Elternschlafzimmer ‘Ahninnen’, im Zimmer des Bruders einen gestalterischen Dialog mit der Schwägerin. Im Kinderzimmer der Künstlerin sind allererste Arbeiten ausgestellt, die z. T. im Nachlass der Eltern zum Vorschein kamen.

Christine Laeubli: das flüstern der stalaktiten
Ausstellung ‘christine laeubli. rückblick’, Winterthur 2022
Foto freundlicherweise von der Künstlerin zur Verfügung gestellt

Schon früh standen Zeichnen und Gestalten im Mittelpunkt. Nach der Lehre zur Handweberin widmete sich Christine Laeubli zunächst dem Textildesign, doch schon bald fand sie zurück zum rein künstlerischen Gestalten.

Christine Laeubli: geträumte landschaft
Ausstellung ‘christine laeubli. rückblick’, Winterthur 2022
Foto freundlicherweise von der Künstlerin zur Verfügung gestellt

Christine Laeublis künstlerisches Ausdrucksmittel ist der Faden in seiner haptischen, anpassungsfähigen und linienhaften Beschaffenheit.

Christine Laeubli: fragile
Ausstellung ‘christine laeubli. rückblick’, Winterthur 2022
Foto freundlicherweise von der Künstlerin zur Verfügung gestellt

Rund um textile Materialien und Techniken findet sie eine Fülle an geschichtlichen, mythologischen und philosophischen Themen: der Faden, der vom Chaos zur Ordnung führt, der Schicksalsfaden, der den Teppich des Lebens webt.

Christine Laeubli: beziehung
Ausstellung ‘christine laeubli. rückblick’, Winterthur 2022
Foto freundlicherweise von der Künstlerin zur Verfügung gestellt

Indem Christine Läubli die Welt auf ihre Weise künstlerisch bearbeitet, möchte sie ihr auf den Grund gehen, sie reflektieren, anders sehen und bildnerisch neu darstellen.

Christine Laeubli: palla rossa – radicchio
Ausstellung ‘christine laeubli. rückblick’, Winterthur 2022
Foto freundlicherweise von der Künstlerin zur Verfügung gestellt

Sie interessiert sich für Lebenslinien und -geschichten, für die menschliche Verletzlichkeit und Brüchigkeit, für die Vergänglichkeit. Sie möchte das ‘Dahinter’ zeigen, die Vielschichtigkeit des Lebens. Und wenn sie eine der aufwändigen textilen Techniken anwendet, ist dies stets auch ein Ausdruck von Zeit.

Auch interessant:

… und hier auf dem taf.ch-Blog gibt es einen Einblick in die Ausstellung

Bericht über die Ausstellung ‘ping pong – gestalten im Dialog’ im Ortsmuseum Meilen 2021, an der Christine Laeubli beteiligt war. Zu finden in den Ausstellungstipps Mai 2021

Info:

13. – 26. November 2022

christine laeubli
rückblick

Jonas-Furrer-Strasse 119
8400 Winterthur
Schweiz

www.christine-laeubli.ch

Öffnungszeiten:
Di, Mi, Fr, Sa, So: 14 – 17 Uhr

Vernissage:
Sa, 12. November 2022, 18 – 21 Uhr

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Maison Sonia. Sonia Delaunay und das Atelier Simultané
Andrea Zittel. Personal Patterns

Die Kunstmuseen Krefeld starteten kürzlich mit den Ausstellungen ‘Maison Sonia’ und ‘Andrea Zittel. Personal Patterns’ die Ausstellungsreihe ‘HLHE Dialog’, bei der unter dem Leitmotiv ‘Abstraktion Leben’ Sonia Delaunay und Andrea Zittel miteinander in Bezug gesetzt werden.

Maison Sonia. Sonia Delaunay und das Atelier Simultané

Photo Meurisse: Mannequin in einem Sonia Delaunay Bade-Ensemble bei einer Modenschau in Trouville, 1928
Privatsammlung
© Pracusa S.A.
Ausstellung ‘Maison Sonia. Sonia Delaunay und das Atelier Simultané’, Kunstmuseen Krefeld 2022/23
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Im Jahr 1923, vor nahezu einem Jahrhundert, erhielt die visionäre Malerin und Gestalterin Sonia Delaunay (1885, Odessa – 1979, Paris) ihren ersten Auftrag von einem Lyoner Textilfabrikanten, der ihre künstlerische Laufbahn auf bemerkenswerte Weise änderte: Sie entwarf fortan im grossen Stil Musterstoffe für Mode und Innenausstattung, die ihr zu internationalem Erfolg verhalfen – das ‘Atelier Simultané’ war geboren.

Sonia Delaunay: Farbstudie, undatiert
© Kunstmuseen Krefeld
© Pracusa S.A.
Ausstellung ‘Maison Sonia. Sonia Delaunay und das Atelier Simultané’, Kunstmuseen Krefeld 2022/23
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts zählten Sonia Delaunay und ihr Ehemann Robert zu den Pionieren der abstrakten Malerei und machten sich einen Namen durch die markenähnliche Verwendung des Begriffes ‘Simultané’, der sich auf ihre charakteristische Malweise mit sogenannten simultanen Farbkontrasten bezog.

Ausstellungsansicht ‘Maison Sonia. Sonia Delaunay und das Atelier Simultané’
‘HLHE Dialog Abstraktion Leben’, 2022
Kunstmuseen Krefeld
Foto: Dirk Rose, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Sonia Delaunay gelang es, die Errungenschaften dieser reinen Farbmalerei und der Abstraktion auf die Oberflächen des modernen Lebens zu übertragen, wobei Stoffe eine Schlüsselrolle spielten.

Sonia Delaunay: Kleid für Margrit Baumeister aus Tissu Simultané 34, 1926
Privatsammlung
© Pracusa S.A.
Ausstellung ‘Maison Sonia. Sonia Delaunay und das Atelier Simultané’, Kunstmuseen Krefeld 2022/23
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Im Jahr 2019 erhielt die Sammlung der Kunstmuseen Krefeld eine spektakuläre Ergänzung: Ein umfangreiches Konvolut von rund 100 Textilentwurfszeichnungen der Künstlerin wurde auf Initiative der Direktorin Katia Baudin erworben. Sie demonstrieren die Fusion von Kunst und Alltag, von Malerei und angewandter Kunst und sind Ausgangspunkt der Ausstellung. ‘Sonia Delaunay verkörpert die Beziehung zwischen den Avantgarden und der Textil- und Modeindustrie wie keine andere Künstlerin des 20. Jahrhunderts’, sagt Direktorin und Co-Kuratorin der Ausstellung Katia Baudin. ‘Wir sind sehr glücklich darüber, unser bedeutendes Zeichnungskonvolut in Krefeld in einer innovativen und vielseitigen Ausstellung zeigen zu können. Im Kontext mit vielen noch nie öffentlich gezeigten Leihgaben können wir ein wichtiges Kapitel aus der Geschichte Sonia Delaunays präsentieren, das bislang unbekannt war.’

Sonia Delaunay: Stoffentwurf Nr. 857/250, 1928
© Kunstmuseen Krefeld
© Pracusa S.A.
Ausstellung ‘Maison Sonia. Sonia Delaunay und das Atelier Simultané’, Kunstmuseen Krefeld 2022/23
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die Krefelder Delaunay-Zeichnungen aus dem Zeitraum 1920 bis 1950, die das Herz der Ausstellung bilden, zeigen die überwältigende Bandbreite von Sonia Delaunays Erfindungsreichtum, ihren experimentierfreudigen Farbsinn sowie ihren offenen Umgang mit medienübergreifender Gestaltung.

Ausstellungsansicht ‘Maison Sonia. Sonia Delaunay und das Atelier Simultané’
‘HLHE Dialog Abstraktion Leben’, 2022
Kunstmuseen Krefeld
Foto: Dirk Rose, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die Ausstellung erkundet Sonia Delaunays reiches angewandtes Werk mit besonderem Augenmerk auf die Ursprünge und Bedeutung des ‘Simultané’, ihre Werkstatt, ihre Talente als Netzwerkerin und Geschäftsfrau, ihre industriellen Kollaborationen und ihre geradezu unendliche mediale Vielfalt von den 1910er bis in die 1970er Jahre. Sie versammelt ein interdisziplinäres Spektrum an Werken – darunter wichtige internationale Leihgaben – aus den Bereichen Mode, Textil, Mobiliar, Werbe- und Buchkunst, Film und Fotografie, reizvoll inszeniert in einer ortspezifischen Ausstellungsarchitektur von Meyer Voggenreiter.

Sonia Delaunay: Stoffentwurf S.G. 121 bis
für Tissus Robert Perrier, 1942, entstanden in Grasse
© Kunstmuseen Krefeld
© Pracusa S.A.
Ausstellung ‘Maison Sonia. Sonia Delaunay und das Atelier Simultané’, Kunstmuseen Krefeld 2022/23
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Ein besonderer Fokus liegt natürlich auf dem hauseigenen Bestand der Kunstmuseen Krefeld: Im Zeitraum 2020 – 2022 wurden das Krefelder Zeichnungskonvolut und seine Provenienz von Waleria Dorogova im Rahmen des Programmes Forschungsvolontariat Kunstmuseen NRW wissenschaftlich erforscht. Die Ergebnisse dieser Arbeit liegen der Ausstellung und der Begleitpublikation zugrunde. Die Arbeiten waren ursprünglich Teil einer Sammlung, die der in Paris und Lyon tätige Textilunternehmer Robert Perrier (1898-1987) in den 1940er Jahren unmittelbar von Sonia Delaunay erwarb. Bereits im Laufe der 1930er Jahre hatte er seine Wohnung in Montmartre, einem Schmelztiegel der Avantgarde und Musikszene, mit Stoffen von Sonia Delaunay ausstatten lassen.

Marie-Jacques ‘Jacotte’ Perrier in ihrem Kinderzimmer
Textile Ausstattung von Sonia Delaunay, Paris 1930
© Perrier Familienarchiv
Ausstellung ‘Maison Sonia. Sonia Delaunay und das Atelier Simultané’, Kunstmuseen Krefeld 2022/23
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

In der Ausstellung sind auch erstmalig bedeutende Arbeiten aus dem Archiv der Familie Perrier zu sehen, wie Textilzeichnungen und Möbel. Andere noch nie zuvor gezeigte Werke der Künstlerin aus dem Zeitraum 1913 bis 1972 reisten aus namhaften Sammlungen, wie denen der Bibliothéque nationale de France oder dem Pariser Modemuseum Palais Galliera nach Krefeld.

Ausstellungsansicht ‘Maison Sonia. Sonia Delaunay und das Atelier Simultané’
‘HLHE Dialog Abstraktion Leben’, 2022
Kunstmuseen Krefeld
Foto: Dirk Rose, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Dass mit ‘Maison Sonia’ das ‘Atelier Simultané’ in Haus Lange einzieht, hat für die Programmatik und die DNA der Kunstmuseen Krefeld eine zentrale Bedeutung: Sonia Delaunays Werk versinnbildlicht die Verknüpfung von freier und angewandter Kunst, die zum Zeitpunkt der Gründung des Hauses ein Kernanliegen war, als Krefeld den Status eines international bedeutenden Zentrums der Textilindustrie genoss. Haus Lange, gebaut von Ludwig Mies van der Rohe für den Vorstand der Vereinigten Seidenwebereien (Verseidag) Hermann Lange, ist eine Ikone des ‘International Style’. Heute erinnert es an die Beziehung zwischen moderner Kunst und Seidenindustrie und ist der ideale Schauplatz für das Werk einer Künstlerin, deren Kooperationen mit der Pariser und Lyoner Textilindustrie zu den fruchtbarsten Partnerschaften ihrer Karriere zählten.

Ausstellungsansicht ‘Maison Sonia. Sonia Delaunay und das Atelier Simultané’
‘HLHE Dialog Abstraktion Leben’, 2022
Kunstmuseen Krefeld
Foto: Dirk Rose, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Andrea Zittel. Personal Patterns

Mit der zweiten Ausstellung, ‘Andrea Zittel. Personal Patterns’, präsentieren die Kunstmuseen Krefeld erstmalig nach 20 Jahren die Kunst von Andrea Zittel (*1965 in Escondido, CA, USA) mit einer Einzelausstellung in Deutschland.

Andrea Zittel: Panels and Portals #2, 2020
Aquarell, Gouache, Papier
© Andrea Zittel, Courtesy the artist and Sprüth Magers
Ausstellung ‘Andrea Zittel. Personal Patterns’, Kunstmuseen Krefeld 2022/23
Foto: Timo Ohler, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die US-Amerikanerin gehört zu den bedeutendsten Künstler*innen ihrer Generation, welche die Grenzen zwischen Kunst und Leben mit einem neuen Skulpturbegriff aufgebrochen haben. In enger Zusammenarbeit mit der Künstlerin entstand eine ortspezifische Präsentation in Haus Esters, das 1927 von Ludwig Mies van der Rohe als Wohnhaus erbaut wurde. Anhand von Zittels abstrakten wie konkreten ‘Panels’ und visuellen wie persönlichen Mustern erkundet das Projekt ihre transdisziplinäre Praxis.

Andrea Zittel: Planar Composition for Esters Garden House, 2022
Skulpturengarten, Sammlung Kunstmuseen Krefeld & Freunde der Kunstmuseen Krefeld e.V
© Andrea Zittel
Ausstellung ‘Andrea Zittel. Personal Patterns’, Kunstmuseen Krefeld 2022/23
Foto: Dirk Rose, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Seit den 1990er Jahren untersucht Andrea Zittel ausgehend von ihrem eigenen Körper den Raum um sie herum experimentell in ‘test sites for investigative living’- zuerst in der Enge von New York, später in der Weite der kalifornischen Wüste. In ihren reduzierten, zumeist aus geometrischen Grundformen zusammengesetzten Arbeiten vermengt sie Kunst, Design und Architektur. Kunst und alltägliches Leben, Künstlerin, Entrepreneurin und Privatperson werden eins. Eine Saison lang trägt sie etwa jeden Tag dieselbe Kleidung, ihre ‘Uniform’, oder sie gestaltet ihren Wohnraum regelmässig um, fragt sich welche multifunktionalen Objekte ihren Bedürfnissen entsprechen.

Andrea Zittel. Personal Patterns, HLHE Dialog Abstraktion Leben
(Installationsansicht Andrea Zittel, Free Running Rhythms and Patterns, 2000 und A-Z Personal Uniforms, 1998, Courtesy Sammlung Goetz, München)
Haus Esters, Kunstmuseen Krefeld 2022
© Andrea Zittel
Ausstellung ‘Andrea Zittel. Personal Patterns’, Kunstmuseen Krefeld 2022/23
Foto: Dirk Rose, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Beeinflusst vom Design und der Architektur des frühen 20. Jahrhunderts, wie den russischen Konstruktivisten und dem Bauhaus, entwickelt Zittel einfache wie futuristisch wirkende Möbel, Mode und andere, teilweise utopische Prototypen. Sie agiert als Ein-Frau-Unternehmen mit ‘A-Z Administrative Services’ und später mit dem selbstgeschaffenen Lebens- und Arbeitsort ‘A-Z’ fest bei Joshua Tree (CA) sowie dem Projekt ‘High Desert fest Sites’ (HDTS) kollektiver. Ähnlich einer Dienstleister*in passt Zittel ihre an ‘Produkte’ erinnernden Kunstwerke auf die Bedürfnisse und Wünsche Ihrer Kund*innen an. Ihre ‘Cox/ort Units’, ‘Carpet Furniture’ oder ‘Escape Vehicles’ werfen auf diese Weise eine neue, kritische Perspektive auf Lebensweisen und Werte, die uns selbstverständlich erscheinen – aber es vielleicht gar nicht sind?

Andrea Zittel. Personal Patterns, HLHE Dialog Abstraktion Leben
(Installationsansicht Andrea Zittel, A-Z Personal Uniforms, 1998, Me in Personal Panel in Front of the A-Z, 1998, Courtesy Sammlung Goetz, München und One Reason The A–Z Personal Panels are Special, 1998, Courtesy Sprüth Magers)
Haus Esters, Kunstmuseen Krefeld 2022
© Andrea Zittel
Ausstellung ‘Andrea Zittel. Personal Patterns’, Kunstmuseen Krefeld 2022/23
Foto: Dirk Rose, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

‘How to live?’ fragt eines von Andrea Zittels Prototypen für Billboards — ähnlich wie Architekt und Bauhaus-Direktor Mies van der Rohe sowie auch Sonia Delaunay (1885 Odessa — 1979 Paris), deren gattungsüberschreitende Kunst parallel in Haus Lange gezeigt wird.

Andrea Zittel. Personal Patterns, HLHE Dialog Abstraktion Leben
(Installationsansicht Andrea Zittel, Planar Partition #1, 2015, A-Z Carpet Bed, 1995, Courtesy Frac Grand Large — Hauts-de-France, Dunkirchen und A-Z Cellular Compartment Communities #3, 2002, Courtesy Sprüth Magers)
Haus Esters, Kunstmuseen Krefeld 2022
© Andrea Zittel
Ausstellung ‘Andrea Zittel. Personal Patterns’, Kunstmuseen Krefeld 2022/23
Foto: Dirk Rose, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

In der Ausstellung in Haus Esters treffen Andrea Zittels geometrische Flächen auf die geometrische Architektur der 1920er Jahre, Mies van der Rohes gebaute Utopie von einem modernen, freien Leben. Die menschengemachte Welt begreift Zittel als zusammengesetzt aus ‘Panels’. ‘Panels’ sind beispielsweise ein Bett, eine Bushaltestelle oder ein Grundstück. Horizontale Flächen binden als ‘energetic accumulators’ praktische, soziale Energie (Tische, Bänke, Strassen), vertikale strukturieren den Raum oder vermitteln als ‘ideological resonators’ (Wände, Werbetafeln) Informationen.

Andrea Zittel. Personal Patterns, HLHE Dialog Abstraktion Leben
(Installationsansicht Andrea Zittel, Planar Partition #1, 2015, Study for Planar Configuration Variant #7, 2019, Study for Planar Configuration Variant #8, 2019 und Panels and Portals #2, 2020, Courtesy Sprüth Magers)
Haus Esters, Kunstmuseen Krefeld 2022
© Andrea Zittel
Ausstellung ‘Andrea Zittel. Personal Patterns’, Kunstmuseen Krefeld 2022/23
Foto: Dirk Rose, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

‘Zittel ergründet mit ihrer konzeptuellen wie experimentellen Praxis grundlegende menschliche Eigenheiten mitten im Leben. Sie hat angesichts aktueller sozialer und ökologischer Fragen, insbesondere um den Umgang mit Informationen und Materialien eine besondere Relevanz’, erklärt Kuratorin Juliane Duft.

Andrea Zittel. Personal Patterns, HLHE Dialog Abstraktion Leben
(Installationsansicht Andrea Zittel, A-Z Carpet Bed, 1995, Courtesy Frac Grand Large — Hauts-de-France, Dunkerque, My Neighbor Charles with His Carpet Furniture, 1999, Courtesy Marta Moriarty, Madrid und A-Z Cellular Compartment Communities #3, 2002, Courtesy Sprüth Magers)
Haus Esters, Kunstmuseen Krefeld 2022
© Andrea Zittel
Ausstellung ‘Andrea Zittel. Personal Patterns’, Kunstmuseen Krefeld 2022/23
Foto: Dirk Rose, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Andrea Zittels installative Ausstellung mit ihren reduzierten Form-Konfigurationen bildet eine konzentrierte Reflexionsfläche für die abstrakten Gestaltungen unserer heutigen Lebenswelt. Die internationalen Leihgaben seit den 1990er Jahren reichen von Grafiken, Kleidung, Teppichen bis zu Möbel-Skulpturen. Mit ihnen und auf die Räume zugeschnittenen, neuen Installationen richtet Zittel Haus Esters mit ihren Flächen und Mustern ein. Viele ihrer Arbeiten, insbesondere ihre jüngeren Skulpturen, sind ähnlich wie die Mies-Häuser geometrisch-abstrakt und funktional zugleich und loten private Zonen gegenüber sozialen, öffentlichen Räumen aus.

Andrea Zittel. Personal Patterns, HLHE Dialog Abstraktion Leben
(Installationsansicht Andrea Zittel, A-Z Carpet Bed, 1995, Courtesy Frac Grand Large — Hauts-de-France, Dunkerque und My Neighbor Charles with His Carpet Furniture, 1999, Courtesy Marta Moriarty, Madrid)
Haus Esters, Kunstmuseen Krefeld 2022
© Andrea Zittel
Ausstellung ‘Andrea Zittel. Personal Patterns’, Kunstmuseen Krefeld 2022/23
Foto: Dirk Rose, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

‘Maison Sonia’ und ‘Personal Patterns’ sind beide Teil der Ausstellungsreihe ‘HLHE Dialog’, bei der, wie schon gesagt, unter dem Leitmotiv ‘Abstraktion Leben’ Sonia Delaunay und Andrea Zittel miteinander in Bezug gesetzt werden. Laut Museumsdirektorin Katia Baudin, die die Duo-Ausstellung initiiert hat, ‘dienen die benachbarten modernen Villen von Mies van der Rohe als idealer Schauplatz und Katalysator für die fruchtbare Begegnung von zwei visionären weiblichen künstlerischen Positionen, die danach streben, die Barrieren zwischen Kunst und Alltag zu überwinden, indem sie die Sprache der Abstraktion nutzen, um gesellschaftliche Veränderungen zu untersuchen und darauf zu reagieren.’

Begleitpublikation erhältlich

Info:

23. Oktober 2022 – 26. Februar 2023

Maison Sonia. Sonia Delaunay und das Atelier Simultané
Andrea Zittel. Personal Patterns

Kunstmuseen Krefeld
Haus Lange Haus Esters
Wilhelmshofallee 91–97
47800 Krefeld
Deutschland

www.kunstmuseenkrefeld.de

Flyer Delaunay

Flyer Zittel

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Pforzheim revisited Berlin – zwölf Jahre Stipendium

Ausstellung ‘Pforzheim revisited Berlin – zwölf Jahre Stipendium’ – Plakat
Schmuckmuseum Pforzheim 2022/23
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Hohlprägen, Pressen, Guillochieren – diese traditionellen manufakturellen Schmucktechniken werden im Rahmen von ‘Pforzheim revisited’ gelernt, angewendet und gepflegt.

Frieda Dörfer: Halsschmuck, 2013
SMP InvNr. 2014-23
Ausstellung ‘Pforzheim revisited Berlin – zwölf Jahre Stipendium’, Schmuckmuseum Pforzheim 2022/23
Foto: Petra Jaschke, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Mit einem Stipendium von C. HAFNER loten Alumni des Studiengangs Schmuck der Hochschule Pforzheim die gewonnenen Einblicke und Kenntnisse dieser und anderer traditioneller Techniken aus.

Anna Fink: Anhänger
Ausstellung ‘Pforzheim revisited Berlin – zwölf Jahre Stipendium’, Schmuckmuseum Pforzheim 2022/23
Foto: Petra Jaschke, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Während dreier oder sechs intensiver Monate im Deutschen Technikmuseum in Berlin interpretieren die Stipendiaten und Stipendiatinnen wertvolle Traditionen neu, setzen sie in ungewohnte Kontexte ein und kombinieren sie mit anderen Materialien und Techniken.

Lena Beigel: Lampe
Ausstellung ‘Pforzheim revisited Berlin – zwölf Jahre Stipendium’, Schmuckmuseum Pforzheim 2022/23
Foto: Petra Jaschke, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Es entstehen zeitgenössischer Schmuck und Objekte, die zur Weiterbelebung und dynamischen Erhaltung dieser wichtigen manufakturellen Schmucktechniken beitragen. Die Ausstellung im Schmuckmuseum Pforzheim zeigt ab dem 25. November 2022 Arbeiten der Stipendiaten der vergangenen zwölf Jahre.

Frieda Dörfer: Kette
Ausstellung ‘Pforzheim revisited Berlin – zwölf Jahre Stipendium’, Schmuckmuseum Pforzheim 2022/23
Foto: Petra Jaschke, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

‘Pforzheim revisited’ ist eine Kooperation zwischen dem Studiengang Schmuck der Hochschule Pforzheim, dem Technischen Museum der Pforzheimer Schmuck- und Uhrenindustrie und der Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin. Sie wird massgeblich durch die Firma C. HAFNER unterstützt, ist Teil des Kooperationsprojektes ‘Manufakturelle Schmuckgestaltung’ und seit 2015 Beispiel guter Praxis auf der bundesweiten Liste des Immateriellen Kulturerbes der Deutschen UNESCO-Kommission.

Info:

25. November 2022 – 22. Januar 2023

Pforzheim revisited Berlin – zwölf Jahre Stipendium

Schmuckmuseum Pforzheim
Jahnstrasse 42
75173 Pforzheim
Deutschland

www.schmuckmuseum.de

Flyer

Eintritt im Besuch der Dauerausstellung inbegriffen

Eröffnung:
Do, 24. November 2022, 19 Uhr

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Helmut Newton Legacy

Mit ‘Helmut Newton Legacy’ feiert das Bank Austria Kunstforum Wien noch bis zum 15. Januar 2023 den 100. Geburtstag des deutsch-australischen Fotografen – coronabedingt verzögert, aber umso umfassender mit an die 250 Arbeiten, die Newtons gesamtes Schaffen dokumentieren.

Helmut Newton (1920 – 2004), eine kontroversielle Figur, die bis heute fasziniert und provoziert, ist in erster Linie durch seine Frauenbilder bekannt: mächtig, aggressiv, selbstbewusst – nackt und bekleidet – präsentieren sie sich dem Zuschauer. Newtons Fotografien sind unzählige Male publiziert, ihr ikonischer Charakter hat sich in unser kollektives Bildgedächtnis eingeprägt. Immer wieder testet Newton gesellschaftlich-moralische Grenzen aus und definiert sie mitunter neu; er verstört und bannt das Publikum mit seinen Visionen und Visualisierungen von Mode und Weiblichkeit.

Helmut Newton: Fashion, Melbourne 1955
© Helmut Newton Foundation
Ausstellung ‘Helmut Newton Legacy’, Bank Austria Kunstforum Wien, 2022/23
Foto freundlicherweise vom Kunstforum zur Verfügung gestellt

Tatsächlich entwickelt sich Newtons Karriere durch seine Modefotografie – die auch im Zentrum dieser Ausstellung steht. 1938 als Jude vor den Nationalsozialisten nach Australien geflüchtet, beginnt er dort Mode zu fotografieren. Seine ihm eigene Bildsprache findet er dann im Paris der 1960er Jahre: Er eröffnet ein neues Kapitel der Modefotografie, indem er die ‘Objekte der Begierde’ in einen (fiktiven) Kontext setzt, Atmosphäre schafft und den Zeitgeist einfängt. Inspiriert ist er dabei in den 1960er Jahren von Raymond Chandlers Kriminalromanen oder dem amerikanischen Film Noir, später sind es Filme von Alfred Hitchcock und François Truffaut oder die Abenteuer von James Bond.

Helmut Newton: John Bates, British Vogue, London 1966
© Helmut Newton Foundation
Ausstellung ‘Helmut Newton Legacy’, Bank Austria Kunstforum Wien, 2022/23
Foto freundlicherweise vom Kunstforum zur Verfügung gestellt

Es sind die teilweise engen Rahmenbedingungen und Erwartungen seiner Auftraggeber, die ihn dazu reizen, traditionelle Darstellungsmodi zu hinterfragen – so beginnt er seine Modelle zu inszenieren: in den Strassen von Paris, in Stundenhotels oder im Rahmen einer Paparazzi-Story. Mit meist schrillen theatralischen Settings kreiert Newton in der durch Luxus und Exzentrik bestimmten Szene der Haute Couture eine Stimmung von Eleganz und Ambivalenz. Newton fotografiert im Auftrag bekannter Modemagazine, für die französische, italienische, amerikanische und die englische ‘Vogue’, ‘Elle’ oder ‘Queen’ und fasziniert so ein Millionenpublikum. Seine mitunter provozierenden Aufnahmen erreichen ikonischen Status.

Helmut Newton: Woman examining man, Calvin Klein, American Vogue, Saint Tropez 1975
© Helmut Newton Foundation
Ausstellung ‘Helmut Newton Legacy’, Bank Austria Kunstforum Wien, 2022/23
Foto freundlicherweise vom Kunstforum zur Verfügung gestellt

In den frühen 1980er Jahren wendet Newton sich der Aktfotografie zu. Mit den legendären Diptychen der Serie ‘Naked’ and ‘Dressed’ zeigt er Modelle in identischer Pose nackt und bekleidet: Hier provoziert Newton genauso wie mit den ‘Big Nudes’ – Portraits lebensgrosser Modelle in beinahe kämpferischer Nacktheit, deren Sexualität selbstbestimmt und handlungsaktiv wirkt.

Helmut Newton: Tied-up Torso, Ramatuelle 1980
© Helmut Newton Foundation
Ausstellung ‘Helmut Newton Legacy’, Bank Austria Kunstforum Wien, 2022/23
Foto freundlicherweise vom Kunstforum zur Verfügung gestellt

In Zusammenhang mit der herrschenden #MeToo-Debatte wurde Newton niemals genannt – die Frauen, die für ihn nackt posieren, erzählen darüber entspannt und erwähnen eher seinen Humor beim Shooting, das im Übrigen häufig von June Newton begleitet wurde. Dennoch gab es immer Stimmen, die Newtons Blick auf die Frau kritisierten. Die prominenteste ist die der amerikanischen Kulturwissenschaftlerin Susan Sonntag, die Newton 1979 in einer Talk-Show Sexismus und Frauenfeindlichkeit vorwarf und seine Fantasien als monströs klassifizierte.

Newtons genreübergreifende und provozierende Fotografie, die sich über sechs Dekaden erstreckt, entzieht sich jeder Kategorisierung. Konsum und Eleganz, Stil und Voyeurismus verbindet Newton zu einer unnachahmlichen, kaum zu entwirrenden Melange. Die grosse Schau des Bank Austria Kunstforum Wien lenkt den Blick auf dieses Ganze, das den sich wandelnden Zeitgeist von den 1960er Jahren bis an die Jahrtausendwende widerspiegelt.

Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit der Helmut Newton Foundation Berlin.

Kuratiert von Matthias Harder (Direktor & Kurator Helmut Newton Foundation Berlin) und Evelyn Benesch (Kuratorin Bank Austria Kunstforum Wien).

Info:

19. Oktober 2022 – 15. Januar 2023

Helmut Newton Legacy

Bank Austria Kunstforum Wien
Freyung 8
1010 Wien
Österreich

www.kunstforumwien.at

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Christo und Jeanne-Claude

Derzeit präsentiert der KUNSTPALAST in Düsseldorf die Ausstellung ‘Christo und Jeanne-Claude’, die noch bis 22. Januar 2023 zu sehen ist.

Christo und Jeanne-Claude vor dem Verhüllten Reichstag, Berlin, 1995
© Christo and Jeanne-Claude Foundation / VG Bild-Kunst, Bonn, 2022
Ausstellung ‘Christo und Jeanne-Claude’, KUNSTPALAST Düsseldorf 2022/23
Foto: Wolfgang Volz, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die Ausstellung zeichnet die kunsthistorische Entwicklung von Christo und Jeanne-Claude seit Mitte der 1950er Jahre bis heute nach und stellt das in Frankreich entstandene künstlerische frühe Schaffen im Kontext mit Arbeiten von Weggefährt*innen vor. Zusammen mit Werken von Christo werden Gemälde und Objekte von Arman, Niki de Saint Phalle, Jean Dubuffet, Lucio Fontana, Yves Klein und anderen präsentiert. Aus dem vielfältigen Bezugsfeld der Avantgarde im Paris der 1950er Jahre wird deutlich, wie die spezifische Werkentwicklung von Christo und Jeanne-Claude verlief und was ihre künstlerische Position ausmacht.

Blick in die Ausstellung
Ausstellung ‘Christo und Jeanne-Claude’, KUNSTPALAST Düsseldorf 2022/23
Foto: Anne Orthen, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Das Projekt im KUNSTPALAST ist die letzte Ausstellung, der Christo kurz vor seinem Tod im Mai 2020 noch zugestimmt hat. Ausgangspunkt für das Projekt bildet die bedeutende Sammlung von Ingrid und Thomas Jochheim, die einen der weltweit umfangreichsten Bestände der Kunst von Christo und Jeanne-Claude darstellt. Hierzu zählen zahlreiche Objekte sowie grossformatige Zeichnungen, grafische Arbeiten und Fotografien.

Christo: Verhüllte Frau, (Projekt für das Institute of Contemporary Art, Philadelphia) 1968, 1996
Lithografie mit Collage aus Polyethylen und Bindfaden, mit Bleistift bearbeitet, 56 x 71 cm
Sammlung Ingrid & Thomas Jochheim
© Christo and Jeanne-Claude Foundation / VG Bild-Kunst, Bonn, 2022
Ausstellung ‘Christo und Jeanne-Claude’, KUNSTPALAST Düsseldorf 2022/23
Foto: Archiv Christo and Jeanne-Claude Foundation, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

In der Ausstellung werden sämtliche von Christo und Jeanne-Claude realisierten Projekte seit ‘Wrapped Coast’ von 1968/69 vorgestellt. Ebenfalls präsentiert werden Studien und Entwürfe für das noch nicht verwirklichte Mastaba-Projekt für Abu Dhabi, das im Falle seiner Realisierung die Dimensionen der Pyramide von Gizeh überbieten und zum Denkmal für die Kreativität von Christo and Jeanne-Claude würde.

Christo: Die Mastaba von Abu Dhabi (Projekt für die Vereinigten Arabischen Emirate), 1979
Bleistift, Wachskreide, Kopie einer Fotografie, Pastell, Kohle, 80 x 60,5 cm
Sammlung Ingrid & Thomas Jochheim
© Christo and Jeanne-Claude Foundation / VG Bild-Kunst, Bonn, 2022
Ausstellung ‘Christo und Jeanne-Claude’, KUNSTPALAST Düsseldorf 2022/23
Foto: Hanna Neander, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

In der Ausstellung sind ausserdem Werke von folgenden Künstler*innen zu sehen: Arman, Alberto Burri, César, Jean Dubuffet, Lucio Fontana, Raymond Hains, Yves Klein, Jacques Mahé de la Villeglé, Piero Manzoni, Arnulf Rainer, Niki de Saint Phalle, Daniel Spoerri, Antoni Tàpies, Jean Tinguely und Wolf Vostell.

Der Fotograf Wolfgang Volz, der seit 1972 in enger Zusammenarbeit mit dem Künstlerpaar und mit Exklusivrecht die internationalen Projekte von Christo und Jeanne-Claude dokumentarisch begleitet hat, ist ebenfalls vertreten.

Kurator: Kay Heymer, Leiter Moderne Kunst, Kunstpalast
Co-Kuratorin: Sophie-Marie Sümmermann, Kunstpalast

Katalog erhältlich

Das Museum für Kunst und Kulturgeschichte Schloss Gottorf, Schleswig, präsentiert die Ausstellung in modifizierter Form ab März 2023.

Auch interessant:

Mein Bericht über den verhüllten Triumphbogen in Paris (‘L’Arc de Triomphe, Wrapped’), 2021, mit weiteren Fotos und Links ist hier zu finden

Info:

7. September 2022 – 22. Januar 2023

Christo und Jeanne-Claude

KUNSTPALAST
Ehrenhof 4-5
40479 Düsseldorf
Deutschland

www.kunstpalast.de

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Patchwork – Quilts – Textilkunst in Herrenberg
Jubiläumsausstellung der Herrenberger Schloßbergquilterinnen

Die Herrenberger Schloßbergquilterinnen bereiten ihre 5. Ausstellung vor, eine Jubiläumsausstellung anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Gruppe.

Ausstellung ‘Patchwork – Quilts – Textilkunst in Herrenberg’
Herrenberger Schloßbergquilterinnen 2022
Foto freundlicherweise von der Gruppe zur Verfügung gestellt

Unter dem Motto ‘Patchwork – Quilts – Textilkunst in Herrenberg’ findet die Schau im Studio der Musikschule in Herrenberg statt, die in der Nähe des Bahnhofs liegt und somit auch mit ‘den Öffentlichen’ gut erreichbar ist.

Neben neuen Gruppenprojekten und individuellen Quilts und Wandbehängen, die in den letzten 4 Jahren entstanden sind, werden auch die besten Exponate der vergangenen Ausstellungen gezeigt.

Es gibt zwei getrennte Verlosungen für verschiedene Wohltätigkeitsprojekte, beispielsweise wird auch der im Bild gezeigte Quilt verlost. Am Samstag und Sonntag öffnet auch eine Cafeteria. Die Damen freuen sich auf viele Besucher*innen von nah und fern.

Info:

12. – 13. November 2022

Patchwork – Quilts – Textilkunst in Herrenberg
Jubiläumsausstellung der Herrenberger Schloßbergquilterinnen

Studio der Musikschule
Bismarckstrasse 9
71083 Herrenberg
Deutschland

www.facebook.com
www.musikschule.herrenberg.de

Öffnungszeiten:
Sa, 12. und So, 13. November 2022: 10 – 18 Uhr

Eröffnung:
Fr, 11. November 2022, 17 – 20 Uhr

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The Archive Collection
Eine Kooperation zwischen C&A und der Draiflessen Collection

Zum 180-jährigen Jubiläum brachte C&A im Jahr 2021 eine Retrokollektion heraus, die sich an den eigenen Modekreationen zurückliegender Jahrzehnte orientierte. Unter dem Ausstellungstitel ‘The Archive Collection’ stellte die Draiflessen Collection in Mettingen diese C&A-Kollektion mit ausgewählten Originalen aus dem eigenen Archivbestand der Draiflessen Collection zusammen und lässt so den Zeitgeist und stilistische Merkmale vergangener Jahre wieder aufleben.

C&A Archive Collection, ‘miniskirt’-T-Shirt und Minirock, 2021
© Draiflessen Collection
Ausstellung ‘The Archive Collection’, Mettingen 2022/23
Foto: Stephan Kube, freundlicherweise von der Draiflessen Collection zur Verfügung gestellt

Im November 2020 begaben sich die Designer*innen von C&A und die Archivmitarbeiter*innen der Draiflessen Collection zusammen auf eine Reise in die Vergangenheit. Ausgangspunkt für die Retrokollektion waren Werbemappen, Printanzeigen und Modekollektionen des Unternehmens aus den vergangenen Jahrzehnten, die im Archiv der Draiflessen Collection gesammelt und aufbewahrt werden. Sie erlauben Einblicke in die Geschichte von C&A, Kreationen und Werbung von 1841 bis heute.

‘(Jetzt sind es die Jäckchen-die “mini werden)’, C&A Werbeanzeige, 1969
© Draiflessen Collection
Ausstellung ‘The Archive Collection’, Mettingen 2022/23
Foto: Stephan Kube, freundlicherweise von der Draiflessen Collection zur Verfügung gestellt

Dass C&A in Kooperation mit der Draiflessen Collection zum Jubiläum des Unternehmens die ‘Archive Collection’ kreieren konnte, war möglich dank der über 100-jährigen Sammlungsarbeit vieler Beteiligter.

C&A Archive Collection, Retro-Skianzüge, 2021
© Draiflessen Collection
Ausstellung ‘The Archive Collection’, Mettingen 2022/23
Foto: Stephan Kube, freundlicherweise von der Draiflessen Collection zur Verfügung gestellt

Jedes Jahrzehnt ist geprägt von bestimmten Stilen, die den Zeitgeist verkörpern. Daher sind Kleidung und Accessoires gut geeignet, das Gefühl einer bestimmten Dekade wieder aufleben zu lassen. Unter neuen Vorzeichen, heute als Teil einer Museumssammlung, setzten historische Werbung und Mode von C&A im Rahmen dieses Projekts wichtige Impulse und regten die Fantasie der Designer*innen an.

‘So chic sind Sie noch nie in den Schnee gefallen’, C&A Werbeanzeige, 1976
© Draiflessen Collection
Ausstellung ‘The Archive Collection’, Mettingen 2022/23
Foto: Stephan Kube, freundlicherweise von der Draiflessen Collection zur Verfügung gestellt

Die beispielsweise in den 1970er Jahren beliebten Schlaghosen wurden im Zuge der ‘Archive Collection’ an heutige Trends angepasst, indem sie etwas schmaler gestaltet worden sind, so dass sie moderner wirken.

C&A Archive Collection, 1.000.000 Jinglers Jeans, 1989 (2.v.l.), ‘Jinglers’ T-Shirts und Jinglers Jeans, 2021
© Draiflessen Collection
Ausstellung ‘The Archive Collection’, Mettingen 2022/23
Foto: Stephan Kube, freundlicherweise von der Draiflessen Collection zur Verfügung gestellt

Generell erlebt die Modebranche gerade eine Renaissance von Modellen aus den 1960er bis in die 1980er Jahre auf dem Markt, die sich in der Präsentation ‘The Archive Collection’ widerspiegelt. So regte beispielsweise das historische schwarze Minikleid zu detaillierten Übernahmen an – dem aktuellen Trend entsprechend noch viel kürzer als das Mini der 1960er Jahre und in pastelliger Farbpalette.

C&A Archive Collection, (v.l.) Schwarzes Minikleid, 1970, Rosa Minikleid, 2021
© Draiflessen Collection
Ausstellung ‘The Archive Collection’, Mettingen 2022/23
Foto: Stephan Kube, freundlicherweise von der Draiflessen Collection zur Verfügung gestellt

‘The Archive Collection’ ist noch zu sehen bis zum 15. Januar 2023.

Info:

22. Juni 2022 – 15. Januar 2023

The Archive Collection
Eine Kooperation zwischen C&A und der Draiflessen Collection

Draiflessen Collection
Georgstrasse 18
49497 Mettingen
Deutschland

www.draiflessen.com

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gesprächsStoff bewegt

Ausdrucksstarke Art Quilts von Angelika Bimmler und Waltraud Peters gibt es ab dem 8. November 2022 in der ART-Galerie in Ettlingen zu sehen. Gemeinsam mit der Künstlerin Andrea Kiesecker aus Karlsruhe-Durlach stellen sie dort unter dem Titel ‘gesprächsStoff bewegt’ aus.

Ausstellung ‘gesprächsStoff bewegt’ – Einladung
ART-Galerie Ettlingen, 2022
Foto freundlicherweise von den Künstlerinnen zur Verfügung gestellt

Angelika Bimmler schätzt Materialvielfalt und verfremdet ihre Arbeiten gern, während Waltraud Peters von der Weichheit und Anpassungsfähigkeit des textilen Materials fasziniert ist.

Ausstellung ‘gesprächsStoff bewegt’ – Einladung
ART-Galerie Ettlingen, 2022
Foto freundlicherweise von den Künstlerinnen zur Verfügung gestellt

Andrea Kiesecker modelliert die Skulpturen ihrer grazilen Tänzer*innen vorzugsweise aus Gips und ‘bekleidet’ sie zum Teil mit einer kreativen Acryllackierung.

Info:

8. – 20. November 2022

gesprächsStoff bewegt
Angelika Bimmler, Waltraud Peters, Andrea Kiesecker
Art Quilts und mehr, Skulpturen aus Ton und Gips

ART-Galerie Ettlingen
Kronenstrasse 5
76275 Ettlingen
Deutschland

www.art-ettlingen.de

Öffnungszeiten:
Di, Do, Fr: 14 – 18 Uhr
Mi, Sa, So: 12 – 18 Uhr

Vernissage:
Do, 10. November 2022, 17.30 Uhr

Lesung und Musik:
Fr, 18. November 2022, 18 Uhr
von und mit Dr. Hans Poignée

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Eine Frau ist eine Frau ist eine Frau …
Eine Geschichte der Künstlerinnen

Noch bis zum 15. Januar 2023 bietet sich im Aargauer Kunsthaus die Gelegenheit, in der von der Kulturwissenschaftlerin Elisabeth Bronfen kuratierten Ausstellung ‘Eine Frau ist eine Frau ist eine Frau …’ zu den Künstlerinnen in der Schweiz einen neuen, besonderen Blick auf Werke aus der Sammlung, aber auch auf ungewöhnliche Leihgaben von Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts zu werfen. Der Fokus liegt dabei auf den 1970er bis 1990er Jahren, wobei Verbindungslinien zwischen den Generationen das Nachwirken von Vorbildern der klassischen Moderne sichtbar machen.

Elisabeth Bronfen hat dazu fünf thematische Erzählungen konzipiert, beginnend mit der Frage, wie Künstlerinnen den weiblichen Körper darstellen und einsetzen, die Frage nach der Aktmalerei und der Aktfotografie …

Hannah Villiger: Arbeit (12-teilig), 1980/81 (li)
Aargauer Kunsthaus, Aarau
Binia Bill: Frau unter Schwarzer Spitze, Nelke auf dem Oberkörper., Aufnahmejahr um 1934
max, binia + jakob bill stiftung
© 2022, ProLitteris, Zürich
Installationsansicht ‘Eine Frau ist eine Frau ist eine Frau… Eine Geschichte der Künstlerinnen’, 27.8.2022 – 15.1.2023, Aargauer Kunsthaus, Aarau
Foto: Zoe Tempest, Zürich, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

… oder auch den Ansatz einer Aktzeichnung von Silvia Bächli:

Silvia Bächli (*1956): Ohne Titel (Blatt aus Filiale-Mappe 81/82), 1982
Aquarell auf Papier, 20 x 11.4 cm
Aargauer Kunsthaus, Aarau / Schenkung Betty und Hartmut Raguse-Stauffer
Ausstellung ‘Eine Frau ist eine Frau ist eine Frau … Eine Geschicht der Künstlerinnen’, Aargauer Kunsthaus, Aarau 2022/23
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Es folgen Szenen der Transformation: Der Körper fängt an, zu etwas anderem zu werden, sich umzuwandeln …

Miriam Cahn: Morgengrauen, Detail, 1981
Aargauer Kunsthaus, Aarau / Schenkung Betty und Hartmut Raguse-Stauffer
Installationsansicht ‘Eine Frau ist eine Frau ist eine Frau… Eine Geschichte der Künstlerinnen’, 27.8.2022 – 15.1.2023, Aargauer Kunsthaus, Aarau
Foto: Zoe Tempest, Zürich, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

… oder der Körper nimmt einen anderen Zustand an, wie bei Leiko Ikemura:

Leiko Ikemura: Ohne Titel, 1980
Dispersion auf Papier, 149 x 213 cm
Aargauer Kunsthaus, Aarau
© 2022, ProLitteris, Zürich
Ausstellung ‘Eine Frau ist eine Frau ist eine Frau … Eine Geschicht der Künstlerinnen’, Aargauer Kunsthaus, Aarau 2022/23
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Um die Versehrtheit des Körpers oder die Sterblichkeit geht es im letzten Raum dieses Kapitels, dargestellt in den Werken von Ella Lanz oder Garance Grenacher.

Ella Lanz:
Ohne Titel, 1985
Ohne Titel, 1986
Ohne Titel, 1980
Aargauer Kunsthaus, Aarau / Depositum der Sammlung Andreas Züst
Installationsansicht ‘Eine Frau ist eine Frau ist eine Frau… Eine Geschichte der Künstlerinnen’, 27.8.2022 – 15.1.2023, Aargauer Kunsthaus, Aarau
Foto: Zoe Tempest, Zürich, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Auf die Gebrechlichkeit des Körpers verweist das auf eine Tür gemalte Werk von Garance Grenacher:

Garance Grenacher (*1943): Margrith, vor 1971
Öl auf Holz, 137 x 70 cm
Aargauer Kunsthaus, Aarau
Ausstellung ‘Eine Frau ist eine Frau ist eine Frau … Eine Geschicht der Künstlerinnen’, Aargauer Kunsthaus, Aarau 2022/23
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Das 2. Kapitel ist mit ‘Frauenzimmer’ überschrieben und widmet sich der Auseinandersetzung mit der Idee des Interieurs: Wie ist der Raum um den weiblichen Körper, wie ist das Zimmer gestaltet? Hier sind beispielsweise Bilder von Sofas oder Betten versammelt, die als Orte dargestellt sind, wo man auf andere Gedanken kommt.

Ilse Weber (1903–1944): Das Traumsofa, 1966
Öl und Eitempera auf Leinwand, 68 x 84 cm
Aargauer Kunsthaus, Aarau
Ausstellung ‘Eine Frau ist eine Frau ist eine Frau … Eine Geschicht der Künstlerinnen’, Aargauer Kunsthaus, Aarau 2022/23
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Um das Verhältlnis Aussen – Innen geht es bei der Skulptur von Heidi Bucher. Das Besondere: Die Wände des Hauses haben gleichzeitig die Qualität der Haut. Es gilt, darüber nachzudenken, was das Bewohnen des Körpers bedeutet im Unterschied zum körperlichen Bewohnen des Raums.

Heidi Bucher: Borg, 1978 (li)
Courtesy the Estate of Heidi Bucher and Lehmann Maupin
Leiko Ikemura: Interior V, 1989
© 2022, ProLitteris, Zürich
Installationsansicht ‘Eine Frau ist eine Frau ist eine Frau… Eine Geschichte der Künstlerinnen’, 27.8.2022 – 15.1.2023, Aargauer Kunsthaus, Aarau
Foto: Zoe Tempest, Zürich, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Bilder von einer geschlossenen Tür oder von der Auflösung des Raums beenden dieses Kapitel.

Manon: Ohne Titel (aus der Serie Hotel Dolores), 2009/2010
Aargauer Kunsthaus, Aarau
© 2022, ProLitteris, Zürich
Installationsansicht ‘Eine Frau ist eine Frau ist eine Frau… Eine Geschichte der Künstlerinnen’, 27.8.2022 – 15.1.2023, Aargauer Kunsthaus, Aarau
Foto: Zoe Tempest, Zürich, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Das 3. Kapitel thematisiert das Portrait. Neben klassischen Werken sieht man hier bei Klaudia Schifferle, wie das Gesicht immer mehr verzerrt wird:

Klaudia Schifferle (*1955): Fräulein Wunderbar, 1983
Acryl auf Leinwand, 204 x 175 cm
Aargauer Kunsthaus, Aarau
© 2022, ProLitteris, Zürich
Ausstellung ‘Eine Frau ist eine Frau ist eine Frau … Eine Geschicht der Künstlerinnen’, Aargauer Kunsthaus, Aarau 2022/23
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Dazwischen zeigt die Kasperlifigur von Olivia Etter einen spielerischer Umgang mit dem eigenen Gesicht, mit der eigenen Erscheinung.

Olivia Etter: Olivia Kasperlifigur, 1993
Aargauer Kunsthaus, Aarau / Depositum der Sammlung Andreas Züst
Installationsansicht ‘Eine Frau ist eine Frau ist eine Frau… Eine Geschichte der Künstlerinnen’, 27.8.2022 – 15.1.2023, Aargauer Kunsthaus, Aarau
Foto: Zoe Tempest, Zürich, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Um Pop als Haltung kreisen die Werke von Donatella Maranta …

Donatella Maranta (*1959): Ordentliches Portrait einer unordentlichen Familie, 1998-2000
Gouache auf Sperrholz, 60.5 x 119 cm
Courtesy the artist
Ausstellung ‘Eine Frau ist eine Frau ist eine Frau … Eine Geschicht der Künstlerinnen’, Aargauer Kunsthaus, Aarau 2022/23
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

… oder Doris Stauffer, die beide, der Popularkultur entsprechend, Alltgasobjekte zur Kunst erheben.

Doris Stauffer (1934–2017): Schneewittchen und die acht Geisslein, 1966
Diverse Materialien, ca. 110 x 70 cm
Aargauer Kunsthaus, Aarau / Schenkung Doris Stauffer
Ausstellung ‘Eine Frau ist eine Frau ist eine Frau … Eine Geschicht der Künstlerinnen’, Aargauer Kunsthaus, Aarau 2022/23
Foto: Brigitt Lattmann, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Manon inszeniert sich selbst, macht sich selbst zu einem ästhetischen Gegenstand.

Manon: Ohne Titel (aus der Serie Forever Young), 1999
Aargauer Kunsthaus, Aarau / Depositum der Sammlung Andreas Züst
© 2022, ProLitteris, Zürich
Installationsansicht ‘Eine Frau ist eine Frau ist eine Frau… Eine Geschichte der Künstlerinnen’, 27.8.2022 – 15.1.2023, Aargauer Kunsthaus, Aarau
Foto: Zoe Tempest, Zürich, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Verrücktes Sehen steht im Mittelpunkt des letzten Kapitels.

Suzanne Baumann:
Blaubart, 1991
Aargauer Kunsthaus, Aarau / Schenkung Suzanne Baumann
And what now?, 1991
Love me or leave me, O.J.
Aargauer Kunsthaus, Aarau
Olivia Etter: Gottesanbeterin, 1995
Aargauer Kunsthaus, Aarau / Depositum der Sammlung Andreas Züst
Installationsansicht ‘Eine Frau ist eine Frau ist eine Frau… Eine Geschichte der Künstlerinnen’, 27.8.2022 – 15.1.2023, Aargauer Kunsthaus, Aarau
Foto: Zoe Tempest, Zürich, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Visuelle Spielereien, spielerische Ideen, witzig, humoristisch, eigenwillig aufgefasste Sujets wie z.B. verschiedene Arbeiten von Sophie Taeuber Arp oder auch von Louise Borgeois beenden die Auseinandersetzung mit dem anderen Sehen in dieser Ausstellung.

Sophie Taeuber-Arp:
Passion de lignes (Lignes de printemps, lignes ondoyantes, plans remplis), 1941
© Privatbesitz, Depositum Aargauer Kunsthaus, Aarau
Géométrique et ondoyant, plan et lignes, 1941
Aargauer Kunsthaus, Aarau / Depositum aus Privatbesitz
Tâches quadrangulaires évoquant groupe de personnages, 1920
Aargauer Kunsthaus, Aarau / Depositum aus Privatbesitz
Installationsansicht ‘Eine Frau ist eine Frau ist eine Frau… Eine Geschichte der Künstlerinnen’, 27.8.2022 – 15.1.2023, Aargauer Kunsthaus, Aarau
Foto: Zoe Tempest, Zürich, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

 

Einen schönen Einblick in diese sehenswerte Ausstellung vermittelt das Video eines Ausstellungsrundgangs mit der Gastkuratorin Elisabeth Bronfen, hier zu finden

Info:

27. August 2022 – 15. Januar 2023

Eine Frau ist eine Frau ist eine Frau …
Eine Geschichte der Künstlerinnen

Aargauer Kunsthaus
Aargauerplatz
5001 Aarau
Schweiz

www.aargauerkunsthaus.ch

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Meister der Moderne – Zeitgenössisches Kunsthandwerk

Ausstellung ‘Meister der Moderne – Zeitgenössisches Kunsthandwerk’ – Key Visual
© Rob Bohle, Deirdre McLoughlin, IE/NL
Galerie Handwerk, München 2022
Foto freundlicherweise von der Galerie Handwerk zur Verfügung gestellt

Die Ausstellung ‘Meister der Moderne’ stellt Gestalterinnen und Gestalter vor, die ihren Weg erfolgreich gehen, nach ihrer eigenen Formensprache suchen und ihren eigenen unverwechselbaren Stil gefunden haben.

Arbeit von Anka Kröhnke (DE)
Ausstellung ‘Meister der Moderne – Zeitgenössisches Kunsthandwerk’, Galerie Handwerk, München 2022
Foto freundlicherweise von der Galerie Handwerk zur Verfügung gestellt

Unter dem Titel ‘Meister der Moderne’ wurden von 1999 – 2019 Sonderschauen auf der Internationalen Handwerksmesse München gezeigt und waren war dort Highlights – eine Fundgrube für Sammlerinnen und Sammler, Museumskuratorinnen und -kuratoren sowie für die Vergabe des Bayerischen Staatspreises für Gestaltung. Nachdem die Ausstellungen auf der Handwerksmesse nicht mehr gezeigt werden können, hat die Galerie Handwerk in München dies übernommen.

Helmut Menzel (DE): Tapevase Landschaft, 2022
Ausstellung ‘Meister der Moderne – Zeitgenössisches Kunsthandwerk’, Galerie Handwerk, München 2022
Foto freundlicherweise von der Galerie Handwerk zur Verfügung gestellt

Die diesjährige Auswahl umfasst die Arbeiten von 38 internationalen Gestalterinnen und Gestaltern – eine interessante und vielfältige Ausstellung preisgekrönter und wegweisender Werke. Aus dem textilen Bereich …

Arbeit von Kazuhito Takadoi (JP)
© jaggedart
Ausstellung ‘Meister der Moderne – Zeitgenössisches Kunsthandwerk’, Galerie Handwerk, München 2022
Foto freundlicherweise von der Galerie Handwerk zur Verfügung gestellt

… gibt es Arbeiten von Anka Kröhnke (DE), Kazuhito Takadoi (JP), Susanne Thiemann (DE) und Grethe Wittrock (DK) zu bewundern.

Susanne Thiemann (DE): White
Ausstellung ‘Meister der Moderne – Zeitgenössisches Kunsthandwerk’, Galerie Handwerk, München 2022
Foto: Achim Schäfer, freundlicherweise von der Galerie Handwerk zur Verfügung gestellt

Als ‘Meister der Moderne’ werden in der Regel erfolgreiche und bekannte bildende Künstler Anfang des 20. Jahrhunderts bezeichnet, die stilprägend für eine Epoche waren und den Beginn der Moderne, sei es z. B. in der Malerei oder der Bildhauerkunst ausgelöst haben.

Arbeit von Grethe Wittrock (DK)
Ausstellung ‘Meister der Moderne – Zeitgenössisches Kunsthandwerk’, Galerie Handwerk, München 2022
Foto freundlicherweise von der Galerie Handwerk zur Verfügung gestellt

‘Meister der Moderne’ im Kunsthandwerk und in der angewandten Kunst sind aber auch all jene, die ein Leben lang intensiv in ihrem Genre gearbeitet, es dabei zu vollendeten Leistungen gebracht haben und über einen langen, ja oft Jahrzehnte währenden Zeitraum schöpferisch und kreativ tätig waren und sind.

Nagae Shigekazu (JP): Moving Forms, 2017
Ausstellung ‘Meister der Moderne – Zeitgenössisches Kunsthandwerk’, Galerie Handwerk, München 2022
Foto freundlicherweise von der Galerie Handwerk zur Verfügung gestellt

Die ‘Meister der Moderne’ im Kunsthandwerk können stellenweise schon das 80. Lebensjahr erreicht haben, sie können aber auch weitaus jünger sein und faszinierend Neues auf dem Gebiet der angewandten Kunst schaffen – so gesehen ein lebendiger Kosmos, der immer wieder dazu antreibt, nach den besten Arbeiten in der Welt des Kunsthandwerks zu suchen.

Weitere Fotos auf der Website der Galerie Handwerk

Info:

21. Oktober – 19. November 2022

Meister der Moderne – Zeitgenössisches Kunsthandwerk

Galerie Handwerk
Max-Joseph-Strasse 4
80333 München
Deutschland

www.hwk-muenchen.de

Einladung

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Belkis Ayón. Ya Estamos Aquí

Mit ‘Ya Estamos Aquí’ (Spanisch für: Wir sind schon hier) präsentiert das Ludwig Forum Aachen die erste Überblicksausstellung von Belkis Ayón (Havanna, Kuba, 1967-1999) im deutschsprachigen Raum, die noch bis zum 26. Februar 2023 zu sehen ist. Anhand einer Auswahl von rund 70 Arbeiten, die im Zeitraum von Mitte der 1980er bis Ende der 1990er Jahre entstanden sind, werden wesentliche Schaffensperioden der Künstlerin vorgestellt.

Belkis Ayón: La sentencia, 1994
Courtesy Belkis Ayón Estate
Ausstellung ‘Belkis Ayón. Ya Estamos Aquí’, Ludwig Forum Aachen 2022/23
Foto freundlicherweise vom Ludwig Forum Aachen zur Verfügung gestellt

Die Figuren, Symbole und Rituale ihrer Collagrafien sind allesamt dem ausschliesslich Männern vorbehaltenen, afro-kubanischen Geheimbund Abakuá entlehnt, mit dem sich Ayón Zeit ihres Lebens intensiv beschäftigte. Vorstellungen von Synkretismus, also von der Verschmelzung verschiedener Glaubenssysteme, sowie von hierarchischen Machtstrukturen führt sie in ihren persönlichen Bearbeitungen der Abakuá Mythologien zusammen. Für diese aktualisierten Darstellungen des Mythos nutzte sie das Verfahren der Collagrafie – einer Drucktechnik, bei der collagierte und strukturierte Materialien in mühevoller Kleinarbeit auf eine Kartonmatrize geschichtet werden.

Ausgehend von neunzehn Drucken und drei Matrizen aus den frühen 1990er Jahren, die Teil der Sammlung Peter und Irene Ludwig am Ludwig Forum Aachen sind, wird die Ausstellung durch Leihgaben aus dem Nachlass von Belkis Ayón sowie eine Auswahl von Ephemera und Archivmaterialien erweitert. In dieser umfangreichen Präsentation ihrer Arbeiten werden nicht zuletzt auch Verbindungen der Künstlerin zur Sammlung von Peter und Irene Ludwig und dem Raum Aachen deutlich, wo sie 1995 erstmals ausstellte. Belkis Ayón befragte, wie sie selbst sagte, immerzu ‘das Menschliche, das flüchtige Gefühl, das Spirituelle’ – Themen, die nun in der Ausstellung ‘Ya Estamos Aquí’ einem breiten Publikum eröffnet werden.

Kuratiert von Eva Birkenstock und Annette Lagler
Assistenzkuratorin: Ana Sophie Salazar

Aus Anlass der Ausstellung wurde eine korrespondierende Sammlungspräsentation von Ana Sophie Salazar konzipiert. Unter dem Titel ‘Palmipeda’ wird eine Auswahl lateinamerikanischer Grafik, Installation und Malerei der 80er und 90er Jahre aus der Sammlung von Peter und Irene Ludwig vorgestellt.

Info:

22. Oktober 2022 – 26. Februar 2023

Belkis Ayón. Ya Estamos Aquí

Ludwig Forum Aachen
Jülicher Strasse 97-109
52070 Aachen
Deutschland

www.ludwigforum.de

Begleitheft

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Du und Ich – Friedensstickereien 2022

Unter dem Titel ‘Du und Ich – Friedensstickereien 2022’ zeigt der Kulturort Garnlager in Lyssach noch bis zum 13. November 2022 die aktuell eingereichten hinreissenden Stickarbeiten.

Ausstellung ‘Du und Ich – Friedensstickereien 2022’ – Plakat
Kulturort Garnlager, Lyssach 2022
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Alles ist Du, was nicht Ich ist. Das Du macht mich aus, beeinflusst mich, bestimmt mich. Das Du grenzt mich ein, erweitert aber vielleicht auch meinen Horizont, hilft mir, mich besser kennen zu lernen. Du und ich sind aber auch Wir. Das Gefühl, jemandem nahe zu sein, zu verstehen, setzt Einfühlungsvermögen, Unvoreingenommenheit, Toleranz, Liebe und Verständnis voraus.

‘Du und Ich – Friedensstickereien 2022’ – Ausstellungsansicht
Kulturort Garnlager, Lyssach 2022
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Zum diesjährigen Thema des Friedensstickens ‘Du und Ich’ haben die Teilnehmer*innen ihre ganz persönliche Assoziation zu diesem Wortpaar in Form von Stickereien festgehalten.

‘Du und Ich – Friedensstickereien 2022’ – Ausstellungsansicht
Kulturort Garnlager, Lyssach 2022
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Initiatorin Ingrid Eggimann-Jonsson hat dieses Thema ausgewählt, weil es zum einen grosse Freiheiten in der Motivwahl bietet und zum anderen weil es ein wunderschönes Thema zum Philosophieren und Reflektieren während des Stickens ist.

‘Du und Ich – Friedensstickereien 2022’ – Ausstellungsansicht
Kulturort Garnlager, Lyssach 2022
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Das Friedenssticken findet in der Schweiz schon zum 8. Mal statt und geht auf die Initiative einer schwedischen Stickgruppe zurück.

‘Du und Ich – Friedensstickereien 2022’ – Ausstellungsansicht
Kulturort Garnlager, Lyssach 2022
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Die langsame Tätigkeit der Herstellung einer Handstickerei steht im starken Kontrast zur heutigen ‘schnellen’ Gesellschaft und insbesondere auch zur Produktion der sogenannten ‘Fast Fashion’, welche eine beispiellose Ressourcenverschwendung und Ausbeutung von Menschen mit sich bringt.

‘Du und Ich – Friedensstickereien 2022’ – Ausstellungsansicht
Kulturort Garnlager, Lyssach 2022
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Die Stickerinnen und Sticker setzen mit ihren Arbeiten ein Zeichen für mehr Achtsamkeit und Entschleunigung und sie solidarisieren sich mit anderen Stickerinnen und Stickern auf der ganzen Welt.

Weitere Fotos sind auf der Website des Veranstalters zu finden.

Info:

23. Oktober – 13. November 2022

Du und Ich – Friedensstickereien 2022

Kulturort Garnlager
Gewerbestrasse 9
3421 Lyssach
Schweiz

www.kulturortgarnlager.org

Öffnungszeiten:
Mo – So: 13.30 – 17 Uhr
Während der Öffnungszeiten der Ausstellung ist auch der Lagerladen von Zürcher Stalder AG geöffnet.

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BATTLE:RELOADED. Margret Eicher: Medientapisserien
Stoffe, Texturen, Oberflächen. Fotografien von Hans Finsler, Heinrich Koch und Gerda Leo

Das Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) präsentiert noch bis zum 8. Januar 2023 die beiden Ausstellungen ‘BATTLE:RELOADED. Margret Eicher: Medientapisserien’ sowie parallel dazu als Kabinettausstellung ‘Stoffe, Texturen, Oberflächen. Fotografien von Hans Finsler, Heinrich Koch und Gerda Leo’.

BATTLE:RELOADED. Margret Eicher: Medientapisserien

Margret Eicher schuf in den vergangenen 20 Jahren ein eindrucksvolles Œuvre grossformatiger textiler Arbeiten, die in Jacquard-Weberei auf hochmodernen Webstühlen in Belgien ausgeführt werden. Ihre Bildteppiche sind Kunstwerke, die sich mit den Bildwelten auseinandersetzen, die uns in Werbung und Nachrichten tagtäglich begegnen. Die profanen Motive verfremdet die Künstlerin digital und bringt sie oft in einen Kontext zu bekannten Werken der Kunstgeschichte.

Ausstellungsansicht
‘BATTLE:RELOADED. Margret Eicher: Medientapisserien’, Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) 2022/23
© VG Bild-Kunst, Bonn 2022
Foto: Ulf Dräger, Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Es geht Margret Eicher mit ihrem medienkritischen Ansatz darum, die täglich auf uns einflutende Bild- und Motivwelten in Frage zu stellen und deren vermeintlichen Einfluss und Wirkung zu entlarven, womit ihre Arbeiten vor dem Hintergrund der aktuellen Instrumentalisierung der Bilder für machtpolitische imperialistische Kriegszwecke eine ungewollte Aktualität erhalten. Den Betrachtern begegnet ein ganzes Arsenal an bekannten Gesichtern und Figuren, darunter Julian Assange (* 1971), die Ninja Turtles, Lady Gaga (* 1986), Madonna (* 1958), martialische Lego-Männchen, Beyoncé (* 1981), Lara Croft und viele mehr.

Margret Eicher: Das Urteil des Paris 3, 2012
Digitale Montage, Jaquard, 300 x 510 cm
Courtesy Galerie Michael Janssen
Ausstellung ‘BATTLE:RELOADED. Margret Eicher: Medientapisserien’, Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) 2022/23
Foto: Nikolaus Steglich, Starnberg © VG Bild-Kunst, Bonn 2022, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Zentrales Hauptwerk ist der anlässlich der Schau im Landeskunstmuseum Sachsen-Anhalt geschaffene, erstmals gezeigte Bildteppich ‘Battle: Reloaded’, der mit einer Höhe von 1,2 Metern auf einer Länge von 30 Metern eine Art Essenz des bisherigen Schaffens der Künstlerin darstellt. Die digital erzeugten Motive stammen aus heterogenen Quellen. Inspiriert wurde Margret Eicher hierzu durch den berühmten ‘Teppich von Bayeux’ (11. Jh.).

Ausstellungsansicht
‘BATTLE:RELOADED. Margret Eicher: Medientapisserien’, Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) 2022/23
© VG Bild-Kunst, Bonn 2022
Foto: Ulf Dräger, Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Ausgehend von den Schilderungen auf der mittelalterlichen Stickerei entstand der Entwurf für ‘Battle:Reloaded’ als waagerecht strukturierte zehnteilige Bildfolge. Ähnlich wie im ‘Teppich von Bayeux’ ist die detaillierte Visualisierung von Kultur und Zeitgeist der Gegenwart auf der Basis kämpferischer und widersprüchlicher Protagonisten der rote Faden des ungewöhnlichen Bildteppichs. In der unteren Bordüre nimmt die Tapisserie direkt Bezug auf die historische Vorlage, entzieht sich aber dem Vergleich durch das Fehlen einer echten Narration. So wird der historische Abstand thematisiert zwischen den Erzählstrategien des Mittelalters und den fragmentierten Narrativen unserer Gegenwart.

Margret Eicher: BATTLE:RELOADED (Ausschnitt), 2022
Digitale Montage, Jaquard, Gesamtgrösse: 120 x 3000 cm
Courtesy Galerie Michael Janssen
Ausstellung ‘BATTLE:RELOADED. Margret Eicher: Medientapisserien’, Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) 2022/23
Foto: Punctum/Bertram Kober © VG Bild-Kunst, Bonn 2022, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die Ausstellung im Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) vereint 21 Medientapisserien Margret Eichers aus den Jahren zwischen 2008 und 2022. Neben ‘Battle:Reloaded’ werden Arbeiten gezeigt, die in Bezug zu diesem monumentalen Hauptwerk stehen und einen Überblick über das Schaffen der Künstlerin geben. Im Kontext der Textilkunst des Landes Sachsen-Anhalts, beginnend bei den mittelalterlichen Bildteppichen im Domschatz Halberstadt bis hin zur mehr als hundertjährigen Entwicklung an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, führt die Ausstellung diese Tradition fort.

Margret Eicher – Portrait
Ausstellung ‘BATTLE:RELOADED. Margret Eicher: Medientapisserien’, Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) 2022/23
Foto: Estefania Landesmann, Berlin, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestell

Margret Eicher absolvierte ein Studium bei Prof. Fritz Schwegler und Prof. Rolf Sackenheim an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf. Sie lebt und arbeitet in Berlin. Werke der Künstlerin wurden in zahlreichen internationalen Ausstellungen gezeigt und befinden sich in verschiedenen öffentlichen und privaten Sammlungen des In- und Auslands.

Kurator: Ulf Dräger

Den Bericht ergänzend finden sich auf den Websites des Museums und der Künstlerin weitere Fotos. Besonders zu empfehlen sind zwei Videos zur Ausstellung, die auf der Website der Künstlerin oder hier und hier zu finden sind.

Stoffe, Texturen, Oberflächen. Fotografien von Hans Finsler, Heinrich Koch und Gerda Leo

Plakat
auf Basis von
Hans Finsler: Tüll III, 1928
Silbergelatine
Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale)
© Nachlass Hans Finsler
Ausstellung ‘Stoffe, Texturen, Oberflächen’, Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) 2022/23
Foto: Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

In Korrespondenz zu den textilen Bildkunstwerken Margret Eichers in der grossen Halle im 2. Obergeschoss des Westflügels der Moritzburg werden im angrenzenden Turmkabinett Fotografien von Hans Finsler, Heinrich Koch und Gerda Leo unter dem Titel ‘Stoffe, Texturen, Oberflächen’ gezeigt.

Hans Finsler: Atlas, 1928
Silbergelatine
Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale)
© Nachlass Hans Finsler
Ausstellung ‘Stoffe, Texturen, Oberflächen’, Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) 2022/23
Foto: Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Ob glänzende Seide, transparenter Tüll, Glas oder ungebrannter Ton – mit neuen Blickwinkeln und innovativen Gestaltungselementen machten sich die Künstlerinnen und Künstler des Neuen Sehens vor einem knappen Jahrhundert daran, mit fotografischen Mitteln das Wesen der Dinge offenzulegen.

Heinrich Koch: Stoffe übereinander, 1929–1933
Silbergelatine
Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale)
Ausstellung ‘Stoffe, Texturen, Oberflächen’, Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) 2022/23
Foto: Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Nahsicht, Anschnitte, Ausschnitte, Variationen von Licht und Schatten, Schärfe und Unschärfe ersetzten tradier­te Bildmuster und arbeiteten die Materialreize der Objekte gekonnt heraus.

Gerda Leo: Ungebrannter Ton, 1928
Silbergelatine, 214 x 152 mm
Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale)
Ausstellung ‘Stoffe, Texturen, Oberflächen’, Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) 2022/23
Foto: Kulturstiftung Sachsen-Anhalt © Hans Ulrich Jessurun d’Oliveira, Amsterdam, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Im Zentrum der Präsentation stehen Fotografien verschiedener Stoffe, die fast zum Greifen nah erscheinen. Hinzu kommen Arbeiten, die den Prozess der Textilherstellung in den Blick nehmen, und schliesslich Produktdarstellungen, die denselben fotografischen Gestaltungskriterien unterliegen.

Hans Finsler (1891–1972)

vermutlich Gerda Leo: Hans Finsler (Ausschnitt), 1929
Vintage Print, Silbergelatine, 95 x 72 mm
Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale)
Ausstellung ‘Stoffe, Texturen, Oberflächen’, Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) 2022/23
Foto: Kulturstiftung Sachsen-Anhalt © Hans Ulrich Jessurun d’Oliveira, Amsterdam, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Der Nachlass von Hans Finsler legte 1987 den Grundstein für die Sammlung Fotografie des Museums. Von 1922 – 1932 arbeitete er an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle und gründete dort die erste Klasse für Sachfotografie. Aufnahmen von Stoffen bilden eine der grössten Gruppen seines Werks. Entstanden im Kontext der BURG und der Vereinigten Werkstätten A.G. München zeigt sich an ihnen die von ihm entwickelte ‘optische Grammatik’: Sorgfältig drapiert fällt das Gewebe in weichen Wellen, rollt sich ein oder scheint fast zu schweben – nichts ist dem Zufall überlassen. 1932 wechselte Hans Finsler in die Schweiz. Zum 100-jährigen Firmenjubiläum der Schweizer Textilfabrik Heberlein & Co. entstanden dort Mitte der 1930er Jahre Aufnahmen, die auch den Ablauf der Stoffproduktion visualisieren.

Heinrich Koch (1896–1934)

Walter Peterhans: Heinrich Koch (Ausschnitt), um 1930
Vintage Print, Silbergelatine, 108 x 79 mm
Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale)
Ausstellung ‘Stoffe, Texturen, Oberflächen’, Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) 2022/23
Foto: Kulturstiftung Sachsen-Anhalt © Nachlass Walter Peterhans, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Der Bauhäusler Heinrich Koch war Finslers Schüler und ab 1932 sein Nachfolger an der BURG. Er war mit Benita Koch-Otte (1892–1976) verheiratet, welche die Weberei der halleschen Kunstschule leitete. In nur kurzer Zeit entwickelte Koch ein stringentes Œuvre. Durchdachte Arrangements mit geometrischer Komposition von Linien und Formen arbeiten Struktur und Muster der Gewebe haptisch heraus. Als atmosphärisches Element tritt Stoff in Kombination mit anderen Objekten, etwa Keramik, auf. Bereits im Frühjahr 1933, ein Jahr nach Kochs Lehrbeginn, beendete der politische Machtwechsel sein Wirken an der BURG. 1934 verunglückte er tödlich. Die im Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) als Eigenbestand und Dauerleihgabe verwahrten Fotografien machen einen Grossteil seines vorhandenen Werkes aus.

Gerda Leo (1909–1993)

Theodor Hild: Gerda Leo, 1930
Vintage Print, Silbergelatine, 59 x 55 mm
Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale)
Ausstellung ‘Stoffe, Texturen, Oberflächen’, Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) 2022/23
Foto: Kulturstiftung Sachsen-Anhalt © Nachlass Theodor Hild, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Gerda Leo war Schülerin und Assistentin Hans Finslers. Ihre Fotografien von Gläsern, Ton, Küchenhölzern und Pflanzen verdeutlichen die bei Finsler erlernte Bildsprache, die sie eloquent in ihren eigenen Stil überführte. In Analogie zu den Stoffaufnahmen wird die Materialität der Objekte, ihre Oberfläche und Struktur gekonnt in Szene gesetzt und verdeutlicht so Finslers ‘optische Grammatik’ als übertragbare Bildsprache. 1929 nahmen Leo und Finsler an der wichtigen Ausstellung ‘Film und Foto’ des Deutschen Werkbundes in Stuttgart teil. 1932 lehnte sie Finslers Angebot, ihn in die Schweiz zu begleiten, ab und zog mit ihrem Mann nach Amsterdam. Ihr fotografischer Nachlass konnte Anfang der 1990er Jahre als Schenkung und Ankauf für das Museum erworben werden.

Kuratorin: Dr. Jule Schaffer

Info:

1. Oktober 2022 – 8. Januar 2023

BATTLE:RELOADED
Margret Eicher: Medientapisserien

Stoffe, Texturen, Oberflächen
Fotografien von Hans Finsler, Heinrich Koch und Gerda Leo
Kabinettausstellung

Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale)
Friedemann-Bach-Platz 5
06108 Halle (Saale)
Deutschland

www.kunstmuseum-moritzburg.de

Broschüre BATTLE:RELOADED

Flyer Stoffe, Texturen, Oberflächen

Ein umfangreiches Begleitprogramm ist auf der Website des Museums ersichtlich.

***

Margaret und Christine Wertheim. Das Baden-Baden Satellite Reef aus dem Museum Frieder Burda zu Gast bei der EnBW

Korallen häkeln und dadurch auf das weltweite Korallensterben durch den Klimawandel aufmerksam machen – das ist die Idee der Schwestern Margaret und Christine Wertheim. Weltweit laden sie Menschen zum Mitmachen ein und arrangieren die so entstandenen Korallen mit ihrem Team anschliessend zu eindrucksvollen Riffen. Nun sind die Kunstwerke am Konzernsitz der EnBW in Karlsruhe zu sehen.

Das Baden-Baden Satellite Reef im Museum Frieder Burda, Baden-Baden 2022, Detail
Foto freundlicherweise von Dr. Wolfgang Heinz zur Verfügung gestellt

Bei ihrer letzten Aktion, die die Künstlerinnen für das Museum Frieder Burda in Baden-Baden initiierten, sind das sechs Teile umfassende Baden-Baden Satellite Reef und der Baden-Baden Satellite Reef – Coral Frieze entstanden. Hier geht es zu meinem Bericht über die Ausstellung in Baden-Baden.

Info:

13. Oktober 2022 – 13. Januar 2023

Margaret und Christine Wertheim. Das Baden-Baden Satellite Reef aus dem Museum Frieder Burda zu Gast bei der EnBW

EnBW AG
Durlacher Allee 93
76131 Karlsruhe
Deutschland

www.enbw.com

Öffnungszeiten:
Mo – Fr (an Werktagen): 10 – 18 Uhr
Eintritt frei

***

… und dann gibt’s noch:

16. Textiltag

am Sonntag, 13. November 2022 im Museum Europäischer Kulturen in Berlin.

Textile Techniken ausprobieren, erlernen, gestalten

Ein Tag für die ganze Familie!
Am Textiltag präsentieren zahlreiche Künstler*innen ihre Werke und ihr Können. In Mini-Workshops stellen sie textile Techniken vor und laden zum Experimentieren und Selbermachen ein. Eine ‘Repair Station’ bietet Anleitungen für das Ausbessern und Upcycling von Kleidung.
Weitere Inspirationen gibt es bei einer Führung durch die Ausstellung ‘ALL HANDS ON: Flechten’. Mein Bericht dazu ist in den Ausstellungstipps Juli 2022 zu finden.

Info:

16. Textiltag

Museum Europäischer Kulturen
Arnimallee 24
14195 Berlin
Deutschland

www.smb.museum

So, 13. November 2022, 11 – 17 Uhr

***

Fashion Museum Bath

Das Fashion Museum Bath schliesst am 30. Oktober 2022 am alten Standort. Das Modemuseum zieht in neue Räumlichkeiten um, nämlich ins Old Post Office im Herzen von Bath. Allerdings muss dort erst noch umgebaut werden, so dass ein Zeitpunkt für die Neueröffnung noch nicht absehbar ist.

Info:

www.fashionmuseum.co.uk

***

Bitte informieren Sie sich vor einem Ausstellungsbesuch auf der jeweiligen Website besonders über die Besuchsvoraussetzungen und die genauen Öffnungszeiten – es kann sich immer etwas ändern.

Weitere Ausstellungen finden Sie auf meiner Website in der Rubrik AUSSTELLUNGSKALENDER.

Den verschiedenen Beteiligten herzlichen Dank für das Zur-Verfügung-Stellen von Informationen und Bildmaterial!

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