Kreative Artikel zum Thema Nähen

Wettbewerb COWandMore: Gul – Flowers – Blumen

Liebe Leserinnen

Im Folgenden – und in einer Reihe weiterer Artikel, die in regelmäßigen Abständen hier erscheinen – berichte ich über den Wettbewerb COWandMORE und das Stickprogramm Guldusi. Hier findet Ihr alle bisher publizierten Artikel. Die Teilnahme am Wettbewerb ist weiterhin möglich (bis zum 31. Januar 2019). 

Den ausführlichen Wettbewerbsbeschrieb mit den Teilnahmebedingungen findet Ihr unter dem folgenden Link: Wettbewerb COWandMore.

Ich hoffe auf zahlreiche Teilnahme und freue mich auf Eure Interpretationen des Themas COWandMORE!


Blumen und Kühe

Heute geht es um Blumen, die überall auf der Welt von allen Frauen geliebt werden, auch in Afghanistan. Allerdings ist die Pflege von Blumen dort, wie wir erfahren werden, mit großer Anstrengung verbunden.

Buchstaben GUL, gestickt von Narges

Blume heißt in Dari Gul. Diese Wortbedeutung gilt auch im Arabischen und Türkischen, obwohl es sich hier um drei unterschiedliche Sprachen handelt. Man kann somit von einem außergewöhnlichen internationalen Wort sprechen: GUL!

Das Stickprogramm heißt Guldusi. Warum? Die Frauen auf den Dörfern bezeichnen ihre Stickerei als Guldusi. Da Dusi „Stickerei“ bedeutet, ist Guldusi eine Blumenstickerei. Denn ursprünglich stickten die Frauen mit dem Klosterstich vornehmlich Blumenmotive. Hier seht ihr eine schlichte Stickerei aus den Anfängen des Stickprogramms (2006), im Klosterstich gearbeitet, mit Vorder- und Rückseite:

Gestickte Blume, Vorder- und Rückseite

Die Frauen auf den Dörfern (aber auch in den Städten) leben in einem Hof. Je nach Größe gibt es fast immer ein paar Quadratmeter Platz für ein Blumenbeet. Eine Art Trotz gegen das Karge der eintönigen, trockenen und erdigen Landschaft, mühsam gehegt und gepflegt in der Zuversicht, dass die Farbtupfer das monotone Drumherum erträglicher machen. Viele Haushalte haben direkt am Hof oder unweit entfernt einen Gemüsegarten angelegt, der auch mit Blumen ausgeschmückt ist und in dem die Frauen selbst arbeiten. Sie bauen einfache Winterhäuser, in denen empfindliche Blumen wie Geranien überwintern. Die Pflege fängt damit an, nach dem Winter so früh wie möglich die Setzlinge zu versorgen.

Bild: Margreth Rößler-Wacker

Wenn man von der Kälte im Winter spricht, dann ist vor allem die Kälte der Winternächte gemeint. Denn tagsüber spendet die Sonne selbst im Januar und Februar in der Regel eine angenehme Wärme. Die große Anstrengung liegt darin, die Blumen mit Wasser zu versorgen. Dieses muss geholt werden, da kein Hof und kein Haushalt über fließendes Wasser verfügt.

Wasserpumpe, gestickt von Fatuba

Auf dem Dorf verteilt gibt es Pumpen, die von den Kindern oder auch von Männern betätigt werden. Größere Mengen an Wasser zu gewinnen und zu transportieren, gehört meistens zu den täglichen Männeraufgaben. Soweit mir bekannt ist, holen die Frauen kein Wasser. Hier sieht man ein kleines Mädchen aus dem Dorf Sufian payin (Sufian unten), das das Führen der schweren Schubkarre gut im Griff hat.

Wasser wird natürlich an vielen Stellen im Haushalt benötigt. Abgesehen von der Toilettenspülung entspricht die Wassernutzung der unseren in Europa. Große Mengen werden herbeigeschafft, sodass auch noch für die Blumen etwas übrig bleibt. Leider regnet es aber in Afghanistan sehr selten, sodass es wenig Sinn hat, auf diese Hilfe aus dem Himmel zu warten.

Allerlei Blumen werden gepflanzt, mehrjährige und einjährige; Geranien findet man sehr oft in Töpfen, gerade rotfarbige als intensiven Kontrast zur Umgebung.

Bild: Margreth Rößler-Wacker

Es ist zu erkennen, dass die Stickerinnen gerne rote Blumen sticken. Dabei kommt es ihnen nicht auf eine naturalistische Darstellung an, sondern vor allem auf den Einsatz der vitalen Farbe Rot. Kühe und Blumen werden auf dem Grundstück streng auseinandergehalten! Nur auf der Stickerei kommt es vor, dass eine Kuh auf einem Blumenfeld rastet und genussvoll Blumen frisst. Die Realität einer Kuh sieht anders aus: Haltung auf kargen und harten Böden, Angebundensein und Fütterung durch mitgebrachtes Grünzeug (ohne Blumen).

Stickerei von Mariam

Stickerei von Mariam

Stickerei von Shogufa

Ingrid Wieland aus Berlin ergänzte nachträglich ihren (mit Patchwork- und Appliqué-Techniken genähten) Alpengarten mit einer gestickten afghanischen Kuh, die sich plötzlich auf der grünen und bunten Alm wiederfand und sich sicherlich wie eine glückliche Migrantin fühlt!

Alpengarten von Ingrid Wieland

Gulelola ist eine ganz besondere Blume. Es handelt sich um eine eher schlichte Tulpe, die wild in Afghanistan wächst und die als Königin der Blumen gilt. Deshalb wird sie auch sehr gerne dargestellt. Ihr soll ein eigener Beitrag gehören, auf den Ihr noch ein wenig warten müsst.

Stickerei von Freshta

Um die Realität vor Ort für Euch anschaulicher zu machen, füge ich noch zwei Fotos an, die ich im Winter vor ca. 10 Jahren gemacht habe. Auf dem ersten seht Ihr neben den Kühen Kriegswracks, die noch herumstehen und den Kindern oft als Klettergerüst dienen. Die Metallteile wurden erst Jahre später abgeräumt.

Das zweite zeigt eine Wasserpumpe und Kühe. Damals konnte ich noch nicht ahnen, dass es das Stickprogramm so lange geben würde. Es besteht nun schon seit fast 15 Jahren!

Mit der Stickerei von Zarghuna, durch die das nächste Thema schon eingeführt wird, verabschiede ich mich. Es geht um die Stickereien mit Vogelmotiven, die auch mit Kühen verbunden sind. Vögel sind eine andere Vorliebe der Afghanen, sowohl Männer als auch Frauen schätzen diese Tiere. Aber bevor ich darüber berichte, muss ich noch selbst fliegen. Mitte Oktober steht wieder eine Afghanistan-Reise an und ich freue mich schon sehr darauf, die Frauen auf den Dörfern wieder zu treffen.

Stickerei von Zarghuna


COWandMORE ist eine Zusammenarbeit von vier Partnern:

  • DAI e.V. mit dem Stickprogramm Guldusi
  • MADEIRA Garne, der Sponsor vom Stickprogramm
  • Patchwork Gilde Deutschland e.V.
  • BERNINA international: Sie erhalten hier regelmässig Informationen zum Ausstellungsprojekt COWandMORE, einem Feuilleton ähnlich. Die Handstickereien lassen sich wunderbar maschinell weiterverarbeiten. BERNINA lädt herzlich zur Teilnahme bei COWandMORE ein!

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