Kreative Artikel zum Thema Quilten

Ausstellungstipps September 2021

Lotte-Hofmann-Gedächtnispreis für Textilkunst 2021

Man darf ihr mit Spannung entgegensehen: Am Freitag, den 17. September 2021 eröffnet (wenn dies die Corona-Verordnungen möglich machen) in der Handwerksform Hannover die Ausstellung anlässlich der Verleihung des Lotte-Hofmann-Gedächtnispreises für Textilkunst 2021.

Flyer

Seit 1984 gibt es in Deutschland einen Preis für Textilkunst: den Lotte-Hofmann-Gedächtnispreis. Dieser in Deutschland einmalige Preis wurde von den aus Karlsruhe stammenden Schwestern Lotte und Käte Hofmann gestiftet. Lotte Hofmann (1907-1981) widmete ihr Leben der Textilkunst. Die Stickermeisterin betrieb ab 1946 unter dem Namen ‘LoHo’ eine Werkstatt in Oberrot-Hausen, in der auf den relativ einfachen Nähmaschinen der Nachkriegszeit frei bestickte und auch mit Applikationen (von der Künstlerin ‘Fleckle’ genannt) versehene phantastische Bühnenvorhänge, Wandteppiche, Paramente u.a. nach den Ideen und Entwürfen der Künstlerin entstanden, die mehrfach mit Preisen ausgezeichnet wurden.

Anlässlich des 90. Geburtstages von Lotte Hofmann widmete das Badische Landesmuseum in Karlsruhe ihr über den Jahreswechsel 1997 / 1998 eine hinreissende Einzelausstellung, die ich damals sah und mich begeisterte. Eine Bildergalerie und weitere Informationen dazu sind auf der Website der Stiftung zu finden und sehr zu empfehlen.

‘Lotte Hofmann – Textile Bilder’
Cover des Ausstellungskatalogs der Gedächtnisausstellung im Badischen Landesmuseum Karlsruhe (1997/98)

Lotte Hofmann zählte im Nachkriegsdeutschland zu den bedeutenden und international bekannten deutschen Künstlerinnen. Sie engagierte sich auch verbandspolitisch für das Kunsthandwerk, hob in New York den World Crafts Council mit aus der Taufe und war Mitbegründerin des Bundes der Kunsthandwerker Baden-Württemberg e.V. (1947). Ihr lag besonders am Herzen, die Textilkunst als Einheit von künstlerischem Entwurf und handwerklichen Können zu bewahren und zu pflegen.

Exponat von Karin Eberhardt
Foto freundlichweise von Frau Dr. Wilp, Handwerksform Hannover, zur Verfügung gestellt

‘Für die deutsche Textilkunst wird von der Öffentlichkeit aus nichts getan!’ Lotte Hofmann begnügte sich nicht mit dieser Feststellung und der von ihr damit verbundenen Sorge, vielmehr beschloss sie, zur Tat zu schreiten: ‘Ich werde einen Preis stiften, der nur deutschen Textilkünstler*innen vorbehalten ist.’ Diese Auszeichnung soll der deutschen Textilkunst zu mehr öffentlichem Ansehen verhelfen und den Künstler*innen als Ansporn dienen, diesen hohen Idealen, die LoHos Lebensinhalt waren, auch gerecht werden zu können. LoHo, wie Lotte Hofmann nach dem Namen ihrer 1946 gegründeten Werkstätte genannt wurde, brachte zusammen mit ihrer jüngeren Schwester Käte ihr Vermögen in eine Stiftung ein.

Die Stiftung hat ihren Sitz beim Bundesverband Kunsthandwerk in Frankfurt am Main und wird von einem aus fünf Mitgliedern bestehenden Stiftungsrat geführt. 2021 wird der Preis zum neunten Mal verliehen.

Exponat von Anja Demuth
Foto freundlichweise von Frau Dr. Wilp, Handwerksform Hannover, zur Verfügung gestellt

Die bisherigen Preisträgerinnen waren: Ingeborg Schäffler-Wolf (1984), Sofie Dawo und Martha Kreutzer-Temming (1988), Anka Kröhnke (1993), Prof. Dagmar Lißke (1997), Prof. Dorothea Reese-Heim (2002), Gabriele Grosse (2006), Dörte Behn (2010) und Ulrike Isensee (2014).

Die Teilnahme am Wettbewerb zum Lotte-Hofmann-Gedächtnispreis für Textilkunst 2021 stand Künstler*innen aus allen Bereichen des textilen Schaffens offen, mit einer Ausnahme: Bewerber*innen, die ausschliesslich Bekleidung und persönliche Accessoires entwerfen und fertigen, waren nicht zugelassen. Die Wettbewerbsteilnehmer*innen müssen in Deutschland leben und arbeiten und professionell in ihrem eigenen Atelier tätig sein. 153 Bewerbungen wurden zum Wettbewerb eingereicht.

Exponat von Nina Geccelli-Scherer
Foto freundlichweise von Frau Dr. Wilp, Handwerksform Hannover, zur Verfügung gestellt

Der Preis ist mit 3.000 EUR dotiert, zur Verfügung gestellt von der Handwerkskammer Hannover. Die Jury, der Prof. Bettina Göttke-Krogmann, Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, die letzte Preisträgerin Ulrike Isensee, die beiden Mitglieder des Beirates der Lotte Hofmann Gedächtnisstiftung für Textilkunst, die freiberufliche Kunsthistorikerin, Spezialgebiet textile Kunstgeschichte, Babette Küster und der Kurator Peter Schmitt sowie Dr. Sabine Wilp, Leiterin der Handwerksform Hannover und Präsidentin des Bundesverbandes Kunsthandwerk, angehörten, hat nicht nur eine Preisträgerin gekürt, deren Namen bei der Ausstellungseröffnung bekannt gegeben wird. Man entschied auch, erstmalig zwei junge Künstlerinnen mit einer lobenden Erwähnung zu bedenken. Für diese Künstlerinnen stellt die Handwerksform Hannover Preisgelder in Höhe von je 500 EUR zur Verfügung. In der Ausstellung in der Handwerksform Hannover werden neben den Arbeiten der Preisträgerinnen weitere ausgewählte Arbeiten zu sehen sein.

Teilnehmer*innen an der aktuellen Ausstellung:
Anja Demuth, Karin Eberhardt, Nina Geccelli-Scherer, Nadine Göpfert, Geli Haberbosch, Ute Ketelhake, Bodo Korsig, Johanna Rogalla, Heidrun Schimmel, Lucia Schwalenberg, Katja Stelz, Monika Supé, Patricia Waller

Auch interessant:

Mein Bericht über die Ausstellung ‘Textil.Bild.Kunst. Das textile Wandbild nach 1945’ im Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund (November 2014 – März 2015), mit einem Foto von einer Arbeit von Lotte Hofmann ist hier zu finden

Über die Ausstellung ‘Seh-Dinge’ von Dorothea Reese-Heim 2012 im tim | Staatliches Textil- und Industriemuseum Augsburg habe ich zwei Artikel veröffentlicht. Hier sind die Links: Seh-Dinge und Seh-Dinge 2

Den Beitrag über die Ausstellung ‘Textur und Farbe – Ursula Jaeger und Anka Kröhnke’ in der Worpsweder Kunsthalle findet man in den Ausstellungstipps Dezember 2017

Einen Schal, aus Edelstahl gewebt, stellte Ulrike Isensee auf der EUNIQUE 2016, Messe für Angewandte Kunst & Design in Karlsruhe vor. Zu finden in meinen Ausstellungstipps Juni 2016

‘LINIENKÖRPER – Objekte und Zeichnungen von Monika Supé’ – diese Schau mit Monika Supés Objekten an der Grenze von Körper zu Raum fand 2017 in Leinfelden-Echterdingen statt und ist in den Ausstellungstipps April 2017 nachzuvollziehen

Info:

18. September – 16. Oktober 2021

Lotte-Hofmann-Gedächtnispreis für Textilkunst 2021

Handwerksform Hannover
Berliner Allee 17
30175 Hannover
Deutschland

www.hwk-hannover.de
www.lotte-hofmann-stiftung.de

Flyer

Preisverleihung & Ausstellungseröffnung:
Fr, 17. September 2021, 20 – 22 Uhr

Findet nur statt, wenn nach aktuellen Corona-Verordnungen möglich. Bitte informieren Sie sich vorher, z.B. auf der Website!

Öffnungszeiten:
Di – Fr: 11 – 18 Uhr
Sa: 11 – 14 Uhr

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L’Arc de Triomphe, Wrapped

Als Christos letztes Grossprojekt wird der ‘Arc de Triomphe’ in Paris verhüllt. Und zwar in einen blau-silbern schimmernden Verhüllungsstoff. Das sind ca. 25.000 m² extra nach den Wünschen des Künstlers dafür angefertigtes recycelbares Polypropylen-Gewebe, gehalten – und nach dem vom Künstler exakt festgelegten Faltenwurf drapiert – von ca. 3.000 m rotem Seil. Bleu, blanc, rouge. Die Farben der Trikolore müssen es schon sein.

‘L’Arc de Triomphe, Wrapped’
Christo in seinem Studio mit einer vorbereitenden Zeichnung für ‘L’Arc de Triomphe, Wrapped’
New York City, 20. September 2019
© 2019 Christo and Jeanne-Claude Foundation
Foto: Wolfgang Volz, freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Bereits 1961, als sie noch in Paris lebten, hatten Christo und Jeanne Claude erstmals die Idee zur Verhüllung des Triumphbogens. Nun, 60 Jahre später, wird das Spektakel 16 Tage lang zu sehen sein, genau so, wie es der im Mai 2020 in New York City verstorbene Künstler entworfen und minutiös bis ins kleinste Detail geplant hat. Es ist somit das erste Projekt, das nach seinem Tod im Einvernehmen mit den Denkmalschutzbehörden realisiert wird.

‘L’Arc de Triomphe, Wrapped’
Zum Schutz des Bauwerks wird eine Unterkonstruktion aus Stahl angebracht.
Paris, 20. Juli 2021
© 2021 Christo and Jeanne-Claude Foundation
Foto: Wolfgang Volz, freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Seit Mitte Juli 2021 wird die speziell dafür entwickelte Unterkonstruktion aus Stahl aufgebaut, um den Stoff zu befestigen und die Dach- und Seitenornamente des Bauwerks zu schützen. Denn der mit Aluminium beschichtete Stoff, der von einer deutschen Firma hergestellt und von einer anderen zusammengenäht wurde, hat ein Gewicht von mehreren Tonnen. Übrigens sollen während der Ausstellungszeit vor Ort Stoffmuster verschenkt werden.

‘L’Arc de Triomphe, Wrapped’
Bei ‘Geo – Die Luftwerker’, einer Firma in Lübeck, Deutschland, werden 25.000 m² Polypropylen-Gewebe für die Verhüllung vernäht.
Lübeck, Juli 2020
© 2020 Christo and Jeanne-Claude Foundation
Foto: Wolfgang Volz, freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Der Triumphbogen wurde an zentraler Stelle in Paris errichtet, am einen Ende der Avenue des Champs Élysées mitten auf der Place Charles de Gaulle, dem Platz, an dem zwölf Strassen sternförmig zusammentreffen. Also an exponierter Stelle und auch die Verhüllung muss Wind und Wetter standhalten. Zudem darf das zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Paris zählende Bauwerk auch nicht durch die Kletterer beschädigt werden, die zwischen dem 13. und 17. September 2021 die Verhüllung installieren.

‘L’Arc de Triomphe, Wrapped’
Bei ‘Geo – Die Luftwerker’, einer Firma in Lübeck, Deutschland, werden 25.000 m² Polypropylen-Gewebe für die Verhüllung vernäht.
Lübeck, Juli 2020
© 2020 Christo and Jeanne-Claude Foundation
Foto: Wolfgang Volz, freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Wie immer hat Christo sein Werk aus dem eigenen Portefeuille bezahlt: 14 Millionen EUR ohne Sponsorengelder, ohne Zuwendungen der Stadt. Finanziert wird es durch den Verkauf von originalen Werken. Dazu gibt es Ausstellungen, beispielsweise in der Pariser Filiale von Sotheby’s. Eine Übersicht ist hier zu finden.

‘L’Arc de Triomphe, Wrapped’
Test im Hauptquartier von ‘Les Charpentiers de Paris’
Bagneux, 16. Dezember 2019
© 2019 Christo and Jeanne-Claude Foundation
Foto: Wolfgang Volz, freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Bleibt noch zu erwähnen, dass in Christo und Jeanne Claudes Sinn – auch wie immer – kein Eintritt verlangt wird. Für die Besichtigung des Inneren oder einen Blick von der Aussichtsplattform des Triumphbogens wird der normale Eintritt allerdings fällig. Weitere Info hierzu

Die Demontage ist zwischen 4. Oktober und 10. November 2021 geplant.

Christos Versprechen: ‘Die Verhüllung des Triumphbogens wird nicht nur spektakulär sein. Sondern auch spektakulär schön.’ Sollte man eigentlich nicht verpassen …

Links:
Video auf SWR 2 von Cordelia Marsch
Bericht im WDR 3 Kultur am Mittag von Michael Marek
Live Stream auf der Website der Künstler

ARTE widmet Christo und seinem Werk einen Schwerpunkt mit einem Portrait und zwei Dokumentarfilmen, zu sehen am 15. und 17. September 2021. Weitere Info

Info:

18. September – 3. Oktober 2021

L’Arc de Triomphe, Wrapped

L’Arc de Triomphe
Place Charles de Gaulle
75008 Paris
Frankreich

www.christojeanneclaude.net

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Junge Cellinis 2021 – Einschnitt

Der Internationale Nachwuchs der Gold- und Silberschmiede präsentiert 58 Wettbewerbsarbeiten, von denen zehn prämiert wurden, zum Thema ‘Einschnitt’ in einer kleinen sehenswerten Ausstellung im Café und Liebertzimmer im Schaezlerpalais Augsburg. Zum 15-jährigen Bestehen des ‘Jungen Cellini’ startet die Wanderausstellung ab dem 12. September 2021 in Augsburg, einer Stadt mit langer Goldschmiede-Tradition von hoher Qualität.

Haarnadel
1. Preis, 1. Lehrjahr, Svenja Burgdorf, Edelmetallschmiede Uwe Frieß Twedt
Foto: © Stefan Fink Augsburg, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Der Internationale ‘Benvenuto Cellini Wettbewerb’ für Gold- und Silberschmiedemeister wird seit mehr als 50 Jahren ausgeschrieben. Zusätzlich gibt es seit 2006 den ‘Jungen Cellini’, eine Initiative der Augsburger Goldschmiedemeisterin Uta Werner-Dick. Benvenuto Cellini (1500-1572), nach dem der Wettbewerb benannt ist, war übrigens ein bedeutender Bildhauer und Goldschmied der italienischen Renaissance.

Armband
1. Preis, 2. Lehrjahr, Kim Marcel Steiner, Gewerbliche Schule Schwäbisch Gmünd
Foto: © Stefan Fink Augsburg, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Ziel des Wettbewerbs ist es, eine zeitbezogene Schmuckauffassung in die Öffentlichkeit zu tragen und die Handwerkskunst vom marktorientierten Massenprodukt abzuheben. Diese Zielsetzungen hat sich auch der Nachwuchswettbewerb zu eigen gemacht, der sich besonders in diesem Jahr durch eine überdurchschnittlich hohe Teilnehmerzahl und höchst spannende Wettbewerbsarbeiten auszeichnet.

Brosche
1. Preis, 3.-4. Lehrjahr, Marie Knapp, Michael Schuhmacher GmbH Stuttgart
Foto: © Stefan Fink Augsburg, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Geschuldet ist dies wohl auch dem Thema ‘Einschnitt’, das den Nerv der Zeit getroffen hat. Die Pandemie als Bruch im Lebenslauf und vor allem als noch nie dagewesene Erfahrung, hat die jungen Künstler*innen dazu animiert, expressive Schmuckstücke zu schaffen. Corona als Zündschnur für Werke, die sich mit Einschnitt und Veränderung befassen, gesellschaftlich-politisch, aber auch wirtschaftlich-kulturell. Künstlerisch verarbeitet wurden bei den Wettbewerbsobjekten die Nuklearkatastrophe von Fukushima, der deutsche Mauerfall, der Streitfall Bahnhofsumbau Stuttgart 21 oder die Wahrnehmung der ‘Beschneidung der eigenen Freiheit’.

Info:

12. September – 10. Oktober 2021

Junge Cellinis 2021 – Einschnitt

Schaezlerpalais
Maximilianstrasse 46
86150 Augsburg
Deutschland

www.kunstsammlungen-museen.augsburg.de

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26. Europäisches Patchwork Treffen

36 Ausstellungen, 1100 Exponate an 17 Ausstellungsorten! Das Europäische Patchwork Meeting (EPM) möchte nach der pandemiebedingten Unterbrechung im letzten Jahr alle von Quilts und Textilkunst Begeisterten erneut zum Besuch des Silbertals (Elsass) einladen, wo vom 16. – 19. September 2021 das Grossereignis zum 26. Mal stattfindet und zwar im Hauptort Ste Marie-aux-Mines und den Nachbargemeinden Ste Croix-aux-Mines, Lièpvre und Rombach-Le-Franc.

In verschiedenen Kirchen, Hallen, Sälen usw., die mit Hilfe eines kostenlosen Bus-Pendelverkehrs erreichbar sind, finden die Ausstellungen statt. Im Espace Commercial in Ste Marie-aux-Mines sind die Händler zu finden. Ein Seminar ist bereits ausgebucht, Kurse runden das Angebot ab.

Plakat

So weit, so gut – wenn da nicht COVID-19 wäre. Hierdurch ergeben sich einige Änderungen, die sich nach den französischen gesetzlichen Vorschriften richten. Das Wichtigste: Impfzertifikat oder Test (QR-Code) sowie Mund-Nasenschutz-Masken sind obligatorisch. Bitte informieren Sie sich zuvor über die genauen Einzelheiten, da ansonsten möglicherweise kein Zutritt. Pläne, Programme und Flyer gibt es nicht in Papierform, sonder nur über eine App. Eintrittskarten nach Möglichkeit online bestellen. Die Links finden Sie unten.

Mich persönlich interessieren die Ausstellungen am meisten. Einige davon habe ich ausgewählt, um sie nachfolgend kurz vorzustellen. Das bedeutet natürlich nicht, dass die anderen keine Highlights wären. Bestimmt ist für jeden etwas dabei! Um sich selbst ein Bild zu machen und z.B. Ausstellungen nach den eigenen Vorlieben nicht zu verpassen, ist es jetzt im Vorhinein empfehlenswert, die Website des Veranstalters aufzurufen, die in drei Sprachen (f/d/e) alle Informationen rund um den Event beinhaltet.

Mit dem Europäischen Patchwork Treffen ist untrennbar Jacques Légéret verbunden. Als im Jahr 1993 die Gesellschaft für die Geschiche der Wiedertäufer und Mennoniten (AFHAM) in Ste Marie-aux-Mines die Feiern zum 300-jährigen Bestehen der Amisch-Bewegung ausrichtet, stehen 5000 Besucher bewegt vor den Amisch-Quilts aus der Sammlung des Schweizers.

Jacques Légeret
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Achtzehn Fernsehsender aus der ganzen Welt berichten über das Ereignis. Anschliessend wird ernsthaft darüber nachgedacht, eine jährliche Veranstaltung ins Leben zu rufen. Das EPM war geboren, wird zum wichtigsten Patchwork-Event auf dem europäischen Kontinent und lockt seither Tausende von internationalen Besuchern an.

Während die Amischen homogene religiöse Gemeinschaften bilden, ist dies auf kultureller Ebene nicht der Fall. So unterscheiden sich die Quilts in Pennsylvania sehr von denen in Indiana oder denen in Ohio. Jacques Légeret präsentiert das Ergebnis zahlreicher Zick-Zack-Reisen zu diesen drei Gemeinden, ergänzt von einigen Mennoniten- und amerikanischen Quilts aus dem 19. und 20. Jahrhundert.

Elsie Otto: Broken Star, Indiana 1960
190×190 cm
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Ina Statescu, die seit 1990 in Frankreich lebt, war in der Haute Couture tätig und hat schon mehrmals ihre phantastisch bestickten Arbeiten auf edlen Stoffen beim EPM gezeigt. 2021 präsentiert sie unter dem Titel ‘Stoffe und Licht’ ihre neue Kollektion, die die Liebe zu wertvollen Stoffen und zur Farbe widerspiegelt.

Ina Statescu: La Terre Enchantée
90×130 cm
Foto: Ina Statescu, freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Aus Lettland stammen Aina Muze (1943-2017) und Elina Lusis-Grinberga, Mutter wie Tochter sind international renommierte Textilkünstlerinnen.

Aina Muze: Broken Nets
100×100 cm
Foto: Gints Lusis-Grinbergs, freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Aina Muze verfolgte stets den Weg der Innovation bezüglich Design, Material und Technik. Künstlerische Kreativität und dekorativer Ausdruck kennzeichnen auch Elinas Art Quilts.

Elina Lusis-Grinberga: Exclamation
121×110 cm
Foto: Gints Lusis-Grinbergs, freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Daisy Aschehoug präsentiert ‘Ein Fest der Kurven’. In den letzten fünf Jahren hat die preisgekrönte Quilterin, Musterdesignerin und Künstlerin mehr als zwei Dutzend Werke in Zeitschriften und Büchern veröffentlicht.

Daisy Aschehoug: Embedded
210×175 cm
Foto: Daisy Aschehoug, freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Fünf Elemente: Textil, Farbe, Linie, Form und Technik regen Wil Fritsma dazu an, ihre Quilts zu entwerfen und zu kreieren. Sie sind in Schichten aus selbstbemalten, -bedruckten oder anderweitig verarbeiteten Materialien aufgebaut. Beim EPM zeigt die Holländerin ‘Different Women’.

Wil Fritsma: Different Women Innercircle
30 x 25 cm
Foto: Wil Fritsma, freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Auch 2021 ist Studio Art Quilt Associates, Inc. (SAQA) beim EPM vertreten. Die US-Organisation, die sich die Förderung des Art Quilts zum Ziel gesetzt hat, ist in den letzten 30 Jahren zu einer dynamischen und aktiven Community von fast 4.000 Mitgliedern weltweit angewachsen. Gezeigt werden zwei Ausstellungen, eine davon ‘Wide Horizons VII’ – die Ergebnisse eines jurierten Wettbewerbs.

Yemima Lavan: Flying high
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Mit der Ausstellung ‘Geheimnisvolle Natur’ lädt die Erfurterin Renate Wilde die Besucher*innen ein, in den Farben, Strukturen und Feinheiten der Pflanzen, Bäume und Landschaften, Geheimnisvolles zu entdecken. Seit 15 Jahren beschäftigt sie sich intensiv mit Patchwork, insbesondere mit freien Gestaltungsmöglichkeiten und freiem Maschinensticken.

Renate Wilde: Inselchen
40×40 cm
Foto: Renate Wilde, freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Pascale Goldenberg gründete 2004 ‘Guldusi’, ein Programm für Hand-Stickerei in Laghmani (Afghanistan) im Rahmen der Deutsch-Afghanischen Initiative e.V. (Freiburg im Breisgau, Deutschland) und leitet seither die Organisation sowohl in Afghanistan wie auch in Europa. Die in Afghanistan entandenen Unikate werden in Europa verkauft, um die finanzielle Lage der Stickerinnen und ihren Familien zu verbessern. Regelmässig gibt es in Europa Wettbewerbe, bei denen unter jeweils anderen Themen die Aufgabe darin besteht, mindestens eine erworbene afghanische Stickerei in eine eigene Textilarbeit zu integrieren.

Der neueste – noch vor den dramatischen Ereignissen in Afghanistan abgeschlossene – Wettbewerb stand unter dem Motto ‘HAND in HAND’, wird beim EPM erstmals gezeigt und umfasst 40 Einzel- und Gruppenarbeiten aus vielen europäischen Ländern.

Bitte beachten Sie angesichts der Lage in Afghanistan auch den Beitrag ‘Pascale Goldenberg und das afghanische Stickprogramm ‘Guldusi’, ganz unten in diesen Ausstellungstipps zu finden.

Arbeit von Eva Woehrl
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Abschliessend bin ich neugierig auf das Ergebnis des Wettbewerbs des Veranstalters, der unter dem Thema ‘Sauvage (Wild)’ stand und welche Quilts einen Preis gewonnen haben. Dies wird erst bekannt gegeben, wenn das Festival läuft. Ausserdem gibt es noch eine Vielzahl von weiteren Solo-Ausstellenden sowie Gruppen, die beim EPM 2021 ihre Kunst zeigen. Man darf gespannt sein!

Info:

16. – 19. September 2021

26. Europäisches Patchwork Treffen

68160 Ste Marie-aux-Mines
Frankreich

www.patchwork-europe.eu

Links:

Die Sprache können sie rechts oben auf der Website per Klick einstellen.

Richtlinien zu COVID-19

EPM App

Eintrittskarten

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In America: A Lexicon of Fashion

Jedes Jahr zeigt das Anna Wintour Costume Center des Metropolitan Museum of Art (The Met) in New York City eine neue Modeausstellung, die traditionellerweise im Mai mit der Met Gala beginnt. Dies hat die Corona-Pandemie bekanntlich im letzten Jahr als auch in diesem Mai verhindert. Jetzt aber laufen alle Planungen auf den 18. September 2021 zu, an dem unter dem Titel ‘In America: A Lexicon of Fashion’ die neue Ausstellung eröffnet werden soll. Ein zweiter Teil folgt planmässig am 5. Mai 2022 unter der Überschrift ‘In America: An Anthology of Fashion’ in den historischen Räumen des American Wing des Museums. Beide Ausstellungen enden am 5. September 2022. Dem geht am 13. September 2021 The Met Gala voraus und auch hier soll es einen zweiten Teil geben, wie immer am ersten Montag im Mai, also am 2. Mai 2022. Zwei Ausstellungen, zwei Galas um den 75. Geburtstag des Costume Institutes zu feiern. Soweit die geplanten Daten und Fakten.

Ensemble, Christopher John Rogers
(American, born 1993), Herbst/Winter 2020–21
Courtesy Christopher John Rogers
Image courtesy of The Metropolitan Museum of Art
Foto: Christina Fragkou, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

The Met Gala ist für alle Beteiligten der wichtigste Modeabend. Die Einnahmen der Wohltätigkeitsveranstaltung kommen dem Costume Institute des Museums zugute. Für die geladenen Gäste ist die Met Gala das, was für die Filmwelt die Oscar-Verleihung ist: ein Abend, an dem sich Designer*innen, Models und Hollywood-Stars in den extravagantesten Looks auf dem roten Teppich einfinden, um eine neue Ausstellung zu feiern. Eine Ausstellung, die dann auch den Dresscode vorgibt.

Mantel, Andre Walker
(American, born 1967)
Pendleton Woolen Mills (American, founded 1863)
Frühling/Sommer 2018
Courtesy Andre Walker Studio
Image © Metropolitan Museum of Art.
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Im Zentrum der Ausstellung ‘In America: A Lexicon of Fashion’ stehen die amerikanische Mode und die amerikanischen Designer*innen, wie sie auf die Herausforderungen der Zeit reagieren: die Pandemie, die politischen und sozialen Gerechtigkeitsbewegungen, Inklusion, Diversity und Genderdikussion, wie verändert das die Mode?

‘VEIL FLAG’ by S.R. STUDIO. LA. CA., 2020
Courtesy of Sterling Ruby Studio
Foto: Melanie Schiff, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Kurator Andrew Bolton sagt: ‘Es ist an der Zeit, die amerikanische Identität und Mode neu zu überdenken.’ Er meint, dass die amerikanische Mode eine Renaissance erlebe. ‘Die Modeindustrie ist dabei, sich selbst zu hinterfragen und neu zu erfinden.’ Dieser spannende Moment des Umbruchs und der Innovationen soll in die Ausstellung einfliessen.

Kleid, Patrick Kelly
(American, 1954–1990),
Herbst/Winter 1986–87
Schenkung von Elaine Blatt, 2005 (2005.92 )
Image © Metropolitan Museum of Art.
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Inspiriert von einem Patchwork-Quilt, wird das Design der Galerien etwa 100 einzelne Ensembles umfassen, die als ‘Quadrate’ in horizontalen und vertikalen Reihen angeordnet sind und die Qualitäten darstellen, die gemeinsam die amerikanische Mode definieren.

Ensemble, Ralph Lauren
(American, born 1939)
Herbst/Winter 1982−83
Courtesy Ralph Lauren Corporation
Image © Metropolitan Museum of Art
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Der zweite Teil ‘In America: An Anthology of Fashion’ im kommenden Jahr geht dem ersten eigentlich voraus, denn diese Ausstellung wird Geschichtliches beinhalten und passend zu den historisch gestalteten Räumlichkeiten Mode in Szene setzen.

Kleid, Isaac Mizrahi
(American, born 1961),
Herbst/Winter 1994-95
Courtesy Isaac Mizrahi
Image © Metropolitan Museum of Art.
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Freuen wir uns also nun als erstes auf die Met Gala am 13. September 2021, auf Anna Wintour, Tom Ford und Adam Mosseri als Gastgeber, die von Timothée Chalamet, Billie Eilish, Amanda Gorman und Naomi Osaka als Co-Chairs begleitet werden. Man darf gespannt sein auf einfallsreiche Designs auf den Stufen von The Met, wenn die Reichen und Schönen vor den Objektiven der Fotografen posieren.

Ein Katalog ist für Mai 2022 angekündigt

Info:

13. September 2021
The Met Gala

18. September 2021 – 5. September 2022
In America: A Lexicon of Fashion

The Metropolitan Museum of Art
Anna Wintour Costume Center
1000 Fifth Avenue
New York, NY 10028
USA

www.metmuseum.org

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Kitsch & Kunst

Wie bereits in den Ausstellungstipps August 2021 angekündigt, ist die Ausstellung ‘Kitsch & Kunst’ nach Großschönau ins Deutsche Damast- & Frottiermuseum weitergewandert und dort Anfang August 2021 eröffnet worden.

Plakat

Wie ich höre, war es eine schöne Eröffnung im Hof des Museums und die Ausstellung findet so viel Beachtung, dass bereits über eine Verlängerung der Ausstellungszeit nachgedacht wird. Aber eins nach dem anderen.

‘Kitsch & Kunst’ – Ausstellungsansicht
Foto freundlicherweise von Marina Palm zur Verfügung gestellt

‘Kitsch & Kunst’ zeigt einen Teil der ihr zugrundeliegenden Ausstellung ‘Art Jacquard-Inspirationen 2: Klassisch – Kitsch und Kunst’, die vom Textil- und RennsportMuseum (TRM) in Hohenstein-Ernstthal initiiert und vor einem Jahr dort erstmals gezeigt wurde, allerdings aus Platzgründen für die Ausstellung im Damast- & Frottiermuseum in etwas verkleinertem Umfang.

‘Kitsch & Kunst’ – Ausstellungsansicht
Foto freundlicherweise von Marina Palm zur Verfügung gestellt

Hervorgegangen sind die Arbeiten aus einem Wettbebwerb, den das TRM ausgeschrieben und organisiert hatte. Dem lag die Idee zugrunde, dass das TRM in seiner Sammlung auch Bildteppiche bewahrt, die sich, in Jacquardtechnik gewebt, seit dem beginnenden 20. Jahrhundert bis in die 1950er und 60er Jahre hinein grosser Beliebtheit erfreuten und bis heute noch auf den historischen, aber voll funktionsfähigen Jacquard-Webstühlen des Hauses hergestellt werden können.

Schauweberei im TRM
Foto: Gudrun und Wolfgang Heinz

Es ging um den ‘Röhrenden Hirsch’ in einer idyllischen Landschaft, einst beliebtes Sujet, heute der Inbegriff von Kitsch …

Judith Pauly-Bender: Seelendurst und Wanderzwang
Foto: Gudrun und Wolfgang Heinz

… oder um ein Märchenmotiv à la ‘Hänsel und Gretel’ oder floral gemusterte Stoffe aus der ehemaligen Produktion, die zur Verfügung standen und wahlweise …

‘Kitsch & Kunst’ – Ausstellungsansicht
Foto freundlicherweise von Marina Palm zur Verfügung gestellt

… zur Teilnahme am Wettbewerb ganz oder teilweise in die nach eigenem Entwurf zu schaffenden textilen Arbeiten zu integrieren waren.

Kathrina Russow: Im Wald, da sind die Jäger, Detail
Foto: Gudrun und Wolfgang Heinz

Für die Ausstellung, in der es um eine künstlerische Auseinandersetzung zum Thema Kitsch und Kunst geht, wurden für das Damast- & Frottiermuseum 40 Arbeiten aus den zwei thematischen Bereichen ‘Röhrender Hirsch’ und ‘Märchen’ ausgewählt.

‘Kitsch & Kunst’ – Ausstellungsansicht
Foto freundlicherweise von Marina Palm zur Verfügung gestellt

Zusätzlich können auch noch einige Objekte, wie der Märchenmantel, eine Tasche u.a. gezeigt werden – ‘mehr war platzmässig nicht drin’, schreibt mir Marina Palm, Museumsleiterin des TRM, die auch hier bei Auswahl, Hängung und Eröffnung wieder einmal tatkräftig mitwirkte.

‘Kitsch & Kunst’ – Ausstellungsansicht
Foto freundlicherweise von Marina Palm zur Verfügung gestellt

Beim Wettbewerb wurde gewünscht, etwas Einmaliges, Individuelles aus der ehemaligen Massenware entstehen zu lassen, etwas, das uns heute überzeugt. Gleich, ob wandhängendes oder dreidimensionales Objekt, entstanden sind wunderbare Arbeiten!

‘Kitsch & Kunst’ – Ausstellungsansicht
Foto freundlicherweise von Marina Palm zur Verfügung gestellt

Technisch und thematisch wurde ein weiter Bogen geschlagen: von Patchwork und allerlei Applikationen bis hin zur Gewebeauflösung, von der Wildbeobachtung bis zur Zerstörung der Umwelt – Heiteres, Nachdenkliches, Dekoratives, Erstaunliches, Nostalgisches, Phantastisches … Kitschiges. Es gibt viel zu entdecken.

‘Kitsch & Kunst’ – Ausstellungsansicht
Foto freundlicherweise von Marina Palm zur Verfügung gestellt

Alle Juroren waren eingeladen, sich mit einer Arbeit ausser Konkurrenz an der Ausstellung zu beteiligen. Bei meiner Arbeit ‘verhext – vernetzt. Bedrohung einst und jetzt’ leitete mich der Gedanke an die Bedrohungen, denen Kinder zu allen Zeiten ausgesetzt waren und sind. Das Fenster gewährt einen Blick durch ein Spinnennetz in vergangene Zeiten, in Zeiten von ‘Es war einmal …’, als die Hexe Hänsel und Gretel durch ihr Knusperhäuschen anlockt und in ihre Gewalt bringt. Heutzutage kann Kindern ernsthaftes Unheil drohen, das durch das Internet vermittelt wird.

Gudrun Heinz: verhext – vernetzt. Bedrohung einst und jetzt, Detail, ausser Konkurrenz
Foto: Gudrun und Wolfgang Heinz

Es wäre natürlich wünschenswert, wenn die Wanderausstellung noch an anderen Stellen gezeigt werden könnte – diesbezüglich ist das Museum für Anfragen offen.

Zur Ausstellung sind ein Begleitheft und eine CD erhältlich.

Zu meinen früheren Berichten mit weiteren Infos und Bildern

Info:

8. August – 31. Oktober 2021

Kitsch & Kunst

Deutsches Damast- & Frottiermuseum
mit Schauwerkstatt
Schenaustrasse 3
02779 Großschönau
Deutschland

www.ddfm.de

Öffnungszeiten:
Di – Fr: 10 – 17 Uhr
Sa, So: 14 – 17 Uhr
Feiertage (ausser Mo): 14 – 17 Uhr

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Look! – Enthüllungen zu Kunst und Fashion

Mode war schon immer ein raffiniertes Spiel zwischen gesellschaftlichen Normen und individuellem Ausdruckswillen. Aber welchen Stellenwert besitzt sie heute angesichts enormer Beschleunigung und globaler Produktionsstrukturen? Welchen Einfluss üben die sozialen Medien auf die Gestaltung der eigenen Identität aus? Und was sind die Materialien von morgen?

Gili Avissar: The Queen, 2019
Stoff, Seil, Plastik, Maße variabel, ca. 350 x 150 x 30 cm
Foto: Simon Vogel, freundlicherweise vom Miseum zur Verfügung gestellt
Gili Avissar (*1980 in Haifa, lebt in Tel Aviv), der ursprünglich Modedesign studieren wollte, verbindet in seinem Werk Disziplinen wie Malerei, Skulptur, Video, Performance und Tanz miteinander.
Seine Objekte, die im Raum verspannt werden, wirken von Weitem wie archaische Totems mit magischer Bedeutung. Aus der Nähe gesehen fällt die spontane Machart auf. Die Materialien, die verwendet werden (Textilien, Seile, Kunststoff), kann man mit Recycling assoziieren. Gelegentlich handelt es sich auch um tragbare Kostüme.

Mit künstlerischen Beiträgen der letzten 20 Jahre entwirft die Ausstellung ‘Look! – Enthüllungen zu Kunst und Fashion’, die das Marta Herford ab dem 4. September 2021 zeigt, ein lebhaftes Panorama aktueller Phänomene im Bereich Fashion. Drängende Fragen der Modeindustrie, Schlaglichter auf internationale Designer ebenso wie Möglichkeiten der persönlichen Teilhabe eröffnen eine faszinierende Expedition in den gesellschaftlichen Alltag und machen Mode als schillernde Erzählung über unsere komplexe Gegenwart erlebbar.

Mari Katayama: Shell, 2016
C-Print, 130 x 130 cm
Collection Antoine de Galbert, Paris
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt
In ihren Fotografien steht Mari Katayama (*1987 in der Präfektur Saitama, lebt in Gunma, JP) meist im Zentrum ihrer eigenen Kreationen, die aus selbst genähten Objekten sowie ungewöhnlichen Körpererweiterungen und Prothesen bestehen – oftmals vor einem Hintergrund aus überbordendem Dekor. Die Künstlerin wurde mit einer Fehlentwicklung der Schienbeine geboren. Mit neun Jahren entschied sie sich dazu, sie amputieren zu lassen, um Schuhe tragen zu können wie alle anderen auch. Bereits früh begann sie zu nähen, wie ihre Mutter, Grossmutter und Urgrossmutter auch. Als Teenagerin veröffentlichte sie ihre Zeichnungen, Essays und Fotografien über das Internet und ist als Sängerin und Model tätig. Für ihre Bühnenauftritte entwickelte sie das ‘High Heel Project’, ein grundsätzliches Plädoyer für mehr Freiheit, wie z.B. bei der Wahl zwischen flachen und hohen Absätzen für Menschen mit Beinprothesen.

‘Das Modethema ist im internationalen Ausstellungsgeschehen eigentlich ein Dauerbrenner’, stellt Museumsdirektor Roland Nachtigäller in seinem Editorial zur ausstellungsbegleitenden Publikation ‘LOOK!’ fest. Er beobachtet aber in den letzten Jahren eine Verschiebung hin zu den Kunstmuseen. Da geht es z.B. um Hommagen an berühmte Modeschöpfer*innen, wobei die Kreationen der Haute Couture heute zunehmend unter künstlerischen Gesichtspunkten betrachtet würden, als individuelle und erst einmal freie Schöpfungen jenseits ihrer Verwertungszusammenhänge.

Andy Dixon: Versace Shirt (Miami), 2019
Leinwand, Acryl, Ölkreide, Kleiderbügel (Holz, messingbeschichtetes Metall), 325 x 200 x 30 cm
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt
Auf den ersten Blick mag das Objekt von Andy Dixon (*1979 in Vancouver, CA, USA lebt in Los Angeles) wie ein übergrosses Hemd der Marke Versace erscheinen, denn es passt perfekt in das Designkonzept des Modehauses aus Mailand. Es handelt sich jedoch um ein vom Künstler geschaffenes Unikat, das aus Leinwand gefertigt, mit Acryl und Ölkreide bemalt, zusammengenäht und mit Keramikknöpfen versehen wurde.
Dixon hinterfragt in seiner Kunst die Beziehung der Kunstwelt zur Wohlstandsgesellschaft und ihren Wertvorstellungen und wirft dabei einen forschenden und zugleich amüsierten Blick auf die ‘Psychologie der Werte’ (Andy Dixon).

Aber es gäbe auch noch eine andere Perspektive, die auch für diese Ausstellung im Marta Herford tragend sei: die Befragung von Mode und ihrer Funktionszusammenhänge mit künstlerischen Mitteln, die Umdeutung kommerzialisierter Zeichensysteme oder auch die textile Konstruktion von Individualität und Selbstdarstellung.

Zhanna Kadyrova: Second Hand, 2019
Malergerüst, Keramik gesammelt aus der Darnitsky Silk Factory, Zement, Holz
Courtesy die Künstlerin und GALLERIA CONTINUA, San Gimignano / Beijing / Les Moulins / Habana
Foto: Ela Bialkowska, OKNO Studio, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt
Nicht weich und anschmiegsam, sondern steif, glatt und kühl sind die Kleider der Künstlerin Zhanna Kadyrova (*1981 in Browary, lebt in Kiew). Sie sind aus Fliesen gefertigt. So wie Kleider Merkmale sozialer Identität und Zugehörigkeit von Menschen aufweisen, so ist auch die Gestaltung eines Gebäudes ein Hinweis auf seine Funktion und den repräsentativen Wert. Kadyrova verwendet altes Material von Abrisshäusern aus der ehemaligen Sowjetunion. Ihre Werke sind Erinnerungsträger eines politischen Systems und einer Ideologie, die heute zunehmend unsichtbar werden. Die steife Form dieser ‘Fliesenkleider’ scheint in Anlehnung an die starre Gestalt einer Uniform in vielfältiger Weise deutbar.

Die Fashionwelt habe in den letzten Jahrzehnten im privaten Bereich eine vielfältige Bedeutungsentwicklung – von der Standes- und Funktionskleidung über Eleganz und Distinktion bis zu Identitätsbildung und Dresscodes. Vielerorts beschäftigten sich Ausstellungsprojekte mit Entwürfen, Ideen, Produktionen, versteckten Botschaften oder wirtschaftlichen Strukturen der Modewelt.

Hrafnhildur Arnardóttir / Shoplifter: Fathoms II, 2021
synthetische Haarverlängerungen und Paracordseile, Maße variabel, ca. 6 x 15 x 5,5 m
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt
Die Installationen von der Künstlerin Hrafnhildur Arnardóttir (*1969 in Reykjavík, lebt in New York), die auch als ‘Shoplifter’ [Ladendiebin] bekannt ist, erscheinen wie eine übersättigte Traumwelt, in die man sich hineinbegeben kann. Seit rund 20 Jahren beschäftigt sich die Künstlerin mit dem visuellen und künstlerischen Potential von menschlichem und synthetischem Haar. In Handarbeit wird es gewebt, gestrickt, geflochten oder zu ausladenden, oft farbintensiven Haarbüscheln zusammengefasst. In ihren Installationen und Haarskulpturen findet sich oft das symbolische und mythologische Landschaftsverständnis der isländischen Fabelwelt. Settings und Stories entstanden auch für verschiedene Modelabels.

‘Längst ist unsere globalisierte Gesellschaft nicht nur in ein weltumspannendes Entwurfs-, Produktions-, Lieferketten- und Entsorgungssystem der Textilien verstrickt. Auch die Geschmacksbildung und das Trendsetting unterliegen vollständig anderen Zeitzyklen und Einflussnahmen als noch im 20. Jahrhundert. Es gibt kaum noch ‘den’ Modetrend in einem Land, Vorlieben und Must-Haves entstehen unter Umständen gleichzeitig in unterschiedlichen Hemisphären und für extrem kurze Zeiträume, basieren auf genauer Informiertheit und Zugehörigkeit zu bestimmten sozialen Zusammenhängen’, konstatiert Nachtigäller.

 

Talia Chetrit: Ever (Wet), 2018
Inkjet Print, 76,2 x 114,3 cm
Courtesy die Künstlerin, Sies + Höke, Düsseldorf
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt
Talia Chetrit begann bereits in den Teenagerjahren zu fotografieren. Aufnahmen aus den 1990er Jahren lässt die Künstlerin bis heute in Ausstellungspräsentationen ihrer Fotografien einfliessen. Sie zeigen ihre Freundinnen, Familienmitglieder oder sind Selbstportraits, oft sind Werbekampagnen nachgestellt. Teils provisorisches Setting, laienhaftes Make-Up und Styling weisen auf die Spontaneität dieser frühen Aufnahmen hin, gewinnen dadurch aber zugleich eine ganz eigene Glaubwürdigkeit.
In späteren Jahren setzt sich Chetrit auch mit der Rolle der Frau in der Kunst auseinander.
Die Fotografie ‘Ever (Wet)’ [Immer (Feucht)] von 2017 war tatsächlich Teil einer Werbekampagne für Helmut Lang. Die Künstlerin greift hier alltägliche, sexualisierte Motive der Werbeindustrie auf, überspitzt sie aber beispielsweise dadurch, dass die Dargestellte auffällig jung ist.

Geschwindigkeit, Ethik, Gruppenidentität, Politik, Image oder Naturereignisse bestimmten einen Markt, der extrem unübersichtlich, zersplittert und zugleich weltumspannend organisiert sei. ‘Zugleich aber hat Mode nichts von ihrer Funktion als Ausdrucksmittel des Einzelnen, als Stimmungsbarometer, Wohlfühlelement und Signalsystem verloren’, schreibt Nachtigäller, ‘nur weisen die Intentionen und Einflussfaktoren in andere Richtungen als zur Zeit des klassischen Prêt-à-porter-Designs.’

 

Corina Gertz: Das abgewandte Porträt – Zwischen August Sander und Vermeer, DE03, 2010
C-Print, 88 x 66 cm
Courtesy Galerie Clara Maria Sels Düsseldorf
© die Künstlerin, VG Bild-Kunst, Bonn 2021
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt
Die Fotografin und Modedesignerin Corina Gertz (lebt in Düsseldorf) dokumentiert auf ihren zahlreichen Reisen die kulturelle Vielfalt unserer Weltgemeinschaft und stellt traditionelle Kleidung und Brauchtum in den Mittelpunkt. Dem Titel der Serie folgend knüpft Gertz an August Sander an, der mit seinem 1924 entstandenen Werk ‘Menschen des 20. Jahrhunderts’ ein umfassendes Gesellschaftsportrait seiner Zeit schuf. Der tiefschwarze Hintergrund, die Kontrastschärfe und die Bildtiefe imitieren die realistische Malweise niederländischer Portraits. Die gewählte Perspektive der Rückenansicht vor dem dunklen Grund lenkt den Blick auf die vielen Details der raffiniert gearbeiteten Trachten und ihre textilen Botschaften.

Vielleicht sei dieser sich zuerst unmerklich vollziehende, mittlerweile unübersehbare Paradigmenwechsel der Bekleidungsbranche mit ein Grund dafür, dass sich kulturelle Institutionen gerade jetzt damit beschäftigen. Sowohl die kulturelle Deutung als auch die ökonomischen Bedingungen der Textilproduktion und -konsumption stünden vor bzw. an einem Wendepunkt: Noch schneller, noch billiger, noch vielfältiger sei das Modesystem kaum auszubauen, stattdessen suche man nach zukunftsfähigen Lösungen, nachhaltigen Produktionszyklen und weniger komplexen Strukturen.

Aber nicht nur die Zeit sei reif für diese Ausstellung im Marta Herford. Die Stadt blickt auf eine Geschichte zurück, in der Flachsanbau und Textil- und Wäscheindustrie eine bedeutende Rolle spielten und noch immer spielen.

Begleitpublikation erhältlich

Auch interessant:

Einen Bericht über die Ausstellung ‘Nervescape VIII’ von Hrafnhildur Arnardóttir aka Shoplifter im Museum of Contemporary Art Kiasma, Helsinki (2019) findet man in den Ausstellungstipps März 2019

Meine Beiträge über die Ausstellungen ‘Dress Code: Das Spiel mit der Mode’ in der Bundeskunsthalle, Bonn (2021/22) und ‘Active Threads’, KAI 10, Düsseldorf (2021) sind in den Ausstellungstipps Mai 2021 zu finden

‘Kleider in Bewegung – Frauenmode seit 1850’ zeigte das Historische Museum Frankfurt 2020/21, den Bericht findet man in den Ausstellungstipps September 2020

‘Fashion? Was Mode zu Mode macht’ im Landesmuseum Württemberg, Stuttgart (2020/22) und die Ausstellung ‘Die Sprache der Mode’ im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (2020/22) habe ich in den Ausstellungstipps Oktober 2020 besprochen

Die Ausstellung ‘Thierry Mugler – Couturissime’ ist dem Designer gewidmet und war in der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung in München (2020) zu sehen. Mein Bericht befindet sich in den Ausstellungstipps Juni 2020

Die Designerin Claudia Skoda wurde mit der Ausstellung ‘Dressed to Thrill’ im Kulturforum, Berlin, 2021 geehrt. Meinen Bericht findet man in den Ausstellungstipps April 2021, wo weiter unten noch über ‘use-less – Eine Wanderausstellung zum Thema Slow Fashion’ im TextilWerk Bocholt (2021) zu lesen ist.

Info:

4. September 2021 – 16. Januar 2022

Look! – Enthüllungen zu Kunst und Fashion

Marta Herford
Museum für Kunst, Architektur, Design
Goebenstrasse 2 – 10
32052 Herford
Deutschland

www.marta-herford.de

Einladungskarte

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Close-Up

Berthe Morisot, Mary Cassatt, Paula Modersohn-Becker, Lotte Laserstein, Frida Kahlo, Alice Neel, Marlene Dumas, Cindy Sherman, Elizabeth Peyton

Mary Cassatt: Junge Frau lesend (Young Lady Reading), 1878
Öl auf Holz, 40,3 x 63,2 cm
Sammlung von Diane B. Wilsey
Foto: © 2021. Christie’s Images, London/Scala, Florence
Foto freundlicherweise von der Fondation Beyeler zur Verfügung gestellt

Die Fondation Beyeler in Riehen bei Basel nimmt ab dem 19. September 2021 in der Ausstellung ‘Close-Up’ die Werke von neun Künstlerinnen in den Blick, deren Schaffen herausragende Positionen innerhalb der Geschichte der Moderne seit 1870 bis heute darstellen. Es ist der Zeitraum, zu dessen Beginn es Künstlerinnen in Europa und Amerika erstmals möglich wurde, auf breiter Basis professionell tätig zu sein.

Diesen im Zentrum der Ausstellung stehenden Werken ist die Konzentration auf die Darstellung von Menschen, auf Porträts und Selbstporträts gemeinsam. Man darf gespannt auf die Close-Ups sein!

Die Französin Berthe Morisot und die Amerikanerin Mary Cassatt, beide aktiv in den 1870er und 1880er Jahren in Paris, der Metropole des damaligen aktuellen Kunstschaffens; die Deutsche Paula Modersohn-Becker um 1900 bis 1907 zwischen der norddeutschen Provinz Worpswede und der Weltstadt Paris;

Paula Modersohn-Becker: Mädchenbildnis mit gespreizter Hand vor der Brust, 1905
Öl auf Leinwand, 41 x 33 cm
Von der Heydt-Museum Wuppertal
Foto: Antje Zeis-Loi, Medienzentrum Wuppertal
Foto freundlicherweise von der Fondation Beyeler zur Verfügung gestellt

die Deutsche Lotte Laserstein um 1925 bis 1933 im grossstädtischen Berlin der Weimarer Republik; die Mexikanerin Frida Kahlo seit Ende der 1920er Jahre bis um 1950 in Mexiko City; die Amerikanerin Alice Neel seit Ende der 1920er bis Anfang der 1980er Jahre, zuerst in Kuba, dann in Manhattan, von Greenwich Village über Spanish Harlem bis zur Upper West Side; Marlene Dumas, aufgewachsen in Südafrika in der Hochphase der Apartheid, seit 1976 in Amsterdam; zur gleichen Zeit die Amerikanerin Cindy Sherman in New York, dem von einer neuen Generation geprägten westlichen Brennpunkt zeitgenössischer Kunst; schliesslich die Amerikanerin Elizabeth Peyton seit den 1990er Jahren, zwischen New York und Westeuropa.

Elizabeth Peyton: Isa Genzken, 1980, 2010
Öl auf Holz; 35,6 x 27,9 cm
Privatsammlung
© Elizabeth Peyton
Courtesy the artist and Gladstone Gallery, New York and Brussels
Foto freundlicherweise von der Fondation Beyeler zur Verfügung gestellt

Das Interesse der Ausstellung gilt dem spezifischen Blick der Künstlerinnen auf ihre eigene Umgebung, der in den Porträts und Bildern ihrer selbst und von anderen zum Ausdruck kommt. In der Zusammenschau lässt sich erleben, wie sich der Blick der Künstlerinnen auf ihr Gegenüber zwischen 1870 und heute wandelt und was ihn auszeichnet.

Katalog erhältlich

Auch interesssant:

Mein Bericht über die Ausstellung ‘Ab nach München! – Künstlerinnen um 1900’ im Münchner Stadtmuseum (2014/15)

‘zwischen system&intuition: KONKRETE KÜNSTLERINNEN’ lautet der Titel einer Ausstellung im Kunstmuseum Stuttgart (2021), vorgestellt in den Ausstellungstipps Juli 2021

Info:

19. September 2021 – 2. Januar 2022

Close-Up
Künstlerinnen seit 1870 bis heute

FONDATION BEYELER
Baselstrasse 101
4125 Riehen/Basel
Schweiz

www.fondationbeyeler.ch

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Kabinettstückchen

Mit den herkömmlichen Vorstellungen von Textilkunst brechen die acht Künstlerinnen der Gruppe tx02 in ihrer noch bis zum 30. September 2021 laufenden Ausstellung ‘Kabinettstückchen’ in Bergkamen in den Räumlichkeiten im Stadtfenster, die umbaubedingt von der Galerie ‘sohle 1’ genutzt werden.

Flyer
Gestaltung basierend auf einer Arbeit von Ulrike Linder: 1:3, Detail

‘Der Raum ist ein Zweifel: ich muss ihn unaufhörlich abstecken, ihn bezeichnen; er gehört niemals mir, er wird mir nie gegeben, ich muss ihn erobern.’ (Georges Perec)

Kabinettstückchen – Ausstellungsansicht
Foto freundlicherweise von tx02 zur Verfügung gestellt

Kabinettstückchen? Sind das nicht besondere Kniffe oder Kunststücke oder Fertigkeiten? In einem Kabinett? Also in abgeschlossenen Nebenzimmern oder einem Zimmer zwischen zwei Zimmern oder womöglich in kleinen Schränkchen, die einen Innenraum umfassen?

Kabinettstückchen – Haarstudio, Detail
Foto freundlicherweise von tx02 zur Verfügung gestellt

Die ‘Kabinettstückchen’ der Gruppe tx02 werden in einem ungewöhnlichen Ambiente präsentiert: im sogenannten ‘Stadtfenster’, einer Aussenstelle der Städtischen Galerie ‘sohle 1’ in Bergkamen.

Kabinettstückchen – Kleiderkammer, Detail
Foto freundlicherweise von tx02 zur Verfügung gestellt

Dabei handelt es sich um einen lichten, grossräumigen Rohbau mit silbrig verkleideten Rohren und betonummantelten Säulen; mit wertvoll bestückten Kabinetten hat er keine Ähnlichkeit.

Kabinettstückchen – Haarstudio, Detail
Foto freundlicherweise von tx02 zur Verfügung gestellt

Diesen Raum gilt es mit besonderen Kniffen (also Kabinettstückchen) zu erobern, ohne seinen ursprünglichen Charakter zu verbrämen. Entsprechend kombinieren und präsentieren die Künstlerinnen ihre textilen Objekte virtuos, stecken dadurch ‘Räume’ ab und bezeichnen sie.

Kabinettstückchen – Lesesaal, Detail
Foto freundlicherweise von tx02 zur Verfügung gestellt

Zu begehen sind: eine Kleiderkammer, ein Haarstudio, ein Lesesaal, eine Jeansbasis, ein Glaskörper-Atelier, ein Sektor Pink, ein Innenraum, ein Fabel-Terrain und eine Reisepassage.

Kabinettstückchen – Reisepassage, Detail
Foto freundlicherweise von tx02 zur Verfügung gestellt

Wie schon im letzten Jahr, als es hiess ‘es QU!LLT’ in und aus den Räumen der Textilsammlung Max Berk des Kurpfälzischen Museums in Heidelberg-Ziegelhausen, spielen Räume eine grosse Rolle. Die Künstlerinnen der Gruppe tx02 nutzten die Räumlichkeiten der Textilsammlung Max Berk, die Eigenheiten der Architektur der ehemaligen Kirche, um ihre Exponate, mit denen sie Erwartungen brechen und Vertrautes in Frage stellen, zu inszenieren.

Kabinettstückchen – Fabel-Terrain, Detail
Foto freundlicherweise von tx02 zur Verfügung gestellt

Hier wie dort werden die Eigenheiten des Raums dabei aufgegriffen und in Szene gesetzt. Säulen, Rohre und Aluminiumschienen des Bergkamener Rohbaus ergeben mit den stofflichen, weichen Arbeiten spannungsvolle Installationen: So ergiesst sich eine üppige Flut textiler Noppen auf kargen Beton.

Kabinettstückchen – Sektor Pink, Detail
Foto freundlicherweise von tx02 zur Verfügung gestellt

Kraftvolles Orange und Pink entfalten ihre volle Wirkung neben einem Einheitsgrau.

Kabinettstückchen – Innenraum, Detail
Foto freundlicherweise von tx02 zur Verfügung gestellt

‘Verschämte Stickereien’ erhalten einen glanzvollen Rahmen. Eine Riege von Kleiderbildern folgt dem Verlauf silbriger Rohre. Durch Aluminiumschienen erhalten textile Glaskörper und textile Extrakte ihren Boden.

Kabinettstückchen – Haarstudio, Detail
Foto freundlicherweise von tx02 zur Verfügung gestellt

Der Gesamteindruck: ein facettenreicher, offener Gesamtklang von künstlerischen Objekten und funktionaler Einrichtung.

Kabinettstückchen – Kleiderkammer, Detail
Foto freundlicherweise von tx02 zur Verfügung gestellt

tx 02 – das sind die Künstlerinnen Marianne Herbrich, Mechthild Jülicher, Luise Kerstan, Susanne Klinke, Ulrike Lindner und Birgit Reinken sowie als Gast Helene Koselleck.

Kabinettstückchen – Haarstudio, Detail
Foto freundlicherweise von tx02 zur Verfügung gestellt

Die generationenübergreifende Gruppe tx02 lotet in ihren Kunststücken den Raum aus – die Räumlichkeiten im Bergkamener Stadtfenster, aber auch innere und äussere Freiräume. Sie schaffen durch Kabinette, Panoramen, Assemblagen und Installationen Räume zum Erleben und Eintauchen in aktuelle Textilkunst.

Kabinettstückchen – Glaskörper-Atelier, Detail
Foto freundlicherweise von tx02 zur Verfügung gestellt

Auch interessant:

Meine ausführlichen Berichte mit vielen Fotos über die mich begeisternde Ausstellung ‘es QU!LLT’ in der Textilsammlung Max Berk des Kurpfälzischen Museums in Heidelberg-Ziegelhausen kann man hier nachlesen:

es QU!LLT – Vorbericht der anderen Art, beim Aufbau der Ausstellung in den Ausstellungstipps September 2020 – Teil 1

es QU!LLT – beim Pressegespräch in den Ausstellungstipps September 2020 – Teil 2

reingeschaut: es QU!LLT

Info:

14. August – 30. September 2021

Kabinettstückchen
Künstlerinnengruppe tx02

Galerie ‘sohle 1’ im Stadtfenster
Rathausplatz 4
59192 Bergkamen
Deutschland

www.galerie-sohle1.de

Flyer

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Alexandra Bircken: A–Z

‘Mich beschäftigt unsere unmittelbare Umgebung. Die Architektur, in der wir uns bewegen, genauso wie die Stoffe, in die wir uns hüllen. Letztlich kommt man dabei immer wieder auf den Schutz und gleichzeitig auf die Verletzbarkeit unseres Körpers zurück. Auch unsere Haut ist eine Hülle und zugleich die Schnittstelle zwischen innen und aussen. Hier setze ich an.’ — Alexandra Bircken

Key Visual ‘Alexandra Bircken: A–Z’
© Museum Brandhorst
Design: PARAT.cc
Freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Derzeit widmet das Museum Brandhorst in München mit der Ausstellung ‘Alexandra Bircken: A–Z’ der in Berlin lebenden Künstlerin ihre bislang grösste Einzelausstellung und versucht ihr skulpturales Formenrepertoire von ‘A–Z’ zu erfassen. Dieses reicht von ihren Auseinandersetzungen mit Textilem und der Kulturtechnik des Knotens über die Kongruenz des menschlichen Körpers und seiner Umwelt bis hin zu den beinahe lebendigen und organisch anmutenden Maschinen.

Ausstellungsansicht ‘Alexandra Bircken: A–Z’ im Museum Brandhorst
Gezeigte Werke (v.l.n.r.): ‘Ohne Titel’ (2011), ‘RSV 4’ (2020)
© Alexandra Bircken
Foto: Haydar Koyupinar, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Museum Brandhorst, München. freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Wie stehen wir der uns unmittelbar umgebenden Umwelt gegenüber? Schützen wir uns oder setzen wir uns ihr widerstandslos aus? Sind wir verletzlich oder gerüstet und unangreifbar? Und wie konstituiert sich unser Körper in einer technoiden Zeit, in der er selbst ein archaisches Überbleibsel zu sein scheint? Diese hochaktuellen Fragen spielen eine zentrale Rolle im Werk der 1967 in Köln geborenen Alexandra Bircken.

Alexandra Bircken: The Doctor, 2020
Schaufensterpuppe, Stoff, Wattierung, Faden, Metall, Beinprothese, Baumstamm, Modellboot, Metallständer
183 × 62 × 60 cm
© Alexandra Bircken
Foto: Andy Keate, Courtesy die Künstlerin, BQ, Berlin and Herald St, London
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die Künstlerin hat seit 2018 eine Professur für Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste München inne und ist bekannt für ihre Skulpturen und Installationen, für die sie auf eine ungewöhnliche Bandbreite an Materialien zurückgreift: Von Alltagsgegenständen wie Verpackungen für Haarkolorationen, Schaukelpferden und Motorrädern über Textilien in Handarbeit und maschinell verarbeiteter Form bis zu organischen Stoffen, etwa Holz, Leder, Knochen oder sogar einer Plazenta, kann alles uns Umgebende zum skulpturalen Medium werden.

Alexandra Bircken: Warrior, 2020
Bronze
2 Teile, je 13,5 x 16 x 28,5 cm
Udo und Anette Brandhorst Sammlung
© Alexandra Bircken
Foto: Andy Keate, Courtesy die Künstlerin, BQ, Berlin and Herald St, London
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Ihr Ansatz ist dabei geprägt von der Auseinandersetzung mit dem menschlichen Körper: mit seinen Bedürfnissen und Begehren, aber auch mit der Beziehung zu seinem Umfeld. Hochaktuelle Fragen wie die nach der Schutzbedürftigkeit des Individuums, nach geschlechtlicher Identität in ihrer Ambivalenz sowie dem Verhältnis von Mensch und Maschine schwingen in Birckens Skulpturen unweigerlich mit.

Ausstellungsansicht ‘Alexandra Bircken: A–Z’ im Museum Brandhorst
Gezeigte Werke (v.l.n.r.): ‘Birch Field’ (2011), ‘Black Skin’ (2012), ‘Modell’ (2007), ‘Taktstock (Rhythm Stick)’ (2020)
© Alexandra Bircken
Foto: Haydar Koyupinar, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Museum Brandhorst, München. freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Für das Museum Brandhorst realisierte die Künstlerin auch neue Arbeiten, unter anderem eine Installation, die sich spezifisch auf die Architektur des Ausstellungsraums bezieht. Bircken ersetzte dafür in einem aufwendigen Prozess die Lüftungsgitter am Boden durch eine grosse Anzahl präparierter Tierknochen. Für die Realisierung des Projekts kooperierte sie mit Veterinärwissenschaftler*innen des Instituts für Tieranatomie der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Alexandra Bircken im Museum Brandhorst
Foto: Haydar Koyupinar, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Museum Brandhorst, München. freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die Arbeit widmet sich der Idee von Architektur als Körper, der wie ein Gebäude durch ein Gerüst stabilisiert wird und gleichzeitig das Skelett schützend und bestimmend umhüllt. Knochen wiederum sind selbst in sich geschlossene Körper, die Träger von komplexen Informationen darstellen und viel mehr Wissen transportieren, als an ihrer glatten Oberfläche sichtbar ist. Ebenso weisen sie uns auf etwas Physisches, Selbstverständliches, Hermetisches hin: das Innere des Körpers, aber auch unsere eigene Vergänglichkeit.

Alexandra Bircken: Deine Beine, 2019
Holz, Metallgelenk, Leder, Nägel, Schaufensterpuppenbein, Acrystal, Geschirrtuch, Epoxidharz, Eichel
© Alexandra Bircken
Foto: Haydar Koyupinar, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Museum Brandhorst, München. freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Andere Exponate sind in der Ausstellung erstmals seit Langem wieder öffentlich zu sehen. Ein Highlight darunter: die 2013 im Pavillon an der Volksbühne Berlin eingerichtete Installation ‘Lunge’ – eine aufblasbare, rosafarbene, leuchtende Skulptur von mehr als fünf Metern Durchmesser. Sie bläht sich kontinuierlich auf, bis die Museumswände ihr physische Grenzen setzen, um dann wieder langsam in sich zusammenzusacken. Das skulpturale Objekt wird zum atmenden Organ des Museums.

Ausstellung ‘Alexandra Bircken: A–Z’ im Museum Brandhorst
Besucherinnen vor ‘Lunge’ (2013)
© Alexandra Bircken
Foto: Haydar Koyupinar, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Museum Brandhorst, München. freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

In der Ausstellung ‘Alexandra Bircken: A–Z’ werden Werke aus allen Schaffensphasen vereint: von der ersten Skulptur, die 2003 in Birckens Ladenatelier ‘Alex’ in Köln entstand, bis zu Installationen, die sie eigens für die Räume des Museums Brandhorst konzipiert hat. Anstatt entlang einer Chronologie vorzugehen, führt diese Schau anhand von Themen und formalen Konzepten durch das Werk der Künstlerin.

Alexandra Bircken: INXS, 2016
Schaufensterpuppe, Motorradbekleidung, Metallknöpfe, Leder, Denim, Latex, Nylon-Strumpfhose, Wattierung, Metall, Protektoren, menschliches Haar, Metallständer
165,5 × 53 × 26,5 cm
Danniel Rangel Sammlung, Paris
© Alexandra Bircken
Foto: Andy Keate, Courtesy BQ, Berlin and Herald St, London
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die Ausstellung ist in enger Zusammenarbeit mit Alexandra Bircken entstanden und wird von einem Katalog begleitet, der das Schaffen der Künstlerin erstmals umfassend wissenschaftlich beleuchtet. Im Anschluss reist die Schau an das Centre Régional d’Art Contemporain im französischen Sète.

Alexandra Bircken: New Model Army, 2016
Schaufensterpuppe auf Metallständer, Nylon, Leder, Wattierung
je 164 x 26 x 49 cm
Udo und Anette Brandhorst Sammlung
© Alexandra Bircken
Foto: Haydar Koyupinar, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Museum Brandhorst, München. freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Auf das Rahmenprogramm möchte ich speziell hinweisen, z.B. auf den Vortrag ‘Alexandra Bircken – Kunst und Mode’ oder auf einen Talk über ein modisches Phänomen, die Bomberjacke. Weitere Informationen und weitere Fotos sind auf der Website des Museums zu finden.

Info:

28. Juli 2021 – 16. Januar 2022

Alexandra Bircken: A–Z

Museum Brandhorst
Bayerische Staatsgemäldesammlungen
Theresienstrasse 35 a
80333 München
Deutschland

www.museum-brandhorst.de

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Das glückliche Gesicht Syriens

Mirja Wark aus den Niederlanden hat schon vor zwei Jahren im Kulturort Garnlager eine phantastische Ausstellung über Textilien aus Libyen gezeigt. Nun werden ihre Schätze aus Syrien im Mittelpunkt der Ausstellung ‘Das glückliche Gesicht Syriens’ stehen, die am Sonntag, 5. September 2021 eröffnet wird.

Detail eines Rockes
Foto zur Ausstellung ‘Das glückliche Gesicht Syriens’ freundlicherweise von Mirja Wark zur Verfügung gestellt.

Syrien ist ein Land, das man lieben muss und dessen Bevölkerung ein besseres Schicksal verdient hat, als es das derzeitige Regime zulässt.

Detail aus einem Kelim
Foto zur Ausstellung ‘Das glückliche Gesicht Syriens’ freundlicherweise von Mirja Wark zur Verfügung gestellt.

Was man nie hört, ist, dass Syrien ein Land mit einer sehr reichen und lebendigen Textiltradition ist. In der Wüste weben die Nomaden Bänder für ihre Zelte …

Detail aus einem Teppich
Foto zur Ausstellung ‘Das glückliche Gesicht Syriens’ freundlicherweise von Mirja Wark zur Verfügung gestellt.

… in den Bergen züchten Bauern Seidenraupen und verarbeiten die gewonnene Seide zu wunderschönen Tüchern.

Weberschiffchen zum Gebrauch in der Seidenweberei von Homs
Foto zur Ausstellung ‘Das glückliche Gesicht Syriens’ freundlicherweise von Mirja Wark zur Verfügung gestellt.

Auf den überdachten Märkten von Damaskus findet man noch eine Werkstatt, in der Baumwollstoffe mit Holzstempeln bedruckt werden und ein paar Gassen weiter gibt es eine Spinnerei und Weberei, in der Ziegenhaar verarbeitet wird.

Holzmodeldruck auf Samt
Foto zur Ausstellung ‘Das glückliche Gesicht Syriens’ freundlicherweise von Mirja Wark zur Verfügung gestellt.

Mirja Wark hat einige Jahre in Syrien gelebt und in dieser Zeit die textilen Techniken der verschiedenen Volksgruppen kennengelernt, sie gründlich erforscht und dokumentiert.

Detail aus einem Kelim
Foto zur Ausstellung ‘Das glückliche Gesicht Syriens’ freundlicherweise von Mirja Wark zur Verfügung gestellt.

Im Anschluss an die Eröffnung hält sie einen spannenden Vortrag über ihre textilen Erlebnisse in Syrien. Mirja Wark wird von ihren eigenen Erfahrungen berichten, Bilder zeigen und Beispiele des Handwerks bringen. Zum Vortrag ist eine Anmeldung erforderlich.

Detail aus einem Seidenkleid
Foto zur Ausstellung ‘Das glückliche Gesicht Syriens’ freundlicherweise von Mirja Wark zur Verfügung gestellt.

Ausserdem kann man kurzentschlossen in einer Kurswoche das Weben eines Seidenschals nach syrischem Vorbild erlernen. Auch hierzu ist eine Anmeldung erforderlich.

Info:

5. September – 10. Oktober 2021

Das glückliche Gesicht Syriens
Syrische Textilkunst und anderes Handwerk aus der Sammlung von Mirja Wark (NL)

Kulturort Garnlager
Gewerbestrasse 9
3421 Lyssach
Schweiz

www.kulturortgarnlager.org

Öffnungszeiten:
Mo – So: 13.30 – 17 Uhr

Eröffnung:
So, 5. September 2021, 14 Uhr
Einladung

Vortrag:
So, 5. September 2021, 15 Uhr
Informationen und Anmeldung

Kurs mit Mirja Wark ‘Weben eines syrischen Seidenschals’:
6. – 10. September 2021
Informationen und Anmeldung

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Captivate! Modefotografie der 90er. Kuratiert von Claudia Schiffer

Captivate! Lassen wir uns fesseln! Ab dem 15. September 2021 präsentiert der KUNSTPALAST in Düsseldorf die Ausstellung ‘Captivate! Modefotografie der 90er. Kuratiert von Claudia Schiffer’ – ein Highlight für alle, die sich für Modefotografie begeistern, versammelt die Schau doch Aufnahmen, die die Crème de la Crème in Sachen Modefotografie schossen.

Claudia Schiffer
bei der Vorbereitung des Katalogs
Image Lucie McCullin
© 2021 Cloudy Film Limited
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Es liest sich wie ein Who’s who: Richard Avedon, Gilles Bensimon, Angelica Blechschmidt, Walter Chin, Michael Comte, Corinne Day, Patrick Demarchelier, Arthur Elgort, Ross Feltus, Hans Feurer, Russel James, Karl Lagerfeld, Peter Lindbergh, Roxanne Lowit, Helmut Newton, Doug Ordway, Herb Ritts, David Sims, Mario Sorrenti, Juergen Teller, Mario Testino, Ellen von Unwerth und Bruce Weber sind in der Ausstellung vertreten.

Ellen von Unwerth
Claudia Schiffer, Viareggio, Italy
1989 für Guess Jeans
© Ellen von Unwerth/Trunk Archive
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Erstmals kuratiert Claudia Schiffer – Supermodel, Fashion Insiderin und Modeikone – eine Ausstellung und präsentiert mit ‘Captivate!’ dem Publikum einige der einflussreichsten Modefotograf*innen der letzten Dekade des analogen Zeitalters vor der digitalen Revolution. Anhand von rund 150 Bildern demonstriert Claudia Schiffer die Bedeutung von Modefotografie und stellt Künstler*innen vor, die einige der bekanntesten Bilder der Welt kreierten.

Hans Feurer
Beverly Peele, Lanzarote
1991 für ELLE FR
© Camera Work AG
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Selten gesehenes Material tritt neben zentrale fotografische Werke von mehr als 20 der einflussreichsten Modefotograf*innen, von denen einige erstmals in einer Gruppenausstellung vereint sind – das Spektrum reicht von Richard Avedon über Juergen Teller bis zu Ellen von Unwerth.

Juergen Teller
Linda Evangelista No. 3, Central Park, New York
1993 für Interview
© Juergen Teller, All Rights Reserved
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Schiffer ruft das Gefühl von Aufbruch wach, das die Modewelt der 1990er auszeichnete, und welches nicht zuletzt in eine Ausweitung der Schönheitsideale mündete. Runway-Videos und Erinnerungsstücke aus ihrem persönlichen Archiv vervollständigen das Bild.

Doug Ordway
Golden Girls
Emma Sjöberg, Nadja Auermann, Naomi Campbell, Kate Moss, Ève Salvail, Shalom Harlow, Carla Bruni, Olga Pantushenkova, Christy Turlington, Linda Evangelista, Claudia Schiffer, Yasmeen Ghauri, Amber Valletta, Tricia Helfer, Helena Christensen
backstage at Versace RTW Fall 1994
© Doug Ordway
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

‘Claudia Schiffer ist eine Protagonistin und zugleich informierte Beobachterin der Modeszene und genau das macht ihren Blick auf die Modefotografie so einzigartig’, hebt Felix Krämer, Generaldirektor Kunstpalast, hervor. ‘Ich freue mich, dass Claudia unserer Einladung gefolgt ist, im Kunstpalast erstmals als Kuratorin dem Publikum einen individuellen und kenntnisreichen Einblick in die Modefotografie der 1990er Jahre zu eröffnen.’

Arthur Elgort
Beverly Peele, Tyra Banks
1993 for Vogue UK
© Arthur Elgort
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

In verschiedenen thematischen Kapiteln blättert Schiffer die zentralen Aspekte des Genres Modefotografie auf: Sie reflektiert anhand ikonischer Fotografien von Kolleginnen wie Naomi Campbell, Kate Moss oder Cindy Crawford das Phänomen des ‘Supermodels’. Ausserdem wird der Boom der globalen Werbekampagnen aus dieser Epoche vorgestellt sowie die überaus wichtigen ‘Coverbilder’.

Bruce Weber
Seventh on Sale, Claudia Schiffer, Cindy Crawford, New York
1992 for Revlon
© Bruce Weber
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Besucher*innen können einen Laufsteg erleben sowie einen Blick hinter die Kulissen von Modenschauen und Shootings werfen. Und nicht zuletzt gibt Schiffer Einblicke in ihr Archiv und damit in ihre ganz persönliche Geschichte dieses Jahrzehnts.

Herb Ritts
Helena Christensen, Claudia Schiffer, Stephanie Seymour, Christy Turlington, Naomi Campbell, Hollywood
1993 for Vogue US
© Herb Ritts Foundation/Trunk Archive
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestell

‘Modefotografie fungiert als Chiffre für Trends, Sehnsüchte und Träume. Obwohl meist aus dem Moment heraus geboren, kann sie einen zeitlosen Status erlangen und eine Story erzählen’, betont Claudia Schiffer. ‘Die denkwürdigsten Bilder sind häufig provokativ und fordern unsere Wahrnehmung von Weiblichkeit und Schönheit heraus. Die 1990er Jahre haben das Medium der Modefotografie zu einer treibenden Kraft in der visuellen Kultur gemacht’, so die Kuratorin weiter.

Ellen von Unwerth
Kate Moss, Paris
1995 for Vogue US
© Ellen von Unwerth/Trunk Archive
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

‘Captivate!’ zeigt eine Vielfalt von Medien des vordigitalen Zeitalters – vom gerahmten fotografischen Abzug über Polaroids, Kontaktbögen und Modemagazine bis hin zu Kampagnen und Sed Cards. Diese Bandbreite unterstreicht den starken Gegensatz zwischen den emblematischen Covermotiven, den Bildern des Runway und den ungezwungenen Backstage-Schnappschüssen.

Arthur Elgort
Beverly Peele, Naomi Campbell
1993 for Vogue US
© Arthur Elgort
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

‘Während die 1980er Jahre von einem perfektionistischen extremen Glamour charakterisiert gewesen waren, etablierten die 1990er Jahre ein neues visuelles Vokabular, das von Energie, Wirklichkeit und Persönlichkeit geprägt war – auch dieser Wechsel wird in der Ausstellung vorgestellt’, fasst Claudia Schiffer zusammen. ‘Junge Designerinnen, Fotografen, Stylistinnen und Art-Direktoren sowie Haar- und Make-up-Künstlerinnen traten in Erscheinung und veränderten die Wahrnehmung von Mode und Design grundlegend. ‘Captivate!’ sollte das visuelle Experimentieren und diese Ausdrucksfreiheit einfangen.’

Herb Ritts
Claudia Schiffer
Palmdale, California 1992
© Herb Ritts Foundation/Trunk Archive
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Über Claudia Schiffer

Claudia Schiffer, 1970 in Rheinberg geboren, wurde 1987 von einem Modelagenten in einem Düsseldorfer Club entdeckt. Sie ist eines der bekanntesten und gefragtesten Models aller Zeiten. Schiffer stand vor den Kameras der berühmtesten Fotograf*innen der Gegenwart und war Teil der wegweisendsten internationalen Modenschauen. Ihre mehr als dreissigjährige Karriere zeichnet sich durch eine Präsenz auf über eintausend Magazincovern weltweit aus.

Katalog erhältlich

Auch interessant:

Bei jedem Artikel über einen Modedesigner, ein Modemagazin oder eine Ausstellung über Mode ist in den meisten Fällen auch Modefotografie enthalten – davon gibt es in meinem Blog eine ziemliche Auswahl, unmöglich, das alles hier einzeln aufzuführen. Aber ich habe auch Beiträge über einzelne Persönlichkeiten, Fotografinnen und Fotografen, in denen deren Werk im Mittelpunkt steht, veröffentlicht. Ich habe da mal nachgesehen:

Horst: Photographer of Style

Peter Lindbergh. From Fashion to Reality in den Ausstellungstipps Mai 2017

Louise Dahl-Wolfe – A Style of Her Own in den Ausstellungstipps Januar 2018

Madame d’Ora – Machen Sie mich schön! in den Ausstellungstipps März 2018

Harper’s Bazaar, Premier magazine de mode in den Ausstellungstipps Juli 2020

Info:

15. September 2021 – 9. Januar 2022:

Captivate! Modefotografie der 90er. Kuratiert von Claudia Schiffer

KUNSTPALAST
Ehrenhof 4-5
40479 Düsseldorf
Deutschland

www.kunstpalast.de

***

Formen traditionellen Handwerks in Bayern und ihre Weiterentwicklung

Die Galerie Handwerk in München widmet ihre neue Ausstellung, die ab dem 7. September 2021 zu sehen ist, verschiedenen Formen traditionellen Handwerks in Bayern und ihrer Weiterentwicklung, die vor allem die Bereiche Holz, Metall, Musikinstrumente, Buch, Schmuck, Glas, Keramik und Textil betreffen.

Juliane Schölß: Tablett mit Gefäßen, 2017
Foto: Eva Jünger, freundlicherweise von der Galerie zur Verfügung gestellt

Traditionelles Handwerk ist in Bayern in hoher Zahl und vielen Facetten zu finden. Handwerker*innen und Künstler*innen verwenden dabei historische Handwerkstechniken, um daraus etwas Neues entstehen zu lassen. Die Weitergabe und Vermittlung traditioneller Handwerkstechniken geschieht zum grossen Teil noch durch das Prinzip der dualen Ausbildung unmittelbar in den Handwerksbetrieben, in denen die meist dreijährige Lehre bis hin zur Gesellenprüfung absolviert werden kann.

Maja Vogl: Schal
Foto freundlicherweise von der Galerie zur Verfügung gestellt

Dies trifft vor allem bei den Gewerken zu, die in der Denkmalpflege, im Bauhandwerk, im Kunsthandwerk und in vielen Bereichen der angewandten Kunst tätig sind. Ein weiterer wichtiger Impulsgeber sind die Berufsfachschulen in Bayern, die eine besondere Rolle bei der Vermittlung historischer Handwerkstechniken spielen. Oft gehen sie in ihrer Gründung auf das 19. Jahrhundert zurück und spiegeln das Bemühen wider, traditionelles Handwerk für die Zukunft weiterzubilden.

Billa Reitzner: Rote Kannen
Foto freundlicherweise von der Galerie zur Verfügung gestellt

Besondere Aufmerksamkeit erhalten traditionelle Handwerkstechniken in Bayern auch seit Jahren durch die Aufstellung einer bayerischen Landesliste für das Immaterielle Kulturerbe. Seit dem Jahr 2013 sind mehrere Handwerkstechniken in dieses Verzeichnis aufgenommen worden. Die Expertenkommission, die über die Anträge berät, ist institutionell beim Heimatministerium angegliedert.

Maja Vogl: Gewebe, Detail
Foto freundlicherweise von der Galerie zur Verfügung gestellt

Die Ausstellung in der Galerie Handwerk zeigt eine Auswahl von Exponaten, die von Ausbildungsstätten, aber auch von einzelnen Gestalter*innen, Persönlichkeiten und Handwerksbetrieben kommen, die aus der Beschäftigung mit der traditionellen Handwerkstechnik heraus zu ganz neuen und eigenen Leistungen gefunden haben. Diese innovativen Neulösungen werden an den kreativen Leistungen einzelner Gestalter*innen anschaulich dokumentiert.

Bettina Dittlmann: Brosche
Foto freundlicherweise von der Galerie zur Verfügung gestellt

Info:

7. September – 9. Oktober 2021

Formen traditionellen Handwerks in Bayern und ihre Weiterentwicklung

Galerie Handwerk
Max-Joseph-Strasse 4
Eingang Ottostrasse
80333 München
Deutschland

www.hwk-muenchen.de/galerie

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Vorankündigungen:

Ungehaltene Frauen

Christine Bünning zeigt am 16./17. Oktober 2021 ihre Ausstellung ‘Ungehaltene Frauen’ in den Räumen der Eberhard-Ossig-Stiftung in Berlin-Mitte.

Flyer

In ihrem Buch ‘Wenn du geredet hättest, Desdemona’ erfand Christine Brückner Monologe für Frauengestalten aus der Geschichte, der Literatur und der Mythologie wie sie hätten gehalten werden können. Denn mit Sicherheit hätten diese Frauen etwas zu sagen gehabt! Doch leider sind fast ausschliesslich berühmte Reden berühmter Männer überliefert …

Christine Bünning: Königinnen
Foto: Christine Bünning, von der Künstlerin freundlicherweise zur Verfügung gestellt

Christine Bünning hat sich mit diesen und anderen Frauen auseinandergesetzt und die Inhalte der ungehaltenen Reden textil in Szene gesetzt in unterschiedlichsten Techniken. Die Präsentation dieser Quilts wird umrahmt von kurzen Text-Lesungen und Musikdarbietungen passend zu den gezeigten Frauen und auch kulinarisch werden die Besucher überrascht werden – ein Erlebnis für alle Sinne!

Info:

16./17. Oktober 2021

Ungehaltene Frauen
Christine Bünning

Eberhard-Ossig-Stiftung
Markgrafenstrasse 88
10969 Berlin
Deutschland

www.eberhard-ossig-stiftung.de
www.christinebuenning.berlin

***

Ein langes Leben für Omas Wäsche

Rosemarie Vetter und Doris Schäfer stellen ab dem 3. Oktober 2021 ihre Werke im Museum in Nastätten aus.

Plakat

Ihr Thema für diese Ausstellung lautet ‘Ein langes Leben für Omas Wäsche’. Sie beschäftigen sich mit Textilien, die uns unsere Vorfahrinnen und Vorfahren hinterlassen haben und sind dadurch mit ihren Arbeiten sehr dicht bei den Patchwork-Pionierinnen. Diese konnten es sich vielfach nicht leisten, auch nur den kleinsten Stoffrest zu vergeuden. Wie auch, wenn z.B. (noch) keine Stoffläden vorhanden waren. So mussten sie Kleider und Wäsche, vielfach geflickt und immer wieder umgearbeitet, als Material für ihre Quilts vewenden. Und wie schön, dass sie dabei die Idee, eine neue textile Oberfläche aus einzelnen Stücken zusammenzusetzen – also ein ‘Patchwork’ – entwickelten.

Rosemarie Vetter und Doris Schäfer benutzen bevorzugt Bett- und Tischwäsche aus Baumwolle und Leinen. Sie können es sich erlauben, gut erhaltene Teile aus den vorhandenen Textilien auszuwählen und auszuschneiden. Sie arbeiten daraus Quilts, Collagen, Puppen und Dekoration.

Man könnte es auch Recycling nennen. Wie gut den beiden Damen das gelingt, zeigten ‘Die weissen Frauen’ – eine Gruppe unter der Federführung von Rosemarie Vetter – bei der NADELWELT Karlsruhe 2019. In meinem Bericht über den Event, der hier zu finden ist, gibt es einige Fotos von damals und mehr.

Info:

3. Oktober 2021 – 16. Januar 2022:

Ein langes Leben für Omas Wäsche

Regionalmuseum Leben und Arbeiten
Schulstrasse 31
56355 Nastätten
Deutschland

www.museum-leben-und-arbeiten.de

Vernissage:
So, 3. Oktober 2021, 11 Uhr

***

… und dann gibt’s noch:

Pascale Goldenberg und das afghanische Stickprogramm ‘Guldusi’

Pascale Goldenberg, die Frau hinter ‘Guldusi’, einem Programm für Hand-Stickerei in Laghmani (Afghanistan) im Rahmen der Deutsch-Afghanischen Initiative e.V. (Freiburg im Breisgau, Deutschland), hat angesichts der dramatischen Lage in Afghanistan an ihre Unterstützer*innen, von denen sie eine Flut besorgter E-Mails erhielt, ein Communiqué geschickt, um nicht jede Mail einzeln beantworten zu müssen.

Deutsche Afghanische Initiative – Guldusi-Logo

Sie stehe mit ihren Partnern in Kontakt, heisst es darin, aber, da sich die Lage täglich ändert, konnte sie noch nichts Definitives mitteilen. Die Mitarbeiter in Afghanistan wurden von den Geschehnissen ebenfalls überrascht und sind verängstigt. Es seien seit Wochen sehr viele Familien aus ihren Dörfern geflohen. Ob es einige auf die Evakuierungsflüge geschafft haben, war noch nicht bekannt. Es wurde denjenigen, die geblieben sind, freigestellt, ob sie weiterarbeiten können/wollen, werden aber auf jeden Fall von DAI weiter unterstützt und bezahlt. Ob das Stickprogramm Guldusi unter den neuen Umständen fortgesetzt werden kann und soll, hängt von den künftigen Bedingungen ab.

Auf jeden Fall bekommen die Frauen noch Geld für bereits gelieferte Stickereien. Und da schliesst sich eine grosse Bitte von Pascale an:

Es müssen unbedingt Stickereien verkauft werden!

Wegen der Corona-Ausfälle konnte zu wenig verkauft werden, um die Stickerinnen bezahlen zu können, aber nun finden Veranstaltungen und Ausstellungen wieder statt. Die nächste grosse internationale Veranstaltung ist das Europäische Patchwork Meeting Mitte September in Ste Marie-aux-Mines im Elsass, wo die neue Ausstellung ‘HAND in HAND’ präsentiert wird (vgl. dazu bitte auch meine Ankündigung weiter oben).

Dann folgen ‘Pour l‘amour du fil’ in Nantes (Frankreich) Ende September/Anfang Oktober und die NADELWELT in Karlsruhe (Deutschland) im Oktober 2021. Auch hier werden Guldusi-Ausstellungen zu sehen sein und es gibt die Gelegenheit zum Erwerb der afghanischen Stickereien.

In Luxembourg, in der Duchfabrik Esch-Sauer, läuft noch bis 26. September 2021 die Ausstellung ‘Keep Your Eye on the Planet’ (angekündigt in den Ausstellungstipps Juli 2021). Ebenfalls im September ist das Stickprogramm Guldusi auch in Bern (Schweiz) und in Benediktbeuern (Deutschland) vertreten.

Übrigens gibt es auf der Website von Guldusi auch einen Eventkalender, in dem die Ausstellungen verzeichnet sind und man alles Nötige findet.

Was kann man sonst noch machen? ‘Leider sehe ich uns aktuell machtlos direkt in Afghanistan irgendetwas Konstruktives anzugehen’, schreibt Pascale und fährt fort: ‘Hierzulande: kommen Sie zu den Ausstellungen, helfen Sie dem Team eine Stunde am Stand, laden Sie eine Ausstellung ein, kaufen Sie Stickereien’ – auch online: https://www.guldusi.com/shop.html

Feriba
Wettbewerb und Projekt ‘HAND in HAND’
Foto: www.guldusi.com

Dieser Bitte kann ich mich nur anschliessen – Hand in Hand

Info:

www.guldusi.com

***

Wall Power!

Eine feine Auswahl von Quilts aus der Zeit von der Mitte des 19. bis zum Ende des 20. Jahrhunderts aus der beeindruckenden Sammlung des American Folk Art Museums in New York City sind derzeit im Hudson River Museum zu sehen.

Mehr darüber und Fotos einiger ausgewählter Quilts sind hier zu finden

Info:

noch bis 26. September 2021

Wall Power! Spectacular Quilts from the American Folk Art Museum

Hudson River Museum
511 Warburton Avenue
Yonkers, NY 10701
USA

www.hrm.org
www.folkartmuseum.org

Auch interessant:

Anlässlich seines 60-jährigen Jubiläums und in Zusammenarbeit mit über einem Dutzend Kulturorganisationen in den Vereinigten Staaten hat das American Folk Art Museum Wanderausstellungen mit Exponaten aus seinen Sammlungen auf den Weg gebracht – quer durch die Staaten. Näheres dazu hier

***

Wiedereröffnung der Neuen Nationalgalerie Berlin

Am 22. August 2021 wurde die Neue Nationalgalerie Berlin wiedereröffnet. Ludwig Mies van der Rohe (1886-1969) hatte das Gebäude von 1965-68 errichtet und es wurde zu einem Wahrzeichen der modernen Architektur. Der Architekt war ein Visionär, der ganz im Sinne des Bauhaus bei seinen Gebäuden auf die Freiheit des Raums und konstruktive Logik setzte. ‘Weniger ist mehr’ war sein Motto, lichtdurchflutet und modern waren seine Entwürfe, auch der für die Neue Nationalgalerie.

‘Alexander Calder. Minimal / Maximal’
Alexander Calder: Têtes et queue, 1965
Stahl, Bolzen, Farbe
550 x 470 x 330 cm
Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie
© 2021 Calder Foundation, New York / Artists Rights Society (ARS), New York / Ludwig Mies van der Rohe / VG Bild-Kunst, Bonn 2021 / Photo by Stephanie von Becker
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Nach fast 50-jähriger Nutzung wurde die Ikone der klassischen Moderne seit 2015 saniert. Mit der Planung und Umsetzung der Sanierungsmassnahmen war das Büro David Chipperfield Architects beauftragt worden. Das weltweit tätige Büro mit Sitz in London, Berlin, Mailand und Shanghai hat einen besonderen Schwerpunkt auf Kulturbauten. ‘So viel Mies wie möglich’ – unter dieser Prämisse wurde die Sanierung durchgeführt.

‘Wir hoffen, den Patienten dem Anschein nach unberührt entlassen zu haben – nur in viel besserem Zustand’, meinte Stararchitekt Chipperfield nach Abschluss der Arbeiten, die dem renommierten Gebäude wieder zu altem Glanz verhalfen.

‘Die Kunst der Gesellschaft 1900-1945’. Sammlung der Nationalgalerie
Ernst Ludwig Kirchner: Potsdamer Platz, 1914
Erworben mit Unterstützung der Bundesrepublik Deutschland, der Kulturstiftung der Länder, der Ernst von Siemens Kunststiftung, der Kultur-Stiftung der Deutschen Bank und anderer
© Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin / Jörg P. Anders
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Mit eng auf das Gebäude bezogenen Ausstellungen feiert man derzeit die Wiedereröffnung: Eine eigens für die legendäre Glashalle konzipierte Ausstellung  ‘Minimal / Maximal’ zeigt Werke des Bildhauers Alexander Calder, einem Zeitgenossen von Mies. Ebenfalls eng mit der visionären Architektur des Gebäudes verbunden ist die Einzelausstellung der Film- und Medienkünstlerin Rosa Barba. Im weitläufigen Sammlungsgeschoss präsentiert die Nationalgalerie zahlreiche Hauptwerke der Sammlung unter dem Titel ‘Die Kunst der Gesellschaft 1900-1945’. Sie zeigt circa 250 Gemälde und Skulpturen, z.B. von Otto Dix, Hannah Höch, Ernst Ludwig Kirchner oder Lotte Laserstein. Zudem ist der Geschichte des Baus und dem Architekten Mies van der Rohe ein eigener Ausstellungsbereich gewidmet.

Nähere Informationen findet man hier

***

Bitte informieren Sie sich vor einem Ausstellungsbesuch auf der jeweiligen Website besonders über die genauen Voraussetzungen für einen Besuch und die Öffnungszeiten – es kann sich immer etwas ändern.

Weitere Ausstellungen finden Sie auf meiner Website in der Rubrik AUSSTELLUNGSKALENDER.

Den verschiedenen Beteiligten herzlichen Dank für das Zur-Verfügung-Stellen von Informationen und Bildmaterial!

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Kommentare zu diesem Artikel

10 Antworten

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  • Gitta Frühwacht

    Ganz grandiose Zusammenstellung und viele spannende, interessante Fakten dazu! Ganz herzlichen Dank für diese Arbeit, sehr informativ und ansprechend! Die Gendersternchen hätte es jetzt nicht gebraucht, finde ich, aber ich habe es (trotzdem 😉) sehr genossen, diese überbordende Fülle an Kunst und Hintergrund zu sehen und zu lesen.Super!

    • Gudrun Heinz

      halli hallo gitta,

      1000 dank für den kommentar, der mich natürlich sehr freut.

      hinsichtlich der gendersternchen sitzt man als autorin im dilemma: wie man’s macht, scheint es irgendwie falsch zu sein. ich würde vorschlagen, bitte ein auge zudrücken, drüberweg lesen und sich auf die kunst konzentrieren, die doch eindeutig im vordergrund steht, oder?

      dankeschön nochmals und

      beste grüsse

      gudrun

      • Gitta Frühwacht

        Liebe Gudrun,

        Du hast natürlich mit allem absolut recht!

        Beste Grüße und nochmals ein großes Dankeschön für die Zeit und Sorgfalt, die Du hier für uns investiert hast. Sehr inspirierend mit den Fotos der tollen Werke, die so viel Kreativität zeigen! 👍

  • Birgit Berndt

    Hallo Gudrun,interessante Eindrücke, ausführliche Informationen, tolle Fotos. Wieder ein eindrucksvoller Überblick der Kunst- und Textilkunstszene. Wie immer eine spannende und anregende Lektüre.Viele GrüßeBirgit

    • Gudrun Heinz

      halli hallo birgit,

      vielen herzlichen dank zurück! wie immer freue ich mich sehr über deinen postiven kommenar – und was kann zustimmung anderes sein? tut einfach nur gur 🙂

      beste grüsse

      gudrun

  • sabinemoertz

    Liebe Gudrun, du zeigst wieder mit dieser Fleißarbeit, welch ein riesen Gebiet der Kunst, unser aller Leidenschaft umfasst! Du führst zusätzlich noch so viele Künste mit auf, die neugierig machen. Ansehen kann man wirklich nicht alles, aber du bringst einen Hauch davon zu uns. Danke!Lieben Gruß! Sabine

    • Gudrun Heinz

      halli hallo sabine,

      tut mir leid, dass ich erst jetzt antworte, gestern gabs probleme mit der internetverbindung. also habe ich das laptop zur seite gelegt und mich an die nähmaschine gesetzt – auch gut, nicht? 🙂

      dir 1000 dank für deine lieben zeilen, freut mich sehr, wenn ich lese, dass ich eine passende auswahl getroffen habe, die dir – und hoffentlich noch vielen anderen leser*innen – gefällt. mir ist schon sehr lange der knopf aufgegangen, dass man, um eine gute gestaltung (z.b. mit textilen mitteln) zu finden, nicht ohne die kunst auskommt. und da dies ein so reiches und weites feld ist, eröffnen sich jede menge inspirationen und anregungen für das eigene tun. und ausserdem macht es einfach nur spass zu sehen, welche ideen andere wie umsetzen. daher schaue ich sehr gern über den tellerrand, wie es so schön heisst, und freue mich, dass du das zu schätzen weisst. also nochmas vielen dank zurück!

      beste grüsse

      gudrun

  • Wiebke Maschitzki

    Liebe Gudrun!Spannend vom Anfang bis zum Ende – mal wieder eine Superaufstellung von Dir.Christos Verhüllung – habt Ihr die gewaltigen Nähmaschinen gesehen in der Lübecker Firma? Das Quilten müßte dort ja Spass machen.Oder das rote Kleid in der MET ? — Damit möchte ich wohl  zum 26. Europäisches Patchwork Treffen. Ist aber leider zu weit weg von mir.Dann die wunderschönen Stickereien, der Schmuck — Kitsch und Kunst ist sicher auch sehenswert.Dir wünsche ich bequeme Schuhe und  viel Freude in Ste Marie-aux-Mines bei diesen tollen Exponaten.Liebe GrüßeWiebke

    • Gudrun Heinz

      halli hallo wiebke,

      ganz herzlichen dank! freut mich sehr, deine begeisterung zu lesen.

      christos verhüllung hat mich auch echt fasziniert. ich ärgere mich schon seit jahren, dass ich die verhüllung vom berliner reichstag seinerzeit nicht in echt sehen konnte und mit den ‘floating peers’ in oberitalien war es auch nix. na ja, ob es mit paris in diesen zeiten was wird? jedenfalls beneide ich die näherinnen in diesem fall nicht wirklich. ich habe mal während meines studiums beim nähen eines bühnenvorhangs mitgemacht. und das war bei weitem nicht so ein schwerer stoff und bei weitem nicht in diesen dimensionen, aber auch zu mehreren ist das nicht einfach.

      neue bequeme schuhe habe ich mir gerade geleistet – man wird sehen, wie das mit ste marie wird – an meinen asics liegt es jedenfalls nicht 🙂

      danke nochmals und

      beste grüsse

      gudrun

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